Okay, das ist mal ein interessanter Ansatz. Deadnate interpretieren progressiven Metal nicht als Plattform für Selbstbeweihräucherung oder technische Dauerakrobatik, sondern mischen das Genre mit einer deutlichen Portion Post Hardcore-Attitüde. Statt endloser Saitensprünge und demonstrativer Virtuosität setzen die Dänen auf eindringlich konstruierte Sequenzen, die sich Stück für Stück ins Bewusstsein fräsen. In ‘Guilt & Sorrow’ etwa entsteht aus dieser Verdichtung ein kleiner Hit. Immer wieder blitzen die Thrash Metal-Wurzeln auf, doch MOSAIC bleibt insgesamt weit entfernt vom klassischen Prog-Pathos. Wer hier Dream Theater-Perfektion erwartet, wird vermutlich irritiert sein. Fans von Sylosis oder Gojira dürften sich dagegen eher zu Hause fühlen. Die Riff-Strukturen sind meist unruhig, fast nervös gehalten. Heilung – wenn überhaupt – versprechen die gezielt eingestreuten Harmoniesequenzen, die wie kurze Lichtkegel durch das dichte Geflecht schneiden (Achtziger-Metallica im instrumentalen Teil von ‘Two Tongues’!). MOSAIC ist kein Album, das einzelne Ohrwürmer auf dem Silbertablett serviert. Nach der Spielzeit bleibt weniger ein konkreter Song im Gedächtnis als vielmehr ein massiver Gesamteindruck. Deadnate hallen als Block nach, als kompakte Wand aus Druck, Atmosphäre und Spannung. Das kann auf Dauer durchaus ermüden, doch speziell in den ersten Durchläufen zündet ein beachtliches Feuerwerk im inneren Auge. Eine Platte, die definitiv zum wiederholten Hören einlädt.
***
Du willst METAL HAMMER lesen, aber kein Abo abschließen? Kein Problem! Die aktuelle Ausgabe portofrei nach Hause bestellen: www.metal-hammer.de/heftbestellung
***
