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Alcest-Interview: Introvertierte Weltenbummler

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Der Weg dahin war weit. Aber es ging für Stéphane „Neige“ Paut vor allem darum, das Idealbild von Alcest in seinem Kopf mit der Realität in Einklang zu bringen: „Lange Zeit lebte ich im Süden Frankreichs, wo es original überhaupt keine Musiker gibt, mit denen ich mich zusammentun konnte“, erzählt er. „Deswegen lernte ich, Schlagzeug zu spielen, um mein erstes Album aufzunehmen. Nicht, weil ich unbedingt alles selbst machen wollte, sondern weil es niemanden gab, der das für mich übernahm. Seit drei Jahren wohne ich jetzt in Paris, und das hat die Dinge einfacher gemacht.“

[…]

LES VOYAGES DE L’ÂME hingegen entstand, da ist Neige sehr ehrlich, auf ausgetretenen Pfaden: „Ich habe alles wie immer gemacht. Ich besitze kein besonders gutes Equipment, alles wandert in meinen Achtspur-Rekorder. Ich habe noch nicht mal einen Computer… Was auch meine Philosophie widerspiegelt: Je weniger man hat, desto mehr kommt die Essenz zum Vorschein – im Fall von Alcest die Melodien. Effekte und ähnliches finde ich bedeutungslos, ein guter Song funktioniert auf jedem Instrument: Gitarre, Klavier, das ist egal.“

[…]

Musik bedeutete für ihn eine Offenbarung: „Ich habe etwas erlebt, von dem ich lange nicht glaubte, es beschreiben zu können. Erst die Musik macht das möglich“, schwärmt er. „Es ist wie ein Farbe, die ich dich nicht sehen lassen kann – aber über den Umweg des Gehörs wird sie greifbar. Deswegen gibt es viele Alcest-Songs, die wie Dead Can Dance oder Sigur Rós auf Worte verzichten. Denn Klang transportiert viel mehr. Der Song ‘Beings Of Light’ etwa hat keinen Text, ich singe in einer ausgedachten, rein lautmalerischen Sprache.“ Was so ehrlich wie verletzlich wirkt. „Es hat etwas Kindliches“, meint Neige, „aber auch etwas Faszinierendes. Ich liebe die Cocteau Twins und die Art, wie die Sängerin aus anfangs verständlichen Worten nach und nach etwas Neues, wie eine eigene Sprache, erschafft. Es gibt keinen Grund, so etwas nicht zu tun, denn am Ende geht es um das pure Ausdrucksvermögen, nicht um einzelne Worte, die auf die Goldwaage gehören.“

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