Die Augen der extremen Metal-Welt ruhen derzeit auf einer Band: Portugals Gaerea haben in den letzten Jahren einen Durchmarsch vom Underground-Phänomen zur ernst zu nehmenden Macht hingelegt, haben mit jeder ihrer letzten drei Platten LIMBO, MIRAGE und COMA die Grenzen des Post Black Metal erweitert, verschoben, nichtig gemacht. Zehn Jahre nach Band-Gründung erscheint mit LOSS jetzt ihr fünftes Album. Und es könnte, nein: es sollte ihren Durchbruch bedeuten. Wer die Band in den vergangenen Jahren live erleben konnte, hat es eindeutig gespürt, dieses gewisse Etwas, das Bands kurz vor dem Explodieren haben. Gaerea haben dieses Gefühl ganz einfach auf LOSS gebannt – und ein gewaltiges, ja, geradezu überwältigendes Werk geschaffen. Ihre schwarzmetallischen Wurzeln bilden nach wie vor das Fundament, doch was die Portugiesen darauf errichten, ist ein finsteres, erhabenes Post Metal-Heiligtum.
Extrem ist das alles immer noch, aber zugleich hymnisch, monumental, nach den Sternen greifend. Fesselnd. Modern. LOSS ist ein Paradebeispiel für musikalische Evolution, für das stete Voranschreiten, ohne den Heimathafen aus den Augen zu verlieren. Weil die sengende Härte der früheren Werke mit stellarer Schönheit zusammenkommt. Weil die Songs bei aller Raffinesse verflucht eingängig sind. Weil sich immer wieder ergreifende Melodien durch den metallischen Donnerhagel schälen. Weil Blastbeats wie selbstverständlich neben elektronischen Beats eingesetzt werden. Weil gesungen, geschrien, gefleht wird, als ginge es um alles. Und irgendwie stimmt das ja für Gaerea. LOSS wird darüber entscheiden, ob diese Band zum Headliner von morgen wird. Und führt neun gute Argumente dafür an.
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