Nach mehr als zwei Jahrzehnten Band-Geschichte stehen The Amity Affliction mit HOUSE OF CARDS an einem interessanten Wendepunkt. Der Ausstieg von Bassist und Zweitstimme Ahren Stringer hat das Klangbild der Band spürbar verändert, und genau diese Verschiebung formt das Album. Zwar war Joel Birch schon immer die prägende Stimme der Band, doch diesmal rückt er noch stärker ins Zentrum. Seine Screams tragen viele Songs beinahe allein und wirken wütender, roher und kraftvoller als je zuvor. Schnell wird klar, dass die Gruppe einen härteren Weg einschlägt. Stücke wie ‘Kickboxer’ oder ‘Bleed’ gehen kompromisslos nach vorne: aggressive Vocals, treibende Drums und Breakdowns, die massig Druck entfalten. Gleichzeitig bleibt die emotionale Seite der Band erhalten. ‘Heaven Sent’ etwa verbindet schwere Gitarren mit gefühlvollen Momenten und erinnert daran, warum die Mischung aus Härte und Melancholie seit Jahren zum Markenzeichen der Formation gehört. Mit dem neuen Band-Kollegen Jonny Reeves gibt es weiterhin Klargesang, der sich stimmig ins Gesamtbild einfügt. Während Stringers Stimme früher oft eine sehr prägnante, eigenständige Note in die Songs brachte, setzt Reeves stärker auf ein harmonisches Zusammenspiel mit Birchs Screams. Dadurch entsteht eine etwas andere, aber durchaus funktionierende Dynamik, in der Aggression und Melodie gut miteinander verzahnt sind. Songs wie ‘Speaking In Tongues’ oder ‘Afterlife’ zeigen, wie überzeugend sie das balancieren. Insgesamt wirkt HOUSE OF CARDS spürbar härter und direkter als viele seiner Vorgänger. Nicht jeder Song zündet sofort, doch wenn der Funke einmal überspringt, entwickelt HOUSE OF CARDS eine Wirkung, die sich festsetzt und lange nachhallt.
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