Englands Black Metal klang schon immer anders. Vielleicht ja, weil die Erzähltradition dieses Landes so eng mit nebligen Mooren, verlassenen Burgen und tiefen Wäldern, mit Emily Brontë, mit Bram Stoker und Lord Byron verbunden ist. Eine Art „Sturmhöhe“ des Black Metal legen Winterfylleth jetzt mit THE UNYIELDING SEASON vor – ein Werk, das sich als Narrativ versteht, als musikalische Poesie, die sich längst von der Naturmystik früherer Zeiten abgewandt hat und zu universellen Konflikten strebt. Eine Anklageschrift in Black Metal ist das, nicht weniger. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, das wird in Zeiten wie diesen klarer denn je und ist zugleich das große Thema dieses verzehrenden, zähnebleckenden, in seiner abgründigen Härte reinigenden Albums. Wir selbst sind uns Feind, die Gesell-schaft ist gespalten, alle gegen alle: wir treten in globalen „Hunger Games“ gegeneinander an, die Winterfylleth in ausladende, expressive und lodernde, bei aller Konsequenz aber auch melodische Hymnen kleiden. Das ist trotz ihrer Verwurzelung in englischer Literatur und Mythos nichts Romantisches mehr. Die Welt brennt, doch wie können wir schlafen, wenn unsere Betten längst in Flammen stehen? THE UNYIELDING SEASON, mittlerweile die neunte Scheibe der Band aus Manchester, bildet sich nicht ein, Antworten darauf zu haben. Und was vielleicht noch stärker ist: Der tobende, alles versengende Sound macht unmissverständlich klar, was passiert, wenn wir das Ruder nicht herumreißen und klingt 2026 mehr denn je wie ein Manifest entschlossener, atmosphärischer Kunst. Addendum: Das Paradise Lost-Cover von ‘Enchantment’ ist pure Magie!
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