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David Friedrich (Ex-Electric Callboy) gesteht Depressionen

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Der ehemalige Electric Callboy-Drummer David Friedrich hat sich zu Wort gemeldet und den eigentlichen Grund für seinen Ausstieg vor einem Jahr verraten. Wie der einstige ‘Die Bachelorette’-Gewinner offenbart, litt er an Depressionen, die er lange Zeit gut versteckt und geheim gehalten hat. Seine Stellungnahme geht ans Herz.

Leere Hülle

„Heute vor einem Jahr spielte ich meine letzte Show, und bis heute spiele ich kein Schlagzeug mehr“, beginnt das ausführliche Slideshow-Statement von David Friedrich. „Manchmal lebt man seinen größten Traum und merkt erst viel später, was er gekostet hat. Nach außen war alles perfekt: Die Bühne, der Erfolg, die antrainierte, funktionierende Maske und aufgesetzte Lächeln. Instagram zeigte die Illusion. Mein Tagebuch — die traurige Wahrheit. Über die letzten Jahre zwischen außergewöhnlichem Erfolg und dem Privileg, all das zu leben, wofür ich von klein auf alles gegeben und geträumt habe, jagte ich Tour für Tour einem Gefühl hinterher, das einst mal alles um sich herum vergessen ließ. 

Während die Hallen immer größer wurden, wurde ich innerlich immer kleiner. Über die Jahre kämpfte ich mit Zweifeln, Burnout, Hilf- und Wertlosigkeit sowie dem Gefühl, meinen Traum — und mich selbst — zu verlieren. Am Ende war ich eine leere Hülle, die funktionierte, aber nichts mehr fühlte. Das andauernde Gefühl, seinen Wert beweisen zu müssen, wurde zum Alltag. Auf der Bühne lebte ich. Hinter ihr überlebte ich. Schließlich brach mein Körper zusammen, und ich stürzte ins tiefste Loch meines Lebens. Schlaflosigkeit, Schweiß und Panikattacken wurden zum Mittelpunkt meines Lebens. Im Rausch des Funktionierens und des Verdrängens wusste ich nicht, was mit mir los war.

Es ist okay, traurig zu sein

Bis es sehr dunkel wurde. Gefangen zwischen Traum und Albtraum war sie da: Die schwere Depression. Letztes Jahr stand ich an einem Punkt, an ich neu lernen musste zu fühlen. Zu leben ohne das, was einen von klein auf am Leben gehalten hat, womit man sich identifiziert hat und wofür man alles gegeben hat, war das Schwerste, was ich je erfahren durfte. Vor genau einem Jahr sagte ich noch zu einem Musikerkollegen: ‚Ich mache solange Musik, bis ich auf der Bühne sterbe.’ Da, wo ich gelebt habe; da, wo ich zu Hause war, während sich in meinem eigentlichen Zuhause die Traurigkeit ausbreiten konnte. Da, wo ich hingehöre: Hinter dem Schlagzeug.

Vor Kurzem habe ich mein Schlagzeug wieder aufgebaut. Es fühlt sich noch fremd an. Schwer. Aber es gehört zu mir. Es erinnert mich daran, wie wichtig es ist, sich niemals das nehmen zu lassen, was man am meisten liebt. Egal von wem. Egal aus welchem Grund. Nicht von Erwartungen, nicht von Menschen, nicht vom System. Denn wenn wir das verlieren, verlieren wir ein Stück von uns selbst. An alle, die gerade kämpfen/kämpften — leise oder laut: Ihr seid nicht allein. Bleibt euch treu. Bleibt menschlich. Und glaubt daran, dass das, was ihr liebt, irgendwann wieder heil sein darf.“

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Doch damit nicht genug — David Friedrich ergänzt: „Warum ich das mit euch teile: Weil es jeden mehr oder weniger betrifft oder betreffen kann. Alles, was wir haben, sind wir. Jeder Mensch trägt seine Narben und seine Geschichte. Wir können voneinander lernen und dafür sorgen, dass sich niemand allein fühlen muss. Es ist okay, traurig zu sein. Keine Einsamkeit für gute Herzen. Ein Herz für jeden, der gerade kämpft oder kämpfen musste. Gib nicht auf!“ Dazu kann man nur sagen: Alle Achtung, großen Respekt, volle Zustimmung und ganz viel Liebe.

Du suchst selbst Hilfe oder kennst jemanden, der suizidgefährdet ist? Telefonseelsorgestellen sind jederzeit unter 0800‐1110111 oder 0800‐1110222 kostenlos erreichbar. Bundesweite Beratungseinrichtungen speziell für Kinder und Jugendliche sind jederzeit unter 0800-­1110333 kostenlos erreichbar. Online‐Hilfsangebote sind jederzeit im Internet erreichbar unter www.telefonseelsorge.de oder www.suizidpraevention-deutschland.de.


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Lothar Gerber schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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