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METAL HAMMER PODCAST Folge 1 mit Doro Pesch https://www.metal-hammer.de/wp-content/uploads/2020/11/27/09/mh-podcast-beitragsbanner.gif

Im Pit beim Heidenfest mit Ensiferum, Turisas u.a.

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Alle Jahre wieder schart das Heidenfest das Who is Who der Folk-, Pagan- und Viking-Szene um sich und lässt sie auf eine scheinbar nimmersatte Meute junger Anhänger los, die nur darauf warten ihre Helden abzufeiern. So auch dieses Mal: Als Headliner konnten seit langer Zeit mal wieder die finnischen Folk-Superstars Ensiferum verpflichtet werden, die von ihren Landsleuten Turisas und den deutschen Speerspitzen Equilibrium und Suidakra begleitet werden. Dem nicht genug, komplettieren die Heidenfest-Debütanten Riger, Gernotshagen, Winterstorm und Frosttide das Line-Up der heutigen Extended Show. Beim Betreten des aufgeheizten LKAs gegen 17:30Uhr haben allerdings beide Letztgenannten ihre Auftritte aufgrund des enorm frühen Startschusses um 16:15 Uhr bereits absolviert.

Den Anfang machen an dieser Stelle also Suidakra. Bedenkt man, dass die deutschen Melo Deather mit keltischem Einschlag bereits seit fast 20 Jahren ihr Unwesen treiben, erscheint der frühe Slot und die magere Spielzeit von nur 35 Minuten eher fragwürdig. Davon jedoch völlig unbeeindruckt stürmt Chefdenker Arkadius mit seiner Truppe los und macht das Beste daraus. Zwar erscheinen die Fans in der gut gefüllten Halle anfangs noch etwas müde, spätestens aber beim superben Instrumental ‘Dead Man’s Reel‘ ist das Eis endgültig gebrochen und kollektives Headbangen angesagt. Der satte Sound und die ständigen Animierungsspielchen des charismatischen Frontmanns tun dazu nur ihr Übriges. So steht dann auch wenig später die erste Wall Of Death des Abends auf dem Programm. Zeit zum Genießen bleibt allerdings wenig, denn nach ‘March Of Conquest‘, der Single des aktuellen Albums ETERNAL DEFIANCE, und dem obligatorischen Rausschmeißer ‘Wartunes‘ ist auch schon wieder Schluss – viel zu früh!

Danach sind Gernotshagen an der Reihe. Die Thüringer warten mit symphonisch untermaltem Pagan Metal auf, der nicht selten in schwarzmetallische Gefilde abdriftet. Der extrem vielseitige Gesang von Sänger Daniel „Askan“ Möller setzt dabei die nötigen Akzente, auch wenn es den clean gesungenen Passagen noch etwas an Feinschliff fehlt. Weibliche Unterstützung gibt es heute zudem von der Eisregen-Keyboarderin Franzi Brink alias „Dr. Franzenstein“, die den ausgedehnten Stücken mit ihren Tastenkünsten die nötige Atmosphäre verleiht. Heiden-Jünger wollen in erster Linie aber lieber feiern als düsteren Klangwelten andächtig zu lauschen, weshalb die Stimmung lange nicht so ausgelassen wie bei Suidakra ist. Songs wie das treibende ‘Schlachtenbruder‘ oder das epische ‘Weltenbrand‘ aus dem gleichnamigen Album hinterlassen nichtsdestotrotz einen positiven Gesamteindruck.

Ob es nun an der eher durchschnittlichen Darbietung von Riger liegt, oder aber daran, dass sich das überwiegend junge Publikum bei knapp acht Stunden Programm auch mal erholen muss, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass sich die Reihen bei den Pagan Metallern zunehmend lichten und viele die Bar bzw. eine Zigarette im Freien bevorzugen. Da können sich die Frankfurter in nordischer Mythologie laben wie sie wollen, der überwiegende Teil des Song-Materials verliert sich irgendwo im Genre-Einheitsbrei. Auch „Dr. Franzenstein“, die erneut die Keyboards beisteuert, kann hier nicht mehr als ein Höflichkeitsapplaus herausholen. Zu solch fortgeschrittener Zeit ist man beim Heidenfest eigentlich Besseres gewohnt.

Wie es geht, zeigen hingegen Equilibrium, die mittlerweile zum absoluten Stamminventar des Heiden- bzw. Paganfests gehören. Mit einem 45-minütigen Hit-Feuerwerk lassen sie kein Haupthaar ungeschüttelt und peitschen das Publikum fast schon unbarmherzig voran – Verschnaufpause? Fehlanzeige! Hier verkommt es schon fast zur Nebensächlichkeit, welcher Song überhaupt abgefeuert wird. Egal ob mit dem bissigen Opener ‘Blut im Auge‘, den Klassikern ‘Der Sturm‘ und ‘Unter der Eiche‘ oder der feuchtfröhlichen Trinkhymne ‘Met‘, die Fans fressen dem bayrischen Fünfer aus der Hand. Sogar das Skyrim-Theme ‘Himmelsrand‘ sowie der Titeltrack aus der neuen EP WALDSCHREIN werden abgefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Übrigens ist Equilibrium-Boss René Berthiaume nicht mit von der Partie, er wird aber von Suidakras Arkadius mehr als würdig vertreten. Gerade durch sein gutgelauntes Zusammenspiel mit Basserin Sandra van Eldik hat es stellenweise den Anschein, als hätte er nie etwas anderes getan. Und auch wenn sich die Ansagen von Sangesbarde Robert „Robse“ Dahn des Öfteren auf dem artikulatorischen Niveau eines Kevin Russell bewegen, hat er die Meute fest im Griff und gibt sie erst nach dem altbekannten Abschiedskracher ‘Unbesiegt‘ wieder frei. So und nicht anders hat der Heidenfest-Auftritt eines heimlichen Headliners auszusehen.

Im Anschluss daran können Turisas eigentlich nur verlieren. Ganz so einfach geben sie sich allerdings nicht geschlagen, obwohl sie sich das Leben in erster Linie selbst schwer machen. In der Szene genießen die rot-schwarz bemalten Finnen nach wie vor einen guten Ruf, durch ihre stilistische Gradwanderung hin zu einem verkappten Rock-Musical verspielen sie aber zunehmend ihre Vorschusslorbeeren. Keine Frage, optisch sind sie zweifellos der imposanteste Act des Abends und fehlendes Engagement kann man ihnen sowieso nie vorwerfen, der einst so umjubelte Battle Metal aus Anfangstagen blitzt aber leider nur noch selten durch. Die barbarische Ungezügeltheit ist einer perfekt durchchoreographierten Theatralik gewichen, die vor allem bei Stücken der durchwachsenen neuen Platte TURISAS 2013 zum Tragen kommt. Und auch die mehr oder minder gekonnt ignorierten aber vehementen ‘Rasputin‘-Rufe seitens der Fans trüben den Gesamteindruck etwas. Anhänger alter Turisas werden zwar glücklicherweise mit dem bereits angesprochenen Band-Hit ‘Battle Metal‘ oder dem heroischen ‘To Holmgard and Beyond‘ vertröstet, die zu den klaren Highlights des Auftritts zählen, insgesamt bleibt die Stimmung aber weit hinter der frenetisch bejubelten Equilibrium-Party. Unterm Strich steht trotz all dem immernoch ein solider, wenn auch nicht überragender Gig. Für die Zukunft wäre jedoch eine musikalische Rückbesinnung wünschenswert… vielleicht sogar notwendig.

Die letzte Schlacht des Abends schlagen die routinierten Krieger von Ensiferum. Bei der für einen Headliner recht knapp bemessenen Zeit von nur einer Stunde sollte man meinen, die Finnen um Frontmann Petri Lindroos fackeln nicht lange und reihen Hit an Hit. Denkste, im besten Falle darf man die heutige Setlist nämlich als mutig bezeichnen. Schon der Opener ‘Into Battle‘ hat Seltenheitswert, bei dem sich die viel zu leise Gitarre des Sängers erst noch einpegeln muss. Daneben müssen zahllose Klassiker wie ‘Guardians Of Fate‘, ‘One More Magic Potion‘, ‘Tale Of Revenge‘ oder gar dem Publikumsliebling ‘Lai Lai Hei‘ einem größtenteils eher durchschnittlichen Songmaterial von UNSUNG HEROES weichen. Klar, das muss man verschmerzen, ein neues Album will schließlich auch promotet werden, zumindest die restliche Songauswahl sollte dann aber den ausharrenden Fans soweit in die Karten spielen, dass der Siedepunkt gegen Mitternacht doch noch angekratzt wird. Das überlange ‘The Longest Journey‘ und die lahme Zugabe ‘Wanderer‘ machen letztlich aber auch diese Hoffnung zunichte und wirken einfach nur deplatziert. Zu allem Überfluss verzichtet das Quintett sogar auf ihren Übersong ‘Iron‘ und verabschiedet sich lieber mit Monster-Sombreros und einer (zugegebenermaßen spaßigen) Coverversion von ‘Bamboleo‘. Wären da nicht die treuen Anhänger, die bei Feier-Garanten der Marke ‘Ahti‘ oder ‘Twilight Tavern‘ nochmals alle Kräfte mobilisieren und Circlepits bzw. Wall Of Deaths am laufenden Band anzetteln, müssten die Skandinavier den Tagessieg glatt an Equilibrium abtreten. So können sie trotz der halbgaren Setlist ihre Klasse und Erfahrung zu jeder Zeit ausspielen, untermauern damit ihren Headliner-Status und kommen nochmal mit einem blauen Auge davon.

Alles in allem darf das Heidenfest also auch dieses Jahr wieder als Erfolg verbucht werden, wobei man das LKA durchaus schon mal voller erlebt hat. Zudem müssen sich die Veranstalter die Frage gefallen lassen, wie sinnvoll es ist, ganze acht Bands an einem regulären Werktag spielen zu lassen bzw. ob ein kompakteres Line Up mit längeren Spielzeiten im Sinne der Bands und vor allem der Fans nicht doch die bessere Lösung wäre.

In der Galerie oben findet ihr Bilder vom Heidenfest in Gießen.

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