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Trans-Siberian-Orchestra live in Berlin

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Wenn Kutte auf kulturinteressierte Rentner-Pärchen trifft, kann es sich dieser Tage nur um das Trans-Siberian Orchestra drehen. Seit über einer Dekade räumt das Rock-Musical der beiden Savatage-Masterminds Jon Oliva und Paul O’Neill in den USA alles ab, was es zu ergattern gibt. Ausverkaufte Mega-Hallen, Platin-Alben, TV-Shows – sprich, der totale Mainstream. Nur im Rest der Welt muss das Feuer erst noch entfacht werden.

Seit Jahren wartet die Fangemeinde auf die erste Europa-Tour der Kitschgötter – nun ist es endlich soweit. Das wollen sich auch Geburtstagskind Holly (Letzte Instanz) und „Hinter dem Horizont“-Hauptdarstellerin Anne-Catrin Märzke (ehemals Kamelot) nicht entgehen lassen. Dennoch darf man sich wieder fragen, warum eine Stadt wie Berlin es nicht schafft, nicht mehr als ¾ des Tempodroms voll zu machen. Selber Schuld, dann das zweieinhalb stündige Spektakel ist großspuriger amerikanischer Kitsch in Vollendung. Prunk, Bombast und der fetteste Sound, der bisher 2011 in Berlin vernommen wurde. Mittels eines „geheimnisvollen Erzählers“ (mal witzig, mal zu lang) und der abwechselnd intonierten Songs wird uns endlich die wahre Geschichte hinter Beethovens 10. Symphonie erzählt.

Ganz in der faustschen Tradition hat natürlich der Teufel (wunderbar gesungen von Jeff Scott Soto – ex. Journey) seine Krallen im Spiel und versucht die magische Musik Beethovens von der Menschheit fernzuhalten. Was dies alles mit einem armen Mädchen, einem Zwerg und dem Geist Mozarts zu tun hat – keine Ahnung, aber es unterhält. Genauso, wie die so schön als Fahrstuhlmusik kritisierten Songs, die gespickt sind mit Zitaten der großen, alten Komponisten. Dazu ein großartiger Gitarrensound und fertig ist das Mega-Spektakel für die ganze Familie. Dabei jagen Laser durch den Saal, Feuerfontänen erhitzen die Luft und headbangende Tänzerinnen den Papa in der 2. Reihe.

Nach zwei Stunden hat Beethoven den Teufel im Sack und der Menschheit seine 10. Symphonie gerettet. Doch nach Hause will niemand und so kehren die mehr als ein Dutzend Musiker für weitere 30 Minuten zurück. Warum im Zugabe-Block jedoch plötzlich Düsenjets mit Leoparden auf der Leinwand gekreuzt werden? Egal – Kunst muss keinen Sinn haben! Und so wird am Ende noch mal alles ausgepackt was die Amerikaner im Zauberkoffer haben. Ein Fest für die Sinne. Ein bisschen Wehmut schleicht sich final mit dem Savatage-Kracher ‘Chance’ dann aber doch noch in den Saal.

Setlist Trans-Siberian Orchestra:
Overture
Midnight
Fate
What Good This Deafness
Mephistopheles
What Is Eternal
Mozart And Memories
Vienna
Mozart
The Dreams Of Candlelight
Requiem (The Fifth)
The Dark
Für Elise
After The Fall
A Last Illusion
The Is Who You Are
Beethoven
Misery
Who Is The Child
A Final Dream
– – – – –
Toccata – Carpimus Noctem
The Mountain
Sleep (Savatage-Cover)
Oh Fortuna
Another Way You Can Die
Chance (Savatage-Cover)
 

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