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Im Pit bei: Persistence Tour 2015

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Eine Frau, die mit ihrem Gesang Wände zertrümmern könnte, vier gesellschaftskritische Hardcore-Rocker mit der Lizenz zum Lodern und eine gehörige Ladung Hardcore-Punk, von der man noch lange nicht die Schnauze voll hat.

Dieser Donnerstag war kein gewöhnlicher Partyabend im Astra. Denn sobald man die Türschwelle übertreten hatte, war man inmitten eines Ameisenhaufenähnlichen Gewusels an Menschen. Eingeklemmt zwischen breiten Schultern mit den offensichtlich bei dieser Veranstaltung obligatorisch dazugehörigen muskulösen tätowierten Armen war es kaum möglich, sich einen Weg in das Innere der Astra-Gemäuer zu bahnen. Doch mit ein bisschen Schieben und Drücken gelang es, sich bis zur Bühne durchzuschlängeln. Ein freundliches Auf-die-Schulter-Tippen hätte das Ganze nicht nur erheblich verlangsamt, sondern war bei dem überwiegend recht robusten Publikum gar nicht nötig. Hier war man die etwas herbere Gangart durchaus gewöhnt. Immerhin fand das Auftakt-Konzert der hochkarätig besetzten Persistence-Tour statt. Sieben Bands heizten an dem Abend über sechs Stunden den Pogo- und Mosh-Freunden gehörig ein. Nur was für Hartnäckige eben, der Titel der Tour ist Programm.

Erster großer Headliner waren Walls Of Jericho. Eine Frau zwischen all den vor Testosteron strotzenden harten Kerlen? Aber Hallo! Candace Kucsulain lässt sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen. Von der ersten bis zu letzten Minute des knapp 30-minütigen Sets gab sie absolut alles. Als rothaariges Energiebündel regierte sie gemeinsam mit ihren vier Bandkollegen bei Songs wie ‘All Hail The Dead’ von der gleichnamigen 2004er Platte die Bühne. Doch neben ihrem kräftigen Gesang fand sie zwischenzeitlich auch bewegende Worte, um auf ihre Krebsstiftung aufmerksam zu machen. Nach diesem Moment des Innehaltens ging es laut und heftig weiter. Bei dem Titelsong des Albums THE AMERICAN DREAM zeigten Künstler und Zuschauer durch kollektiv in die Höhe gereckte Mittelfinger, was sie von diesem Konstrukt halten: nichts. Für den letzten Song ihrer Performance, ‘Revival Never Goes Out Of Style’suchten Candace und einer der beiden Gitarristen den Publikumskontakt. Letzterer surfte auf den Massen und spielte dabei scheinbar mühelos weiter. Eine Metalcore-Band zum Anfassen also, und das stieß auf helle Begeisterung bei den Zuschauern.

Nach einer Viertelstunde Umbaupause enterten Ignite mit ihrem melodischen Hardcore die Bühne und entzündeten das wieder einigermaßen regenerierte Publikum. Mit ‘Veteran’ gaben sie ein Stück von ihrem neunten Studioalbum A PLACE CALLED HOME (2000) zum Besten. Das Publikum ließ sich von der enormen Energie anstecken und crowdsurfte sich um den Verstand. Ältere Titel, wie ‘Family’ von der gleichnamigen 1995er LP, gefielen ebenso wie brandneue Stücke. Ignite ließen auch immer wieder Sozialkritisches anklingen. So machte Sänger Zoltan Téglás beispielsweise auf die Verdrängung persönlicher Kommunikation durch digitalisierte Varianten im Internet aufmerksam. Viele Fans antworteten darauf mit lautstarkem Applaus. Fast schon sentimental ging es zu, als die Rocker den Track ‘A Place Called Home’ der Stadt Berlin widmeten, da sie hier im SO36 ihr erstes Europakonzert spielten. Schließlich waren die 45 Minuten Spielzeit vorüber und die Band hinterließ trotz aller Verausgabung eine nach wie vor musikdurstige Meute.

Kurz vor 23 Uhr wurde deren Durst dann auch gestillt, als Sick Of It All an der Reihe waren. Zum Abschluss gab es das volle Hardcore-Punk-Brett vor die Nase. Das Publikum rastete völlig aus. Die Energie in der Mitte strahlte bis an die äußerten Randgebiete des Zuschauerraumes aus. Die vier New Yorker hielt das nicht davon ab, die Fans noch mehr anzufeuern und sie zu Circle-Pits und Walls Of Death zu animieren. Auch sie reisten in ihrer Setlist quer durch die eigene Diskographie und spielten zum Beispiel ‘Sanctuary’ von dem 1999er Album CALL TO ARMS, aber auch einige Titel von ihrer letzten Platte LAST ACT OF DEFIANCE (2014). Trotz aller musikalischen Härte der Band und dem wilden Tanzstil des Publikums zeigten sich die Musiker am Ende ihrer Performance ganz fürsorglich und entließen die erschöpfte, aber mit Endorphinen vollgepumpte Masse mit einem “Passt aufeinander auf!“

Der kurz vorher noch nahezu berstende Raum leerte sich und so gelang der Gang nach draußen gerade spielend. Im Vorbeischlendern sah man zwischen all den Piercings, zerrissenen Shirts und verschwitzten breiten Kreuzen nur eines: dankbare, glückliche Gesichter.

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