Würden sie ihre Karten zurückhaltender spielen, könnten die griechisch-deutschen Unverkalt die Sehnsucht nach Black Math Horseman stillen: So mystisch fern und chunky wie der Opener ‘Die Auslöschung’ mit Sängerin Dimitra Kalavrezou losploddert, hat das was von Sera Timms und ihrer hypnotischen Bande. Aber schon kurz darauf, in ‘Oath Ov Prometheus’, schallern und ballern sie und drohen, den magischen Moment zu zerstören. Ein paar Mal hebt sie die Rasanz auf HÉRÉDITAIRE fast aus den Angeln, mit lichternden Riffs und geifernden Vocals – Oathbreaker-Fans werden es lieben. Tatsächlich haben Unverkalt ihr Grundrezept (süß-kindlicher Dream Pop tritt auf Post Metal) härter und schwärzer gemacht, wie in ‘Maladie de l’Esprit’, ‘Death Is Forever’ oder ‘Ænæ Lithi’ (mit Flöte und Tabla-ähnlichen Drums). Co-Vokalist Eli Mavrychev erweist sich als ebenso vielstimmig wie Dimitra, von ätherisch bis tollwütig. Gelegentlich schwächelt der Mix aber, wie bei ‘Penumbrian Lament’, dessen zerbrochene-Spieluhrästhetik berechnend, anstrengend und belanglos zugleich wirkt. ‘I, The Deceit’ mit Sakis Tolis von Rotting Christ hingegen ist der Killer. Hier haben Unverkalt alles im Griff: das Wechselspiel cute-brutal-episch und filigran-massig-diabolisch ist perfekt, Sakis gibt den Gegenspieler mit teuflischer Verve. Eine Band für die „Aufsteiger 2026“-Liste.
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