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Keine Zukunft: Musiker-Armut durch Streaming und Gratis-Downloads

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METAL HAMMER-Ausgabe Dezember 2013
METAL HAMMER-Ausgabe 12/2013

>>> Saitenhieb aus METAL HAMMER 12/2013

„Warum ich die Band verlasse? Weil ich es mir nicht mehr leisten kann. Wir touren und jedes Mal verlieren wir dabei Geld. Allein dieses Jahr haben wir vier Tourneen absolviert, und bei jeder haben wir draufgezahlt. Aber das Traurigste daran ist, dass die Industrie von einer Band erwartet, dass sie dazu bereit ist.“

Diese Worte stammen aus dem Mund von Aeon-Gitarrist Daniel Dlimi. Wie kaum ein (Metal-)Musiker vorher nennt er das Kind beim Namen: In einer Band zu sein, bedeutet heutzutage in über 90 Prozent der Fälle, dass man mit der Trias aus CD-Verkäufen, Gagen und Merchandise-Einnahmen nicht mehr genügend Gewinn erzielt, um die Ausgaben zu decken.

Von großen Umsätzen kann anfangs ohnehin keine Rede sein. Da Enthusiasmus und Freude an der Musik die hauptsächlichen Antriebsmotive für Menschen sind, in einer Band zu spielen, ist Geld auch nebensächlich. Zunächst. Wenn man aber viel Fleiß, Zeit und Schweiß investiert, möchte man etwas „zurückbekommen“. Das können mehr und bessere Gigs sein, ein höheres Budget für das nächste Album oder generell eine angemessene Vergütung.

Wer um den Zustand der Musikindustrie weiß, dem ist klar, dass nicht mehr viel Geld in (Nachwuchs-)Bands investiert wird. Es rechnet sich für die Plattenfirmen nicht. Als Hanseat bin ich diesbezüglich sogar bei ihnen, wenngleich ich mir von einigen Labels doch mehr Mut und Risiko wünschen würde, neue Acts aufzubauen. Wer, wenn nicht die Plattenfirmen? Doch das große Problem liegt noch ganz woanders. Als die Piratenpartei „en vogue“ war, wurde in Deutschland viel über den Schutz des Urheberrechts gesprochen und wie Künstler in digitalen Zeiten dergestalt entlohnt werden können, dass sie durch die kreative Erschaffung von Kunst davon leben können.

Denn in einer Sache sind wir uns einig: Kunst – in jedweder Form – bietet nicht nur einen gesellschaftlichen Mehrwert, sondern ohne sie wären Gesellschaften nichts. Keine Kunst, keine Kultur, keine Gesellschaft. Dass in diesem Kontext natürlich das Internet mit seinen digitalen Möglichkeiten einen großen Teil zur „Gratisgesellschaft“ beigetragen hat, steht außer Frage. Aufzuhalten ist das nicht mehr. Und es steht ebenso außer Frage, dass das Internet auch viel Positives mit sich gebracht hat.

Daher bin ich der Meinung, dass ein Umdenken bei den Konsumenten und den Industrieverantwortlichen stattfinden muss, sonst wird es bald keine ­(semi)professionellen Musiker mehr geben. In der digitalen Welt und dem „Gratisland Internet“ gibt es für Musiker jedenfalls kaum etwas zu verdienen.

Eine Studie hat belegt, dass ein Solokünstler beim Musikstreamer Spotify monatlich über vier Millionen gespielte Songs benötigt, um auf einen durchschnittlichen Mindestlohn von 1.160 US-Dollar zu kommen. Da frage ich mich: Ist es das, was wir wollen? Was hat das Ganze denn für einen Anreiz, wenn ich weiß, dass ich mit meinem Handwerk sowieso hundertprozentig in soziale Schieflage gerate?

Gerade im Heavy Metal wird es ein Ding der Unmöglichkeit sein, dass eine Band pro Monat auf über vier Millionen gespielte Songs kommt. Und wenn, dann teilt man diese umgerechnet knapp 860 Euro durch die Mitgliederanzahl, und übrig bleibt nicht einmal Hartz IV. Ich weiß leider ebenso wenig, wie man ein Aussterben des professionellen Musikertums abwenden kann. Ich weiß nur: Ein Umdenken muss her.

Habt ihr, liebe Leser, vielleicht Ideen? Sagt es uns in den Kommentaren, auf Facebook, Google+ oder Twitter!

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