Als Necrophobic 2006 ihr fünftes Album HRIMTHURSUM veröffentlichten, war die Band längst ein fester Bestandteil der schwedischen extremen Metal‑Landschaft. Doch dieses Werk markierte einen Punkt, an dem die Band nicht nur ihre Identität schärfte, sondern sie auch mit massiver Wucht präsentierte. HRIMTHURSUM ist ein Album, das sich nicht zwischen Genre-Schubladen entscheiden will – und genau darin liegt seine Stärke. Es ist Black Metal, es ist Death Metal, es ist „Blackened Death Metal“ im besten Sinne.
Ein Quartett im Angriffsmodus
2006 bestanden Necrophobic aus Tobias Sidegård (Gesang und Bass), Johan Bergebäck (Gitarre), Sebastian Ramstedt (Gitarre) und Joakim Sterner (Schlagzeug). Sterner war zu diesem Zeitpunkt bereits das letzte verbliebene Gründungsmitglied und trieb die Band weiterhin mit stoischer Konsequenz voran.
Aufgenommen wurde das Album im House Of Voodoo Studio in Stockholm und man hört jeder Sekunde an, dass vier Musiker mit klarer Vision am Werk waren. Zwölf Songs, knapp eine Stunde Spielzeit, kein Gramm Fett.
Zwischen Frost, Feuer und finsterer Eleganz
HRIMTHURSUM wird oft als „Blackened Death Metal“ bezeichnet, und das ist hier keine leere Genre-Floskel. Die Black Metal‑Elemente sind unüberhörbar: rasende Blastbeats, unheilvolle Harmonien und diese typisch skandinavische Kälte, die sich wie Raureif über die Songs legt. Dazu kommen die bösen, kratzigen Vocals, die das Album in tiefschwarze Atmosphäre tauchen.
Gleichzeitig bleiben Necrophobic ihrem Death Metal‑Erbe treu. Sidegårds Growls bekommen reichlich Raum, aber trotzdem sind viele Passagen so klar phrasiert, dass man die Texte tatsächlich verstehen kann. Das ist im extremen Metal keine Selbstverständlichkeit, verleiht dem Album aber zusätzliche Wucht.
Eingängig, aber nicht anbiedernd
Trotz aller Härte besitzt HRIMTHURSUM eine überraschend eingängige Seite. Die schwereren, vorschlaghammerartigen Teile haben eine rhythmische Qualität, die sich in markanten Hooks niederschlägt. Das Album ist brutal, aber nicht stumpf. Melodisch, aber nicht weichgespült.
Natürlich gab es auch Kritik. Manche Fans empfanden die Melodien als repetitiv, andere fanden den modernen Ansatz zu glatt. Doch mindestens genauso viele lobten genau diese Weiterentwicklung. Das macht das Fünftwerk von Necrophobic zu einem Album, das polarisiert – und das ist im Extreme Metal eher Gütesiegel als Problem.
Ein Klangbild, das sitzt
Abgemischt wurde das Album von Fredrik Folkare (Unleashed), und sein Einfluss ist deutlich hörbar. Im Vergleich zum Vorgänger klingt HRIMTHURSUM fetter, klarer und weniger holprig. Die Produktion ist druckvoll, aber nicht überladen, und lässt den Songs genug Raum, um ihre Atmosphäre zu entfalten. Das Cover stammt von Tyrant (Nifelheim) und passt perfekt zum Inhalt: düster, bedrohlich und mit einem Hauch mythologischer Größe.
Ein Werk mit Nachhall
2008 wurde das Album erneut aufgelegt – ein Zeichen dafür, wie wichtig es im Katalog der Band ist. Interessant ist, dass ein Großteil des damaligen Line‑ups heute wieder (oder immer noch) aktiv ist: Sterner, Ramstedt und Bergebäck halten die Fahne hoch und führen die Tradition fort, die bereits vor HRIMTHURSUM eindrucksvoll geprägt wurde.
Fazit
HRIMTHURSUM ist ein Album, das die Erkennungsmerkmale von Necrophobic bewahrt, sie aber gleichzeitig um neue Elemente erweitert. Es bietet eine gelungene Mischung aus Aggressivität und Melodie, aus Raserei und Struktur, aus Tradition und Weiterentwicklung. Es ist ein Werk, das zeigt, wie man sich modernisieren kann, ohne seine Seele zu verlieren. Genau deshalb steht HRIMTHURSUM auch heute noch als ein starkes Kapitel in der Geschichte des Blackened Death Metal.
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