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„Berlin Rock City“: Kiss + The Dead Daisies live

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The Dead Daisies

Für Kiss zu eröffnen ist vermutlich eine der undankbarsten Aufgaben ,die es geben kann – denn rückblickend sieht man ohnehin blass aus, falls Gene, Paul und Co. nicht gerade einen rabenschwarzen Tag erwischen. Dafür machen The Dead Daisies um Sänger John Corabi ihre Sache gar nicht mal so schlecht: Die soliden, klassischen Hard Rock-Songs können einige der Kiss-Army-Anhänger sogar zum Mitklatschen verleiten und am Ende steht trotz kurzzeitiger Technik-Probleme und verfrühtem Beginn ein ordentliches Warm-Up.

You wanted the best …

Doch dann kommt es eben wie gedacht: Selbst die beste Vorband der Welt wäre wohl gegenüber dieser Eröffnung verblasst. Nach der obligatorischen „You wanted the best, you got the best”-Ansage fällt nach 45 Minuten Umbaupause endlich der Vorhang – und Kiss legen mit Pyros, Knalleffekt und ‘Detroit Rock City’ so richtig los. Vor einer riesigen Videowand, die mal das Bandlogo und mal gigantische Flammen zeigt, beweisen die Meister des Make-Up, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Die Band posed, grinst und rockt, als ob es die vierzig Bühnenjahre zuvor nie gegeben hätte und reißt die Halle schon nach Sekunden mit.

Bereits nach dem folgenden ‘Deuce’, spätestens aber nach dem Hit ‘Psycho Circus’ haben Paul, Gene und Co. das Publikum dann völlig in ihren Bann gezogen und die ordentlich gefüllte O2-World frisst den Rock-Helden aus der Hand. Besonders unterhaltsam: Pauls Eröffnung, man habe zuvor u.a. schon in Düsseldorf gespielt und nun sei es an Berlin, das beste Publikum der Tour zu stellen. Schon in Gelsenkirchen, wo das Rock im Revier tatsächlich stattfand, war diese (absichtliche?) Verwechslung mit Pfiffen quittiert worden.

… you got the best!

Auch im weiteren Verlauf der Show stimmt fast alles: Gene züngelt sich bei Hits wie ‘I Love It Loud’  und ‘Creatures Of The Night’  die Seele aus dem Leib und eine an Wahnsinn grenzende Lichtshow verwandelt die Halle in eine unwirkliche Rock ’n’ Roll-Comicwelt. Nach ‘War Machine’ wird – was denn sonst – Feuer gespuckt und bei ‘Lick It Up’ auf hydraulischen Bühnen gerockt, während Laser die nebelschwangere Luft der O2-World durchschneiden. 

Zwar verzichtet Gene Simmons bei ‘God Of Thunder’ auf seine obligatorische Flugeinlage, der witzig-verzweifelte Versuch von Paul Stanley, während ‘Parasite’ seinem weiblichen Lieblingsfan in der ersten Reihe wenigstens eines seiner knapp 200 Plektren zuzuwerfen, ist aber mindestens genauso unterhaltsam und zeigt: Hier sind echte Rock-Profis am Werk.

Flugeinlage und Konfettikanonen!

Dann wird es spektakulär:  Für ‘Love Gun’ fliegt Paul über das Publikum, und rockt auf einer rotierenden Plattform in der Mitte der Halle, bevor er nach dem Gänsehaut-Intro von ‘Black Diamond’ (Out on the streets for a living – picture’s only begun. Got you under their thumb!) graziös zurückschwebt. Der METAL HAMMER fragte sich spätestens an dieser Stelle, wie man sich in dem Alter bloß noch so gut auf diesen Plateau-Monsterstiefeln bewegen kann.

Zum Abschluss folgt dann der obligatorische Hit-Abriss ‘Shout It Out Loud’ (Ein weiterer Gänsehaut-Moment) und ‘I Was Made For Loving You’, der auch den härtesten Sitzplatz-Inhaber vom Hintern reißt. Unablässiges Pyro-Feuer, Konfettikanonen und zwei schwenkbare Stege, die erst ganz zum Schluss des Überhits ‘Rock And Roll All Nite’ eingesetzt werden, beenden 90 Minuten puren Glamour-Rock ’n’ Roll. Zwar sitzt bei Stanley nach über 40 Jahren Kiss gesanglich nicht mehr jeder Ton perfekt, das ist aber angesichts dieser Performance vollkommen zu verschmerzen! Wer hier nicht mit einem breiten Grinsen nach Hause geht, der geht auch zum Lachen in den Keller. We wanted the best – we got the best.

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METAL HAMMER präsentiert: Brant Bjork

Brant Bjork hat über ein Vierteljahrhundert im Epizentrum des kalifornischen Desert Rock verbracht. Vom Trommeln und Komponieren auf Kyuss' wegweisenden frühen Alben WRETCH (1991) und BLUES FOR THE RED SUN (1992) bis hin zur Mitkreation von Fu Manchus bahnbrechendem Flair in den Jahren 1994–2001 produzierte außerdem mehrere Band und schaffte nebenbei Ablegerprojekte wie Ché. Brant begann seine Solokarriere als Sänger, Gitarrist und Bandleader, gründete sein eigenes Plattenlabel und vieles mehr. Seine Geschichte ist eine kurvenreiche Erzählung unerbittlicher Kreativität. Neben seinem Gig beim diesjährigen Berliner Desertfest (1.–3.5.20) gibt es zudem im April und Mai eine eigenständige Tournee. METAL HAMMER präsentiert: Brant…
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