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Decapitated: 20 Jahre ORGANIC HALLUCINOSIS

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Wenn man über moderne Death Metal-Meilensteine spricht, führt kein Weg an ORGANIC HALLUCINOSIS vorbei. Das vierte Album der polnischen Band Decapitated erschien am 7. Februar 2006 in den USA und eine Woche später, am 13. Februar, in Europa – und markiert bis heute einen Wendepunkt in der Geschichte des Technical Death Metal. Nicht nur musikalisch, sondern auch emotional, denn kaum ein Werk dieser Szene ist so untrennbar mit Triumph und Tragödie verbunden.

Entstanden mit frischem Wind in den Segeln

Schon die Entstehungsgeschichte ist bemerkenswert: Aufgenommen im August 2005, nur kurz, nachdem Sänger Wojciech „Sauron“ Wąsowicz die Band verlassen hatte, standen Decapitated plötzlich vor der Herausforderung, einen neuen Frontmann integrieren zu müssen. Die Wahl fiel auf Adrian „Covan“ Kowanek: ein Glücksgriff. Covan brachte eine völlig neue Dynamik in den Sound der Band: unberechenbar, düster, technisch präzise und doch voller organischer Wucht. Kritiker lobten genau diesen frischen Wind, der Decapitated noch weiter in Richtung Avantgarde des Death Metal katapultierte.

ORGANIC HALLUCINOSIS ist nicht nur Covans einziges Album mit der Band – es ist auch das letzte Werk mit Bassist Marcin „Martin“ Rygiel und vor allem das letzte mit Schlagzeuger Witold „Vitek“ Kiełtyka. Vitek, jüngerer Bruder von Gitarrist Wacław „Vogg“ Kiełtyka, war ein Wunderkind: Gründungsmitglied mit gerade einmal zwölf Jahren. Ein Drummer, der die Szene mit seiner Präzision und seinem Gefühl für technische Brutalität prägte.

Der Tiefschlag: Tod auf Tournee

Die Tragödie folgte 2007. Auf Tournee in Russland kollidierte der Tourbus von Decapitated und Crionics mit einem Holztransporter. Sowohl Vitek als auch Covan wurden schwer verletzt. Vitek erlag seinen Verletzungen am 2. November 2007. Er wurde nur 23 Jahre alt. Covan überlebte, fiel ins Koma und kämpfte sich später zurück ins Leben. Die Metal-Welt reagierte erschüttert: Dimmu Borgir widmeten Vitek noch am selben Tag ein Konzert, Virgin Snatch schrieben den Song ‘It’s Time’ zu seinem Gedenken.

Vielleicht ist es genau diese Mischung aus künstlerischer Brillanz und biografischer Schwere, die ORGANIC HALLUCINOSIS zu einem so besonderen Album macht. Lieder wie ‘Day 69’, zu dem es auch ein Musikvideo gibt, zeigen Decapitated auf dem Höhepunkt ihrer technischen Kreativität: komplex, verstörend, kompromisslos. Die limitierte UK-Edition, von der es nur 1.000 Exemplare gibt, enthält sogar eine Bonus-CD mit Live-Aufnahmen, ein begehrtes Sammlerstück unter Fans.

Nach der Veröffentlichung ihres Viertwerks ging die Band auf ausgedehnte Tourneen durch Europa und Nordamerika, unter anderem gemeinsam mit Suffocation. Die Resonanz war überwiegend positiv: ORGANIC HALLUCINOSIS wurde als mutiger Schritt gefeiert, als Weiterentwicklung einer Band, die ohnehin schon als Vorreiter der modernen Death Metal-Szene galt.

Decapitateds nächste Schritte

Nach Viteks Tod folgte eine Pause, bis Decapitated sich 2009 neu erfanden und zuletzt 2022 mit CANCER CULTURE ein weiteres starkes Lebenszeichen setzten. Doch ORGANIC HALLUCINOSIS bleibt ein Monument: ein Album, das zeigt, wie weit man Death Metal treiben kann, ohne die Seele zu verlieren.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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