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Saitenhieb: Ich hasse „Female Fronted“

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Liebe Metalheads,

man sollte ja meinen, dass man sich als Gesellschaft weiterentwickelt: über Missstände aufklärt, Ungerechtigkeiten aufdeckt, den Status quo verändert. Vor allem dafür sind Subkulturen wie unsere da! Anzuprangern, um einen Unterschied herbeizuführen und die Welt (zumindest in unserem kleinen Kosmos) etwas besser zu machen.

Aber nicht immer ist jeder Versuch, einen Wandel herbeizuführen, sinnvoll. So wird mir, wenn es um die sogenannte Genre-Bezeichnung „Female Fronted“ geht, einfach nur schlecht. Wir alle kennen sie: die Playlists, die Themenabende, die Best Ofs. Irgendwann muss sich jemand (vermutlich ein Mann) gedacht haben, es wäre eine gute Idee, Bands mit Frontfrau eine eigene Schublade zu widmen, um ihnen somit eine besondere Art von Aufmerksamkeit zu „schenken“ und eine Bühne zu „geben“. Am besten sollen wir uns dafür wohl noch bedanken.

Sexistisch

Dabei sorgt diese Art der Präsentation von Frauen nur für Probleme: Zum einen werden jene Bands somit erneut vom gesamtmusikalischen Diskurs ausgeschlossen und in ihre eigene kleine Welt verbannt, in der sie untereinander konkurrieren sollen. Zum anderen geht es ausschließlich um Vokalistinnen – Frauen an Bass, Gitarre, Schlagzeug oder Keyboard werden bei der Bezeichnung „Female Fronted“ gezielt an den Rand gedrängt. Und zuletzt ist der Begriff als Genre-Bezeichnung von Grund auf falsch, denn es geht nicht um Death-, Thrash- oder Black Metal, sondern allein um die Besonderheit, ohne Penis zu singen – und das ist ohne jede Diskussion sexistisch (oder geht es um femininen Gesang? Dann müssten wir aber auch konsequent eine Alissa White-Gluz gegen einen Vince Neil austauschen).

Wir sind noch weit davon entfernt, Frauen, POC und die LGBTQIA+-Szene nicht mehr fördern zu müssen, bis sie einen gerechten Status Quo in der Gesellschaft und auch im musikalischen Kontext erreicht haben. Aber wir sollten uns öfter Gedanken über die Umsetzung machen: Sprengen wir das System? Unterstützen wir es sogar unwissentlich? Oder haben wir mal wieder nur etwas getan, um etwas getan zu haben?

Eure Tamara

Ihr erreicht die Autorin unter redaktion@metal-hammer.de.

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