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Darum gehört Metal nicht in den Schrank!

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METAL HAMMER-Ausgabe Januar 2014
METAL HAMMER-Ausgabe 01/2014


Die Holztür öffnet sich, dann bricht unter ohrenbetäubendem Lärm das Monster aus dem Schrank. Vier junge Burschen mit bunten Shirts und seltsamen Frisuren, die sie rhythmisch hin und her werfen, entspringen dem hölzernen Gefängnis und verbreiten unvorstellbaren Krach, bis Oma Violetta sie Sekunden später von der Bühne kehrt. Das also ist Metal, flüstert man sich im Publikum ehrfürchtig zu. Live im deutschen Fernsehen. Verrückte Welt.

Wenige Wochen zuvor bot sich den Zuschauern der ProSieben-Show ‘Circus HalliGalli’ ein ähnliches Bild: Dem Schrank entsprangen an diesem Abend Die Apokalyptischen Reiter mit ihrem auf Stelzen laufenden Sänger Fuchs und Lack-und-Leder-Folterknecht Dr. Pest. Intoniert wurde, playback natürlich, das Stück ‘Es wird schlimmer’.

Und das, liebe Metaller, wird es tatsächlich: Unsere Bands haben es nicht nur in die Charts, sondern auch ins Fernsehen geschafft; wir feiern das Jahr des Schrank-Metal. Ob das wirklich ein Grund zur Freude ist, liegt beim Betrachter: Während Puristen den Untergang des Abendlands heraufziehen sehen, bejubeln tolerantere Zeitgenossen, dass Metal endlich als kulturelle Strömung ernst genommen wird.

Doch werden die Schrank-Bands das wirklich? Gag und Überraschung stehen klar vor der künstlerischen Darbietung, und eigentlich geht es nur darum, die eigene Bekanntheit durch sekundenlange, rasende Präsenz zu steigern. Doch was ist ein solcher Auftritt für Metal-Bands wert? Eigenwerbung gelingt nur mit einem prägnanten Song, doch die Zeit ist zu kurz, um überhaupt auf die Musik zu achten; der gemeine Zuschauer wird trotz HalliGalli-Vorliebe von Gebrüll, Pogo und Headbangen eher abgeschreckt, als virtuose Gitarrenläufe und künstlerische Konzepte erkennen zu können.

Demnach ist die Gefahr groß, treue Anhänger zu vergraulen, als Klamaukgruppe dazustehen und das Genre ins Lächerliche zu ziehen. Nach dem Reiter-Auftritt schrieben die Fans entrüstet Sätze wie „Dass die so etwas nötig haben“ und „Für mich sind sie gestorben“ ins Netz. Es entsteht dasselbe Problem wie beim Phänomen Chart-Metal: Wir wollen uns den Erstzugriff auf unsere Lieblinge nicht nehmen lassen, unseren exklusiven Geschmack gewahrt wissen und der Allgemeinheit von unseren metallischen Leckerbissen nichts abgeben.

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