„Love, anger, depression, joy and dreams… and Zeppelin!“, entgegnete der US-amerikanische Singer/Songwriter und Gitarrist einst auf die Frage nach seinen hauptsächlichen musikalischen Einflüssen. Tatsächlich hat das Echo von Page und Plant in Buckleys übersichtlichem Œuvre genauso einen festen Platz wie in seinem kurzen Leben. Buckley, dessen prägende erste Albumanschaffung PHYSICAL GRAFFITI war, verunglückte am 29. Mai 1997 im Alter von 30 Jahren tödlich in den Kanalgewässern des Wolf River Harbor, die er mit den Refrain-Zeilen von Led Zeppelins ‘Whole Lotta Love’ auf den Lippen in vollkommen nüchternem Zustand betreten hatte.
Regisseurin Amy J. Berg, die sich mit dem Joplin-Film ‘Janis: Little Girl Blue’ (2015) bereits einen Namen im Rock-Dokusegment gemacht hat, begegnet dem Schaffen und Schicksal des späten Wunderkinds mit allem nötigen Respekt – sowie ebenfalls einer großen Portion Liebe. Dabei gebührt vor allem den Frauen in Buckleys Leben das Wort. Anhand von Interviews mit Mutter Mary Guibert, Partnerinnen wie Rebecca Moore oder Joan Wasser (Joan As A Police Woman) bis hin zu anderen Musikschaffenden wie Aimee Mann oder dem Seelenverwandten Chris Cornell zeichnet Berg ihr Buckley-Bild, kann sich aber auch zahlreicher Originaldokumente wie Anrufbeantwortermitschnitten bedienen, in denen der Sänger selbst zu Wort kommt.
Dass der Sohn des Folk- und Experimentalmusikers Tim Buckley, der seinerseits mit 28 Jahren den Herointod starb, zunächst unter der Last des künstlerischen Erbes seines Vaters und nach seinem Debüterfolg GRACE (1994) unter dem Schaffensdruck eines Nachfolgewerks litt, wird genauso thematisiert wie Buckleys breitgefächerte musikalische Inspirationen. Und zu denen zählten neben den mächtigen Led Zeppelin eben auch Nina Simone, Ella Fitzgerald oder der pakistanische Qawwali-Sänger Nusrat Fateh Ali Khan. ‘It’s Never Over, Jeff Buckley’ ist ein so sehenswertes filmisches Dokument wie Buckleys einziges zu Lebzeiten vollendetes Album hörenswert und ein Meilenstein des Alternative Folk Rock bleibt. Auch deshalb, weil es das Ausnahmetalent nicht auf seinen wohl größten, primär posthumen Song-Erfolg in Form des Leonard Cohen-Covers ‘Hallelujah’ reduziert.
