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The Witcher 3 – Wild Hunt: Das beste Pferd im Stall

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Es dauert keine zwei Minuten und die Verhältnisse sind gerade gerückt: Geralt von Riva lässt seine Arme aus der Badetonne baumeln, während zarte Damenhände seinen geschundenen Körper reinwaschen. Ins Leere starrend erzählt er von den schrecklichen Bildern, die er nicht mehr aus seinem Kopf bekommt; von rostigen Klingen und vergossenem Blut. Sein Blick fällt auf das Schlafgemach, wo sich aus der Decke langsam ein runder Po schält und zögerlich den Blick auf eine zauberhafte Schönheit freigibt. Sie rekelt sich, doch Geralt ist nicht nach flirten zumute. Der Monsterjäger schnürt Schwert und Stiefel und zieht in den grausamen Krieg vor den Türen dieses Schlafzimmers.

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Spiel der Superlative

Sex, Gewalt und unglaublich viel Flair: Der polnische Entwickler CD Projekt etabliert die Essenz der „Witcher“-Trilogie schon nach der ersten Sequenz meisterhaft. Eine Spielzeit von mindestens 100 Stunden, mehr als 45.000 gesprochene Sätze Dialog, eine Grafik zum Dahinschmelzen: Das am 19. Mai erscheinende Rollenspiel soll der krönende Abschluss einer hervorragenden Reihe werden. Kaum ein Spiel weckt in diesem Jahr so hohe Erwartungen. Kann der Hexer diesem Druck standhalten?

Einsteiger sind willkommen

„Natürlich haben wir große Ziele“, sagt Art Producer Stan Just. „Für uns ist in erster Linie wichtig, dass wir auch die Neueinsteiger abholen. Niemand muss Teil eins und zwei gespielt haben, um ,The Witcher 3‘ zu verstehen.“ Er beugt damit einer Sorge vor, die angesichts der schieren Größe der Romanvorlage plausibel ist. Nicht von ungefähr erstreckt sich deshalb alleine der Prolog samt umfangreichen Tutorial über stolze vier Stunden. COMPUTER BILD SPIELE hat beim Studiobesuch in Warschau zum ersten Mal selbst Hand an den Rollenspiel-Koloss gelegt.

Untergangsstimmung

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Am ehesten lässt sich „The Witcher 3“ wohl mit der US-amerikanischen Erfolgsserie „Game of Thrones“ vergleichen. Es wird munter vor sich hin massakriert, kopuliert und intrigiert. Neben Liebe, Verrat, Rache und der expliziten Visualisierung von Sex und Gewalt ist es vor allem die Macht, nach der die meisten Figuren streben und kämpfen. Das drückt dem Rollenspiel eine grandios düstere Mittelalterstimmung auf, die nach einer Weile wie ein Sog wirkt.

Die Situation ist angespannt: Krieg überzieht die schneebedeckten Bergwipfel von Skellige, die endlosen Waldgefilde in Niemandsland, die Stadtmauern des nördlichen Novigrad. Protagonist Geralt wird von Alpträumen geplagt. Er spürt, dass das Wohl des Großreiches Nilfgaard mit seiner Vergangenheit zusammenhängt und macht sich auf die Suche nach Yennefer von Vengerberg – der einzigen Frau, die Geralt je geliebt hat …

Der Blick fürs Detail

Die Details machen den Reiz aus: Im kleinen Dörfchen Weißgarten wohnen die Menschen in kargen Hütten aus Holz und Stein. Dort lehnen Porzellanteller und Krüge zum Trocknen an schmalen Steinbrunnen; zarte Rauchfäden qualmen aus der glühenden Feuerstelle direkt neben der Taverne, in der allerhand schräge Figuren – vom einfachen Bauern bis zum belesenen Geistlichen – wahlweise die Becher heben, das Kartenspiel „Gwent“ zocken, singen oder raufen. Fast kein Schauplatz in „The Witcher 3“, der nicht ähnlich gut ausgearbeitet wirkt.

Auf dem Weg zum Nachbardorf begegnen Sie einsamen Anglern, Bauern, die Ihr Feld pflügen; und abseits des Pfades reiten Sie durch eine herbstliche Welt voller Grün- und Brauntöne, wie getupft in einem Aquarell. Diese neue „Witcher“-Welt ist circa 30 Mal größer als die des Vorgängers – und trotzdem wirkt jeder von COMPUTER BILD SPIELE bereister Zipfel enorm organisch und jederzeit glaubhaft.

Urlaub für die Augen

Einen Bärenanteil daran trägt wenig überraschend die Grafik. All die Details dieser riesengroßen Fantasy-Welt bestechen mit ultrascharfen Texturen. Aus der Nähe profitieren davon etwa die Gesichter, die dank tiefer Poren, Narben und Haut-Unreinheiten ungemein authentisch aussehen. Am Horizont indes offenbart sich bei gutem Wetter ein Panorama, das anders als in vergleichbaren Grafikbomben tatsächlich plastisch wirkt.

Im Vergleich zur PS4- und Xbox-One-Version präsentiert sich die PC-Fassung schärfer texturiert mit besserer Kantenglättung und farbstärkeren Lichteffekten. Ferner tauchen viele Gegenstände der Spielwelt beim Anzocken auf Konsolen erst ein paar Meter vor Geralt auf. Aber kein Grund zur Sorge: Unter dem Strich liefert „The Witcher 3“ auch für PS4 und Xbox One beeindruckende Bilder.

Suchen und kämpfen

Ans Kampfsystem wagen sich die Macher indes nur mit der Feile. Geralt bekämpft menschliche Gegner wie üblich mit der Eisen-, und Monster mit der Silberklinge. Entweder schlägt er mit schnellen schwachen oder langsamen heftigen Hieben zu. Einmal in die Defensive gedrängt, blockt er entweder mit seinem Schild oder flieht mit Ausweichschritten und –rollen vor feindlichen Attacken. So geht es für Spieler vor allem um korrektes Timing der Aktionen, wodurch sich Kämpfe sehr instinktiv anfühlen. Zusätzlich gesellen sich jedoch mit Geralts Zauberkräften taktische Elemente hinzu, da jedes Monster individuelle Schwächen besitzt.

Letztlich fallen die Änderungen an der Kampfmechanik gering aus. Das bedeutet auch, dass es manchmal an der Präzision mangelt und damit das Zielen während des Kampfes weiterhin müßig bleibt. Dafür machen die Kampfanimationen einen überarbeiteten Eindruck. So werden begonnene Schläge flüssig zu Ende geführt, ehe Geralt zum nächsten Hieb ausholt. Gänzlich neu ist überdies der Fährten-Modus: Hier werden alle verwend- und einsammelbaren Gegenstände rot hervorgehoben. Das erspart eine Menge unnötige Suchzeit und sieht nebenbei richtig schick aus. Dieses Element zündet – sofern CD Projekt es nicht überstrapaziert.

Noch zwickt der Sattel

Es passt ins Bild, das der „Witcher 3“-Prolog in Warschau hinterlässt: Egal, ob Geralt in einer amüsanten Nebenmission den verschollenen Bruder eines Soldaten aufspürt oder widerliche Monster aus einem Dorfbrunnen seziert – der Rollenspiel-Gigant wirkt sehr fertig. Es drängt sich die Frage auf, warum die Macher den Starttermin erneut verschoben haben. Stan Just erklärt, es gäbe da noch ein paar Kleinigkeiten, die nicht sitzen. So eine „Kleinigkeit“ ist beispielsweise das Pferd: Wer durch enge Areale wie eine Ortschaft reitet, bleibt an fast jeder Ecke hängen. Das nervt gewaltig – schließlich verbringen Sie viel Zeit auf dem Rücken Ihres Gauls: Geralt kann ihn jederzeit herbei pfeifen, möchten Sie nicht die Schnellreise-Funktion zwischen Wegweiser-Schildern wahrnehmen.

Lachen erlaubt!

Aber davon ist abzuraten – dafür ist diese Fantasy-Welt einfach zu lebendig. Zugegeben: Viele Nebenmissionen verfallen in typische Rollenspiel-Routinen nach dem Muster „folgen Sie Vesemir, suchen Sie Yennefer, pflücken Sie Kreuzdorn“ … Doch beim neuen Hexer dürfen Sie sich eben auch auf Überraschungen einstellen. Einmal stolpern Sie im Hause einer Großmutter über eine Leiche und allerlei verdächtige Gegenstände. Die Greisin hat eine Bitte an Sie, während Sie sich schon mal auf den nächsten Auftragsmord einrichten. Doch Pustekuchen: Die Omi will bloß ihre Bratpfanne zurück … Und so gesellt sich in Teil drei schließlich eine weitere Zutat zum alten „Witcher“-Rezept: Humor. Ein kleiner Schmunzler steht selbst der härtesten Mittelalterwelt gut zu Gesichte.

Prognose: The Witcher 3

Natürlich besteht die Gefahr, dass sich CD Projekt mit einem so ambitionierten Projekt wie „The Witcher 3“ verhebt. Doch diese Sorge wischt der großartige Prolog mit einem gewaltigen Schwerthieb beiseite: Der Hexer Numero drei sieht hervorragend aus, bietet eine unvergleichliche Atmosphäre, und es scheint, dass sich Ihre Entscheidungen auch wirklich auf den Verlauf der Geschichte auswirken. Noch ist das Spiel nicht fehlerfrei, doch hier ist etwas verdammt Großes im Anmarsch.

Erscheinungstermin „The Witcher 3 – Wild Hunt“: 19. Mai 2015 für PC, PS4, Xbox One.

Quelle: Computer Bild Spiele. Mehr bei computerbild.de

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