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Callejon-Interview: Dem Untergang entgegen

Aus METAL HAMMER-Ausgabe 07/2012

Callejon lassen sich in keine Sackgasse manövrieren. Auf BLITZKREUZ ist die Band um Bastian „Bastibasti“ Sobtzick nicht nur musikalisch vielseitig wie nie, sondern liefert auch textlich viel (Atom-)Sprengstoff.

Callejon im METAL HAMMER 07/2012 Foto: METAL HAMMER Callejon im METAL HAMMER 07/2012 Das Beerdigungscafé hat geschlossen. „BLITZKREUZ ist für uns das dritte Album“, überrascht Bastian „BastiBasti“ Sobtzick den ein oder anderen Fan des Callejon-Erstwerks. „Nach unserer Zählweise ist nicht WILLKOMMEN IM BEERDIGUNGSCAFÉ, sondern ZOMBIEACTIONHAUPTQUARTIER das Debüt.“ Irgendwie nachvollziehbar, immerhin ging es nach dessen Veröffentlichung erst richtig voran. Callejon wurden einem breiteren Fankreis bekannt, der seither konstant wächst. Eigentlich ist die Zahlenspielerei aber auch völlig egal, denn wichtig ist: Callejon sind noch da!

Und das – direkt die nächste Überraschung – ist keine Selbstverständlichkeit. Denn nach VIDEODROM (2010) schlich sich eine gewisse Müdigkeit bei den Bandmitgliedern ein, erzählt BastiBasti: „Bei ZOMBIEACTIONHAUPTQUARTIER waren wir jung und unerfahren. Wir wussten nichts über das Musikbusiness und mussten viele Erfahrungen machen, die wir nun auf VIDEODROM verarbeitet haben. Dadurch fanden wir auch heraus, wer wir eigentlich sein wollen und haben gelernt, starrsinnig weiterzumachen. Dafür steht BLITZKREUZ.“

Sing mir das Lied vom Sterben

Anfangs dachten die Jungs sogar darüber nach, das neue Album schlicht CALLEJON zu betiteln. Doch am Ende erschien das ikonische „Blitzkreuz“-Logo, welches die Jungs seit jeher begleitet und als Tattoo so manchen Fankörper ziert, als perfekter Titel. 2012 ist das Quintett seiner künstlerischen Vision und Perfektion so nah wie noch nie: Metalcore, Rock und – nicht erschrecken! – poppiges Flair ergeben eine runde Mischung, welche die Band von manch neuer Seite zeigt und doch hundertprozentig nach Callejon klingt.

„Es ist mehr Klargesang zu hören, dadurch wirkt es melodischer. Aber das Album ist trotzdem nicht weniger hart als seine Vorgänger“, stellt BastiBasti klar. „Wir haben bestimmte Bereiche mehr ausgereizt. Wenn ein Teil hart sein soll, ist er auch hart. Wenn ein Teil tanzbar sein soll, ist er es. Insofern ist BLITZKREUZ konzentrierter. Wir haben uns im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht, was wie klingen soll und auf welche Art wir es gerne hören würden. Wir sind sehr kleinteilig vorgegangen, weshalb ich mich auch umfangreich auf meine Gesangsparts vorbereiten konnte.“

Atlantis muss untergehen

So gerne BastiBasti in seinen Texten Emotionen thematisiert, die Realität wird nie ausgeblendet. Das geht auf diesem Album sogar so weit, dass Gesellschaft und Politik ganz klar und vordergründig behandelt werden. „Es gab keinen bestimmten Anstoß dazu, dass BLITZKREUZ politischer geworden ist“, erklärt BastiBasti. „Am deutlichsten findet sich diese Thematik wahrscheinlich in ‘Atlantis’, wo es um die fragwürdige Position Deutschlands hinsichtlich des AKW-Ausstiegs geht.“ Wenn es im Refrain also heißt: „Unter dem Adler gibt es keinen Feuersturm“, ist damit die drohende Gefahr durch einen atomaren Super-GAU gemeint, die von der Politik auch nach der Fukushima-Katastrophe noch kleingeredet wird.

„Es geht um die grundlegende Ignoranz zu behaupten, dass es einen sicheren Ausstiegsplan bis 2022 gäbe, obwohl durch mögliche Regierungswechsel in der Zwischenzeit wieder alles anders laufen kann. Aber so ist die Welt nun mal: Wir werden von Lobbyisten regiert. Das ist in der Musik natürlich kein völlig neues Thema, aber ich finde es absolut wichtig, dass darüber noch Lieder geschrieben werden.“

Eine klare Einstellung. Nicht ganz so offensichtlich dagegen mag zunächst die gezogene Parallele zwischen Deutschland und Atlantis erscheinen. BastiBasti schafft Durchblick: „Die Bewohner von Atlantis sind in der Mythologie ein hoch entwickeltes Volk gewesen, eine Gesellschaft der Superlative, die dennoch unterging. So geschieht es oft: Wenn man sich in seiner Position allzu sicher wiegt und denkt, dass nichts passieren kann, hört man auf, nachzudenken und vergisst die Gefahren. In diesem Sinne vergleiche ich Deutschland mit Atlantis. ‘Atlantis muss untergehen’, weil es so nicht weitergehen kann.“

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