Mit der Stilbezeichnung sollte man vorsichtig umgehen – wer auf REIGN OF STEEL episch wuchernde Auswüchse erwartet, wird schnell rasiert – denn auf diesem Album regiert wuchtiger Heavy Metal im Stil von Judas Priest (bei dem Schweinsgalopp von ‘Bloodbath’ schliddern wir geradewegs in den Thrash-Bereich). Auch die Intonation und Prägnanz der Worte erinnern an Rob Halford, dazu gesellt sich in den Höhepunkten die entrückte Höhe von Mercyful Fate und King Diamond. Über die technischen Fähigkeiten der Protagonisten muss man ohnehin nicht viele Worte verlieren: Frontman Sean Peck (unter anderem Cage), die Gitarristen Ross „The Boss“ (unter anderem Manowar) und Stu Marshall (unter anderem Night Legion), Bassist Mike LePond (Symphony X) sowie Drummer Steve Bolognese (Miracoli – nein, ein Scherz: unter anderem Into Eternity) stehen für höchste Metal-
Weihen. Warum trotz dieser aussichtsreichen Konstellation letztlich nichts zum Ziel führt? Weil ich gar nicht fassen kann, wie viele Riff-Großchancen nicht zum großen Hit verwertet werden. Weil es unbegreiflich ist, wie man an so vielen Vorlagen vorbeirasen kann, nur um seine technischen Fähigkeiten auszuweiden. Weil es an zu vielen Stellen rasant, aber nicht prägnant ist. Klarer Höhepunkt von REIGN OF STEEL sind die Instrumental-Passagen – die sollte man sich wirklich in jedem Lied reinziehen. Ansonsten: viel Wille, wenig Ertrag.
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