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Soulfly-Homestory: Bei den Cavaleras zuhause

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PRIMITIVE, PROPHECY, CONQUER… OMEN: Viele eurer Albumtitel haben diese bildhafte, ikonische Qualität, sind 1-Wort-Statements… Worauf verweist nun OMEN?

OMEN steht für unsere eher abergläubische Seite. Mit Vorzeichen ist das so eine Sache. Sie können gut oder schlecht sein. Ich votiere da konkret weder für das eine noch das andere – ich fand einfach, es war ein starker Name. Ich habe ein bisschen recherchiert und merkte, dass bis jetzt überraschend wenige Bands damit gearbeitet haben… Dabei liegt er so nah, nicht? Ich hatte den Namen schon, bevor ich mit dem Material ins Studio gegangen bin, also muss er länger in mir gearbeitet haben. Ich dachte, okay, wenn mir was besseres einfällt, dann ändere ich ihn, aber es kam nichts besseres nach. Und er ist sehr Max.

Das machst du öfter: von Max reden, in der dritten Person. Max ist dies, Max ist das. Max hat einen bestimmten Stil, eine Herangehensweise, und du schaust dir belustigt dabei zu…

Schon, ja. Jedenfalls hat OMEN diesen kompakten Max-Touch, ein Wort, oder ein fester starker Begriff. Ich hatte gehofft, Artwork zu finden, das dem entspricht, und bin sehr froh über das, was David Ho abgeliefert hat, dieser Mix aus Giger, Pushead und Voivod-Cover – eine postapokalptische, drohende Verkörperung der Sieben Todsünden. Das gibt dem Omen noch eine zusätzliche Dimension. Es gibt keinen Song mit dem Titel, aber das Wort „omen“ kommt dafür in drei Songs vor – wie bei CHAOS AD von Sepultura. Das war im Grunde auch nur ein Begriff aus „Refuse/Resist“.

Mit OMEN führt ihr den 2008 mit CONQUER eingeschlagenen Weg weiter – einen härtere Gangart, offensiv, ohne langes Gefackel. Was aber auch bedeutete, noch mehr Abstriche an den Soulfly-typischen Ethnoelementen zu machen. Wie kam’s?

Es gibt keinen speziellen Grund. Ich mache einfach eine Pause davon, schätze ich? OMEN ist vielleicht das am meisten Song-orientierte Soulfly-Album. Es gibt keine Jams. Normalerweise setzen wir zwischen die Stücke Jams und Zwischenspiele – die habe ich entschieden rausgelassen und soulfly nur auf Songbasis arbeiten lassen. Die Tracks sollten so stark sein wie möglich, mit einem erkennbaren Einfluss von Hardcore und Metal. Besonders Hardcore – das merkst du ja schon im Opener ‚Bloodbath & Beyond‘. Das Album fällt in die Kategorien schnell und groovy. Auf ‚Rise of the Fallen‘ etwa dreht es sich hundertprozentig um den Metalgroove, der die Sache vorwärtstreibt. Da sehe ich keine Notwendigkeit, Ethno-Instrumente einzubauen; es ist einfach ein direktes, schnörkelloses Soulfly-Metalalbum. Wenn ich beim nächsosten Mal wieder mehr Ethno und tribal machen möchte, steht dem ja nichts entgegen! Dann muss es aber schon etwas sehr außergewöhnliches sein, mit einer Tuareg-Band zum Beispiel, wie sie auf dem „Festival au Desert“ von Timbuktu in Mali zu hören sind, sowas – ein weiteres Tribalalbum kann ich mir nur denken, wenn es wirklich exotisch, mutig und bahnbrechend wäre. Die Zeit dafür wird sicher wieder kommen! ROOTS und SOULFLY hatten diese Elemente und funktionierten prima. Zugleich sagte mir mein Instinkt, dass der Weg von CONQUER ein guter war. Solide. Bei den Fans kam das Album gut an, mir fiel es leicht, also traue ich meinem Bauchgefühl.

Apropos solide – das Soulfly-Lineup ist momentan so stabil wie nie zuvor…

Ich habe immer darauf beharrt, das Lineup sei flexibel, aber stimmt, wir sind schon ganz schön lang verbandelt. Ich vertraue ihnen, ich weiß was sie können – und dass man sie fordern kann. Joe [Nunez] am Schlagzeug hat echt versucht, mich wegzublasen; [Gitarrist] Marc [Rizzo] ist immer gut und bringt neue Ideen ein. [Bassist] Bobby [Burns] hatte einen Schlaganfall und schlimme halbseitige Lähmungerscheinungen; er musste von Neuem spielen lernen – wie könnte ich so jemanden vor die Tür setzen oder auswechseln? Ich fand bewunderswert, wie er sich reingekniet und an sich gearbeitet. Das ist eine Frage von Vertrauen und Freundschaft; Bobby hat eine Menge Mist hinter sich, und ich halte ihm die Stange. Bobby bringt auch den Punk-Aspekt ein – er steckt mich immer mit seinen Punk- und HC-Entdeckungen an. Sie alle sind geerdete Typen, es gibt keine Rockstars in der Band. Sie sind ein bisschen wie Marines, die ich ausgebildet habe – sie gehen für mich überall hin, als meine Einsatztruppe, und graben sich in Stellung ein…

Soulfly steht seit jeher für Neugier, Unabhängigkeit, DIY; die Botschaft war bei aller Aggression unterm Strich immer positiv. Was sollen die Leute von OMEN mit heimnehmen?

Du kannst die Platte durchhören und danach ohne Downer aufstehen. Sie hat keine Overdubs und ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt – allein darin liegt schon ein Plädoyer für DIY. Dieses „mach was, krieg den Arsch hoch“ – das ist definitiv Punk Rock.
Was zeichnet deiner Ansicht nach die Gastbeiträge von Tommy Victor [Prong] und Greg Puciato [The Dillinger Escape Plan] aus?
Tommy bringt diesen Prong-Vibe ein – selbst die Riffs erinnern an dieses 90jahre Prong-Zeug. Seine Vocals rufen sofort ‚Beg to Differ‘ und ‚Prove You Wrong‘ wach, eine Zeit, in der ich großer Prong-Fan war. Und Greg… Das mit Greg kam so: Ich war als Gastsänger zu einer Deftones-Show in L.A. eingeladen, und als ich so in der Kulisse wartete, lief Greg vorbei. Ich hab ihn mir geschnappt: „Gut dich zu sehen, Mann! Was geht?“ Und er sagt, „Ich sing‘ einen Song mit den Deftones!“ Da sind wir erst mal um einander rumgetanzt wie die Kleinkinder. Und schon hörte ich mich sagen, „Wir nehmen gerade in L.A. ein neues Soulfly-Album auf, willst du nicht vorbeikommen und singen?“ Zu dem Zeitpunkt war bis dahin nur Tommy fest an Bord, aber ich wusste sofort, Greg muss drauf. Er hat Gloria dann eine SMS geschickt, wie begeistert er von der Aussicht war, dass er es episch machen wollte… Und das alles verdanken wir dieser Deftones-Show.

Hast du das neue Dillinger-Album schon gehört?
Nur einen Song.

Gregs Stimmumfang hat sich darauf scheinbar noch mal vervierfacht…
Zu sehen, wie Greg an ‚Rise of the Fallen‘ ranging, war ein irres Erlebnis für mich als (naja) Sänger und Musiker. Es war das ganze Gegenteil dessen, was ich erwartet hatte. Die Gesangslinie, die er sich erarbeitet hat, wäre mir nie in den Sinn gekommen! So, wie er den Refrain über das Riff gestülpt hat, war irre, völlig unorthodox, als sänge er von hinten nach vorne. Er fängt auf einen Downbeat an. Nach all den Jahren im Business hat er mir etwas ganz Erstaunliches gezeigt. Ich war wie weggeblasen. Dieser melodische Part am Ende… als er ihn probte, für sich ganz leise summend, hatte keiner von uns eine Ahnung, wo er die Sache hinträgt; er ließ uns nur das Playback wieder und wieder zurückspulen. Zehn, zwanzig mal. Wir haben einfach gewartet, bis er sagt, ok, los! Und dann geht er in die Gesangskabine und reißt das Ding in einem Take runter. Verdammt erstaunlich. Wir hatten alle Gänsehaut. Danach kam er ganz unschuldig raus und fragte, und, wie war ich? Ich bin ein großer Fan. Er hat soviel Energie. Und ich bin stolz, Soulfly und Dillinger hier verknüpft zu sehen – sie sind eine so großartige band. Uns mit ihnen zu alliieren, kann für alle nur nützlich sein.

Die Soulfly-Videoblogs aus den Edge of the Earth-Studios haben einigen Einblick in eure Arbeitsweise in L.A. gegeben, aber nirgends war zu entnehmen, wie lang ihr eigentlich-

17 Tage. Was für eine ganze Platte sauschnell ist, oder?

Aber hallo. War da Vorproduktion im Spiel?

Nein. Soulfly funktionieren im Grunde so: Ich arbeite hier in Phoenix vor mich hin, in meinem Trailer, und nehme auf Vierspur auf. Wenn ich elf gute Riffs habe, schicke ich sie den Jungs, um sich darauf einzugrooven. Mit diesem Grundstock gehen wir ins Studio – ein bisschen vorbereitet – und arbeiten sie zu Songs aus, Stück für Stück. Wir fahren also schon auf den Schienen, die wir noch verlegen. An einem tpischen Studiotag sagt Logan Mader, „okay, was ist heute dran? Aha, Track 5. Männer, ihr wisst, was ihr zu tun habt. Lernt das Riff, spielt damit rum, macht es größer und länger, lasst euch Brücken und Intro und Outro und Refrain und Strophe einfallen, und dann kommt wieder rein.“ Stein auf Stein. Zuerst fertig sind immer die Drums, dann kommt Marc mit seinen Gitarrenparts dran, danach meine Gitarre und Bobbys Bass, und zum Schluss singe ich. Alles in allem 17 Tage. Die Arbeit an Cavalera Conspiracy mit Logan verlief genauso, deshalb war es die richtige Entscheidung, ihn mit der Soulfly-Produktion zu betrauen. Er weiß, wie ich arbeite, und hat sich um diesen schrittweisen Ablauf drumrum sortiert.

Wann hast du dann die Texte fertig geschrieben? Diese Arbeitsweise gab dir wenig Zeit und Platz, den Songs noch eine signifikante Wortebene hinzuzufügen, oder?

Die CD der täglichen Ergebnisse habe ich abends heimgenommen, um nachts und morgens Texte dazu zu schreiben. Ab dem achten oder neunten Tag fingen die Gesangsaufnahmen an; so habe ich peu à peu aufgeholt. Vieles war sehr spontan. ‚Off with their Heads‘ kam urplötzlich, auch ‚Jeffrey Dahmer‘ war eine morgendliche Fünfminutengeschichte. Ich habe schon oft erlebt, dass man einen Song auch ruinieren kann, wenn man zu lange daran sitzt. Wenn du alles zigmal um die eigene Achse drehst, bis die ursprüngliche idee nicht mehr erkennbar ist. Das habe ich bei Soulfly immer zu vermeiden versucht, hier zählt der erste Take, der erste rohe Eindruck. Deshalb ist die Viertrackphase so wichtig; darin wird die Marschrichtung des Albums festgelegt. Ein Jahr im Trailer, 17 Tage im Studio? Für mich ist das eine gute Mischkalkulation.

Vorheriges Proben ist bei den Distanzen zwischen euch kaum drin, richtig?

Ja, wir treffen uns erst zu den Aufnahmen. Marc lebt in New Jersey, Bobby wohnt in Atlanta, und Joe ist in Chicago, also müssen wir darauf vertrauen, dass es im Studio klickt. Jeder hat dann schon seine Ideen am start. Aber wenn ich dir jetzt zum Beispiel das Viertrack-Demo von ‚Bloodbath & Beyond‘ vorspiele, wird dir auffallen, wie nahe Demo und fertiger Song sind. Trotzdem – diese Verwandlung für mich ein magischer Prozess. Erregend! Pure Zauberei. Als Musiker ist das für mich wahnsinnig erregend.

Immer noch? Nach 25 Jahren im Geschäft? Okay, sag‘ nichts, so, wie deine Augen gerade leuchten…

Yeah! Und wenn jemand wie Greg sagt, unsere Zusammenarbeit war eine Herausforderung, ein bewegendes Erlebnis, dann ist das eine Befriedigung sondergleichen. Eine Segnung. Die kleinen Dinger, die hier im Trailer ihren Anfang nehmen… Gut: manchmal weiß ich, wenn ein Riff das Potenzial zu einem wirklich großen Song hat. Trotzdem bin ich ergriffen, wenn ich das fertige Produkt höre. Riffs rauszukitzeln ist für mich eine Droge. Ich liebe es. Das ist der Kitt zwischen mir und meiner Gitarre. Und ich bin froh, dass Marc sich darauf eingelassen hat, ähnlich spielerisch und begeistert mit der Gitarre umzugehen – bis hin zu seinem Steely Dan-Moment auf ‚Soulfly VII’…

Du hast erwähnt, die Texte seien Schnellschüsse gewesen, fast schon Nachgedanken… wieviel Gesellschaftskritik enthalten sie deiner Meinung nach noch? Auf den ersten Eindruck fällt OMEN lyrisch ein bisschen unter deine eigene Messlatte…

Die Platte enthält weniger politische Songs, das ist richtig; es gibt keine Songs wie ‚Territory‘ oder ‚Refuse/Resist‘. Selbst CONQUER und DARK AGES hatten explizit politische Stücke; ‚Warmageddon‘ war sehr deutlich anti-Bush, anti-Krieg, gegen die Borniertheit und Ignoranz, mit der eine von unsauberen, industriellen, kapitalistischen Interessen gesteuerte Regierung Kids in einen idiotischen Krieg schickt. Das war sehr deutlich. Dieses Album hat kaum etwas in dieser Richtung. Dafür gibt es Songs wie ‚Vulture Culture‘, das sich um TV-„Unterhaltung“ dreht, die ganzen Schadenfreude-Clips auf YouTube und die Entblößungskultur von Shows wie American Idol. ‚Jeffrey Dahmer‘ erfüllt im Grunde ein echtes Metalklischee: „Songs über Serienmörder A-Z“! Sowas wollte ich schon länger mal machen, und erst jetzt passte es.

An Dahmer interessierte mich besonders sein ungewöhnliches Psychogramm. Die psychiatrischen Gutachter waren damals völlig fassungslos. Weißt du, wenn jemand ein bestialischer, pathologischer Killer ist, dann findet sich da „normalerweise“ ein Riss in seiner Biographie. Dann hat er irgendwo einen Knacks gekriegt, der seine Psyche verhornt hat. Aber Dahmer? Nichts. Er betonte immer wieder, was für eine glückliche Kindheit er hatte, wie privilegiert er war, dass er von seinen Eltern alles, alles bekam. Alle, die ihn von früher kannten, sagten aus, was für ein sonniges, wunderbares Kind er war. Und er selbst hat kein Mal zu Protokoll gegeben, dass andere die Schuld tragen. Die Psychologen hatten keine Erklärung dafür, warum er 17 junge Männer missbrauchen und zerstückeln musste. Ich hab‘ mal eine TV-Doku gesehen, und an Dahmers Augen erinnere ich mich heute noch: unmöglich zu deuten, völlig blank.

Aber weißt du, was verrückt ist? OMEN ist das erste und bis dato einzige Soulfly-Album ohne ein einziges Schimpfwort. Kein einziges „fuck“, nirgends. Mir ist das gar nicht aufgefallen; erst Roadrunner hat mich darauf aufmerksam gemacht! In den USA müssen sie die Texte durchforsten, um zu checken, ob die Platte einen „Parental Advisory“-Sticker braucht… und was soll ich sagen: sie braucht keinen. Das Office war platt. Und ich auch! Scheinbar musste ich diesmal nicht unflätig sein. OMEN ist immer noch mega-agressiv und laut, aber ohne ‚fuck‘ und ’shit‘.

Und das, obwohl im amerikanischen Englisch sowieso jedes dritte Wort fucking dies und fucking das ist?

Ja! Unfassbar, was?! Eine saubere Platte! Das ganze Gegenteil von PRIMITIVE, „fuck your politics, fuck all your bullshit…“

Warum sind die Drum-Beiträge deiner beiden Söhne eigentlich nur auf den Bonuseditionen, nicht auf der regulären Ausgabe von OMEN zu hören?

Naja, es sind Coverversionen, und ich respektiere, dass die Soulfly- Fans lieber ein Album mit komplett neuen Songs möchten, als Abstriche zugunsten von Covers zu machen. Gleich zwei Covers hätte das reguläre Album nicht vertragen. Aber ich bin sehr stolz auf Zyon und Igors Beiträge! Sie haben sich auf die Herausforderung eingelassen und waren im Studio absolut professionell. Eine Menge Leute haben ihnen da auf die Finger geguckt; meine Sorge war also nicht allein die eines Musikers, sonder die eines Vaters, der einfach nicht möchte, dass ihnen das Herz bricht, wenn was nicht klappt oder der Druck zu groß wird. Aber sie haben es heldenhaft durchgezogen, gigantisch. Was war ich erleichtert!

Du hast mit knapp 15 Jahren mit Sepultura angefangen. Deine Jungs kommen gerade in das selbe Alter.

Und Gloria und ich sind saustolz auf sie! Zyon spielt zwar nicht so viel wie Igor, aber wenn er sich hinsetzt, kann er jeden Sepultura-Song spielen. Gerade hat er aber seine Sportphase, will athletisch sein und mit den Jungs mithalten, das ist ihm gerade wichtiger… und ich versteh‘ das. Igor übt jeden Tag. Er hat seine eigene Band namens Probation – was für ein saugeiler Name, für Kids in dem Alter. Echt Punk Rock. Mittwoch, Samstag und Sonntag proben sie drei stunden; ich habe sie schon aufgezogen, „Haltet euch mal ran, in eurem Alter habe ich mit Sepultura schon aufgenommen!“ Aber hey, kein Druck. Es wäre schon cool, wenn sie was an den Start bekämen.

Schaut man sich mal auf den diversen Foren um, fällt auf, mit welcher Verehrung du behandelt wirst. Da ist mehr als einmal die Rede von einer „lebenden Legende“ Wie fühlst du dich dabei, als Typ, der in seinem suburbanen Häuschen in Phoenix zwischen Heiligenstatuen, Schildkröten, vier kläffenden Kötern und zwei rummuffelnden Söhnen sitzt und an einem Fussball-Samstag auf dem Familiensofa fläzt?

Es ist ein Riesenkompliment, aber man kann sich das nicht zu Kopf steigen lassen, oder? Ich bin weder Gott noch sonst was besonderes. Ich bin sehr geerdet und in der Wirklichkeit verankert. Aber ich liebe, was ich tue, und diese Leidenschaft spüren die Fans, glaube ich. Ich versuche, diesen Trieb nicht zu kontrollieren, ich lasse ihn unbeherrscht und impulsiv raus. Sicher ist das auch eine Form von Besessenheit, mit der meine Familie umgehen lernen musste. Es war immer klar, dass ich keine Kompromisse machen würde; ich brauche Musik, laut, egal wann, morgens mittags abends, ich brauche sie. Musik macht mich glücklich. Sie ist das eine Ding, das immer funktioniert. Und immer für mich da ist. Auf vieles und viele kannst du nicht zählen, aber die Musik ist immer da. Es ist etwas in diesen Noten, das deinen Arsch treten kann. Und als Metaller fühlst du dich wie Teil eines Stammes, einer Großfamilie. Metaller sind so fanatisch. Das ist mein ‚Tribe‘ – die Kids mit den T-Shirts.

Seit du in den USA lebst, hast du immer hier gewohnt, in Phoenix, Arizona. Was ist besonders an dieser Wüstengegend?

Mich ziehen Wüsten an. Es gibt einen Gipfel ganz in der Nähe, zwanzig Minuten zu Fuß und du kannst die ganze Stadt sehen. Manchmal nehme ich meine Gitarre mit, aber ich nehme da nie auf! Ich spiele nur rum. Oder denke. Es ist eine wunderbare Umgebung – die Wüste ist sehr mystisch, wenn man an sowas glaubt, und ich glaube daran. Jedenfalls habe ich mich hier auf Anhieb wohlgefühlt. Ich könnte ewig in der Wüste sitzen und mir den Wind um die Nase streichen lassen. Die Natur hier lehrt dich, genau hinzuschauen. Für mich ist es eine der faszinierendsten und schönsten Landschaften Amerikas. Dave Mustaine und Rob Halford sind ja schon wieder aus Phoenix weggezogen. Ihr Verlust, ha ha!

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