Erst vor wenigen Wochen haben The Gems mit YEAR OF THE SNAKE ihr zweites Studioalbum veröffentlicht: ein Werk, das vor allem auf Live-Tauglichkeit zielt und genau darin seine Wahrheit findet. Crucified Barbara-Frontfrau Mia Karlsson, die bei den Schwedinnen auf der Bühne den Bass übernimmt, eröffnet den Abend mit einem Akustik-Set, das als bewusst gesetzter Gegenpol zum später dominierenden Hard Rock fungiert.

King Zebra wagen mit ‘She Don’t Like My R’n’R’, ‘Under Destruction’ oder ‘Wall Of Confusion’ – Letzterer ohne den Gastgesang von Guernica Mancini – eine Zeitreise in die Achtziger, die weniger nostalgisch als vielmehr programmatisch wirkt.

The Gems
Nach kurzem Umbau betreten The Gems unter den Klängen von ‘Walls’ die Bühne, und schnell wird klar: Das Liveset steht ganz im Zeichen von YEAR OF THE SNAKE, das in Gänze performt wird. Auf den Opener ‘Year Of The Snake’ folgen mit ‘Queens’ und ‘Send Me To The Wolves’ zwei Rückgriffe auf den Vorgänger PHOENIX (2024), die wie Erinnerungsfragmente einer gerade erst abgeschlossenen Phase erscheinen. Doch mit ‘Firebird’ verschiebt sich die Energieachse: Guernica verlässt die Bühne, durchquert das Publikum und übergibt den Chorus wechselweise an die Fans. Für ‘Gravity’ übernimmt Mia Karlsson den Gesangs-Part, den eigentlich Tommy Johansson (Ex-Sabaton, Majestica) singt.

Ganz ohne Brüche bleibt der Auftritt nicht: ‘Stars’ benötigt drei Anläufe, bis die Band in die Spur findet. Mit einem Medley aus ‘Ease Your Pain’, ‘Running’ und ‘Fruits Of My Labor’ (alle PHOENIX) richten The Gems den Blick zurück, bevor die Zugabe einen ironischen Schlenker nimmt: Wie Gitarristin Mona Lindgren anmerkt, versuche man sich für das obligatorische ‘Like A Phoenix’ an einer Jazz- statt der bekannten Rock-Version.

Die Idee entpuppt sich als Gag. Anders als auf der vergangenen Tournee fehlt der Thundermother-Song ‘Driving In Style’ im Set – ein bewusster Schnitt. Mit YEAR OF THE SNAKE zeigen The Gems letztlich mehr als nur musikalische Weiterentwicklung: Es ist die demonstrative Ablösung von der eigenen Vergangenheit. Und der Beginn einer Geschichte, die nun ausschließlich ihre eigene ist.
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