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Evil New Year 2026: Charmantes Neujahrsgewitter

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„Was für ein Start ins Jahr!“, wird Heretoir-Sänger Eklatanz später proklamieren, und damit Recht behalten. METAL HAMMER beginnt das Konzertjahr 2026 im malerischen Heidelberg. Die historische Altstadt von einer sanften Schneedecke überzogen, lockt die Halle02 im frühen Januar schwarzgekleidete Gestalten an. Zeit für ein Evil New Year – auch wenn das eintägige Black Metal-Event in der Universitätsstadt so böse gar nicht ist. Das verhältnismäßig junge Publikum, eine für das Genre erfreulich geringe Dichte von Merchandise von Bands mit Kontroverseneinschätzung bei Wikipedia und die mit Kartenzahlungsgarderobe, Chillout-Bereich und FLINTA*-Toiletten modernisierte Venue erwecken den Untergrund der Studierendenhochburg zum Leben. Black Metal als Wohlfühlort? So weit kommt’s noch – zum Glück gibt es ja auch noch die Musik.

Von Newcomern …

Eröffnend spielen die Dresdner Ultima Necat. Mit einer noch nicht mal ein Jahr alte Debüt-EP sind sie eindeutig Newcomer, doch das hielt das Trio nicht davon ab, sich bereits das Tourneeplakat mit den Szenegrößen Watain zu teilen und zuletzt die Dänen Sunken auf der Tour zum auch im METAL HAMMER-Jahresrockblick gefeierten LYKKE (2025) zu begleiten. Beim Evil New Year ist von ihren dröhnenden Tönen primär zu hören – das Licht verhindert vor allem den hinteren Reihen der für die Uhrzeit bereits ganz gut gefüllten Halle den Blick auf die Bühne.

Dasselbe gilt für die folgenden Boötes Void, die zunftgemäß maskiert und stellenweise fiepender Technik zum Trotz den Raum mit Musik füllen. Hier zeigt sich außerdem früh, wie gut die Tonabmischung in der Halle02 an diesem Tag ist. Gesprochene Zwischenspiele, die andernorts häufig unverständlich bleiben, klingen hier klar – wie so häufig bei dieser Art Interludien wird währenddessen allerdings auch Unruhe im Publikum deutlich.

… über Feature-Freuden …

Bei Firtan ist das nicht der Fall. Die seit 2025 zum Sextett gewachsene Band – Perchta-Gitarrist Lukas Massinger ergänzt die Truppe – zeigt direkt die Vorzüge des Tourneepakets, als Teil dessen die süddeutsch-österreichische Band beim New Evil Music spielt. Schon beim ersten Song begrüßen sie einen Gast auf der Bühne und geben ‘Hrenga’ gemeinsam mit Harakiri For The Sky-Frontmann J. J. (mit seiner zweiten Band Karg vor Ort) zum Besten. Zu ‘Wermut hoch am Firmament’ hat dann Ellende-Kopf L. G. einen Auftritt. In ihrer Varianz bieten Firtan so ein frühes Highlight mit großartiger Setlist: Neben bereits genannten Songs vom aktuellen Album ETHOS (2024) gibt es mitunter ‘Amor Fati’ (MARTER, 2022) und natürlich ‘Nacht verweil’ (OKEANOS, 2018), bis zum verzaubernden Violinen-Outro energetisch moderiert. Ein Mitglied der Band wird man heute außerdem nicht zum letzten Mal gesehen haben …

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Firtan beim Evil New Year 2026

Mit Imha Tarikat setzen die Verzögerungen des Abends ein: Die technischen Anpassungen im Soundcheck benötigen mehr Zeit als zuletzt. Schwer zu sagen, ob die angepisste Attitüde von Band-Kopf Kerem Yilmaz rein zur Bühnenpersona gehört. Dennoch ringt er sich schließlich einen Scherz ab und verweist während des Auftritts auf Liebe als oberstes Gebot – inmitten der wohl rausten Musik des Abends gleichermaßen ulkig wie erfrischend. Moderner Black Metal ist eben trotz kathartischer Wirkung doch gar nicht so böse.

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Imha Tarikat beim Evil New Year 2026

Karg machen ihrem Namen alle Ehre: Bis auf das Backdrop ist die Bühne so spartanisch wie bei keiner anderen Band – neben fehlenden Bannern ist der einzige Hingucker der Gurt von Frontmann J.J.s Bass. So liegt der Fokus auf der tief bewegten Musik, deren verzweifelte Texte der Sänger auch Publikum ohne österreichischen Dialektkenntnissen zu vermitteln weiß. Die einzigartige Szenestimme findet Unterstützung in Firtan-Violinistin Klara Bachmair (‘Yūgen’) sowie erneut Ellendes L. G. (‘Petrichor’).

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Karg beim Evil New Year 2026

Die Unterstützung bei den folgenden Heretoir ist weniger freiwilliger Natur. Schlagzeuger Nils Groth muss krankheitsbedingt von Marco Prij von Cryptosis ersetzt werden. Sowohl neue Songs wie ‘The Ashen Falls’ (SOLASTALGIA, 2025), der lange Atem von ‘Twilight Of The Machines’ (NIGHTSPHERE, 2023) als auch das unschlagbare ‘Golden Dust’ (THE CIRCLE, 2017) klingen natürlich trotzdem gut. Die Blackgaze-Band bietet die perfekte Ruhepause – im besten Sinne – im unermüdlichen Programm des Evil New Year; Zeit zum Sammeln und Sich-Verlieren in Melodien statt Raserei.

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Heretoir beim Evil New Year 2026

… zu Szene-Highlights

Ellende drücken die Stimmung schließlich schnell genug wieder – natürlich nur inhaltlich. Die Trauer eröffnet ‘Zerfall’, der mit Techno-Interludium experimentelle Titel-Track des erst am Vortag erschienenen sechsten Albums der Grazer. Als Teil der zugehörigen Tour ist der Auftritt in Heidelberg damit quasi eine Releaseshow, und so gibt es aus ZERFALL außerdem Songs wie ‘Zeitenwende Teil I’ (dritter Auftritt für Firtans Klara Bachmair) und ‘Wahrheit Teil II’ zu hören. L. G. gibt sich entgegen der düsteren Texte dynamisch, seine ausladenden Dankesbekundungen stoßen auf Johlen. Als er zum Ende der Show dramatisch die Hände schließt und zeitgleich das Licht ausgeht, könnte der Abend beendet sein – einen Höhepunkt bieten die schwermütigen Co-Headliner jedenfalls.

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Ellende beim Evil New Year 2026

Doch während des Auftritts treffen dann doch die Nachzügler ein: Dödsrits Flug verspätete sich, daher ist es Glück, dass die schwedisch-niederländische Truppe noch beinahe pünktlich auftaucht. Glücklicherweise ist das Riff von ‘Irjala’ so gut, dass es auch nach mehrfachem Soundcheck-Anspielen zum Show-Beginn nicht abgenutzt, sondern gekonnt majestätisch klingt. Nach Tourneen mit Harakiri For The Sky oder den US-Shootingstars Blackbraid sind Dödsrit längst kein Geheimtipp mehr, und das zu Recht. Mit Crust-Elementen angereichert fegen ihre Songs als Sturm über das Publikum hinweg. Mit Oden an die Neunziger-Wurzeln des Genres bilden sie einen runden Abschluss des Abends.

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Dödsrit beim Evil New Year 2026

Passend zur Wissenschaftsstadt gestaltet das Team von New Evil Music in Heidelberg eine Art Klassentreffen der deutschsprachigen Black Metal-Szene (plus Dödsrit). Das kleine Festival sammelt genau die richtige Mischung aus Szene-Lieblingen und Newcomern zusammen, um Fans des Genres abzuholen, mit kürzeren Sets und kluger Abwechslung aber nicht direkt zu übersättigen. Die baden-württembergische Stadt ist ohnehin eine Reise wert – mit diesem Programm sogar im Januar.


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Annika Eichstädt
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