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Rush: Durchbruchswerk MOVING PICTURES ist 45!

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Als Rush im Februar 1981 MOVING PICTURES veröffentlichten, ahnte niemand, dass dieses Album die Kanadier endgültig aus der Prog-Nische katapultieren und mitten in den Rock-Olymp schleudern würde. 45 Jahre später wirkt die Platte so frisch, fokussiert und selbstbewusst, als hätten Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart sie gestern erst aus dem Studio getragen.

Dabei begann alles mit einem Momentum, das die Band noch nie erlebt hatte: Die „Permanent Waves“-Tournee 1980 war die erste in ihrer Karriere, die tatsächlich Gewinn abwarf. Statt sich eine Pause zu gönnen, stürzten sich Rush nach deren Abschluss direkt wieder in die Arbeit. Produzent Terry Brown wartete bereits im Studio, und die Band war elektrisiert. Ursprünglich sollte nach PERMANENT WAVES ein Live-Album erscheinen. Rush überzeugten ihren Manager jedoch, den Plan über Bord zu werfen und stattdessen neues Material zu schreiben. Eine der besten Entscheidungen ihrer Laufbahn.

Der kommerzielle Durchbruch

Rush hatten ihre Kanten nicht verloren, aber sie hatten sie geschliffen. MOVING PICTURES ist das Album, auf dem die Band ihre Virtuosität erstmals so verpackte, dass auch Hörer außerhalb der Prog-Blase hängenblieben. Kürzere Songs, klarere Hooks, mehr Fokus. Der Plan ging auf: Platz 1 der Charts in Kanada, Platz 3 in den USA und dem Vereinigten Königreich, drei erfolgreiche Singles (‘Tom Sawyer’, ‘Limelight’, ‘Vital Signs’) und Verkaufszahlen, die durch die Decke gingen. Bereits zwei Monate nach Release erreichte die Platte den Platinstatus – heute steht sie allein in den USA bei über fünf Millionen verkauften Exemplaren.

Dann wäre da noch ‘XYZ’, das instrumentale Monster, das Rush eine Grammy-Nominierung einbrachte. Die Kategorie „Best Rock Instrumental Performance“ existiert seit 2011 nicht mehr, aber ‘XYZ’ bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie man technische Brillanz und musikalische Spannung perfekt austariert.

‘Witch Hunt’: Ein atmosphärischer Gänsehautmoment

Ein unterschätztes Herzstück des Albums ist ‘Witch Hunt’. Die erste Minute: düster, bedrohlich, ein wütender Mob, der durch die Nacht hallt. Was wie eine aufwändige Sounddesign-Arbeit klingt, entstand erstaunlich bodenständig. Frontmann Geddy Lee erinnerte sich: „Das Studio in Quebec war wunderschön. Es hatte gigantische Fenster, durch die man eine unglaubliche Aussicht hatte. Der See, die Berge… So ein atemberaubender Ort.“ Es war zwar zu jenem Zeitpunkt November, das tat der Schönheit jedoch wohl keinen Abbruch.

Den Mob haben Rush nicht im Studio kreiert, sondern authentisch, draußen auf der Straße. Lee erzählte: „Wir haben die Einfahrt mit Mikrofonen vollgestellt. Dann haben wir einfach alle angefangen zu grunzen und dummes Zeug zu schreien. Die Aufnahme haben wir immer öfter vervielfältigt, bis sie klang wie ein ganzer Mob.“ Gitarrist Lifeson ergänzte: „Das Lachen war aber nicht geplant. Wir hatten eine Flasche Scotch dabei, die könnte das erklären. Meine Lieblingszeile ist ,Fucking Football‘, das kann man auch noch raushören, wenn man sich Mühe gibt.“

Das Cover: Drei Ebenen, ein Konzept

Hugh Syme, langjähriger Rush-Kollaborateur, entwarf ein Cover, das bis heute zu den cleversten der Geschichte Rushs zählt. Drei Ebenen, ein Wortspiel: Zu sehen sind Arbeiter, die Bilder aus einem Gebäude tragen – also wortwörtliche „Moving Pictures“, sich bewegende Bilder. Außerdem beginnen Passanten, die dies beobachten, zu weinen: Die Bilder sind also auch emotional bewegend. Zu guter Letzt ist auf der Rückseite ein Film-Team zu sehen, welches die Szene festhält und ein bewegtes Bild im filmischen Sinne erschafft.

Die abgebildeten Werke sind ebenso typisch Rush: das Starman-Logo, ‘A Friend In Need’ aus der berühmten ‘Dogs Playing Poker’-Serie und Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen. Künstler Syme stellte am Ende eine Rechnung über 9.500 Dollar – Anthem Records wollte nicht alles zahlen, also sprang die Band ein. Kunst hat eben ihren Preis.

Nachwirkungen und Neuauflage

Zum 40. Jubiläum erschien 2022 eine Neuauflage, die es in Deutschland bis auf Platz 22 der Charts schaffte – ein spätes, aber verdientes Zeichen dafür, wie zeitlos MOVING PICTURES geblieben ist. Rush haben viele großartige Alben geschrieben, aber diese Platte ist das Werk, das sie unsterblich machte. Ein Album, das Virtuosität und Eingängigkeit so souverän vereint, dass es auch 45 Jahre später noch wie ein Lehrstück wirkt: So geht Rock-Musik, die Anspruch und Massenwirkung miteinander versöhnt.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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