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Im Pit bei: Blues Pills + Truckfighters + Jex Thoth + Three Seasons

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Sehr ländlich geht es zu im beschaulichen Olsberg. Da mutet es selbst mit den Senkrechtstartern von Blues Pills äußerst ambitioniert an, bei rund 14.000 Einwohnern eine 2.000-Mann-Halle füllen zu wollen. Im direkten Umkreis gibt es ebenfalls nicht viel zu holen und der gut eine Autostunde entfernte Ruhrpott wird zudem noch mit einem Konzert in Oberhausen bedient. Trotz der qualitativ hochwertigen Unterstützung in Form der Co-Headliner Truckfighters, der Psychedelic Doomer von Jex Thoth und der schwedischen Opener Three Seasons sollte sich der schicke Veranstaltungsort bestenfalls zur Hälfte füllen. Hinzu kommt noch ein Altersdurchschnitt, welcher der Stimmung nicht besonders zuträglich ist und so verströmt der ganze Abend eher das Flair einer netten Oldie-Party anstatt eines waschechten Rock-Konzerts. Musikalisch gibt es dagegen rein gar nichts auszusetzen.

Diesen Eindruck bestätigen auch Three Seasons aus Schweden. Ihr leidenschaftlicher Mix aus Blues, Psychedelic und Folk sorgt gleich von Beginn an für wohlige 70s-Schwingungen im Raum. Der Sound ist glasklar und auf den Punkt gemischt, was vor allem der Gitarrenarbeit und dem exzessiven Einsatz der Hammond-Orgel viel Platz einräumt, sich zu entfalten. Den Höhepunkt dieses stimmungsvollen Zusammenspiels liefert das herausragende Instrumental ‘Tablas Of Bahar’ aus dem aktuellen Album GROW. Natürlich kommt dem Quartett dabei zugute, dass sie dem Headliner des Abends alles andere als artfremd sind. Dementsprechend fällt auch der Applaus für den gelungenen Auftritt mehr als beachtlich aus.

Nicht weniger einnehmend geht es mit Jex Thoth weiter, auch wenn die starke Doom-Schlagseite der Amis für manch einen etwas zu gewöhnungsbedürftig ausfällt. Lässt man sich allerdings auf die düstere Zeremonie der namensgebenden Hexe ein, zieht sie einen mit teils laszivem, teils bizarrem Auftreten unweigerlich in ihren Bann. Wie von Sinnen vollführt die charismatische Sängerin Verrenkungen aller Art und umgibt sich immer wieder mit wohlduftenden Räucherstäbchen. Wo sie sonst absolut unnahbar erscheint, lässt sie sich am heutigen Abend während ‘The Divide’ sogar mitten ins Publikum herab, um es an ihren Zündeleien teilhaben zu lassen. Genau diese von Jex ausgehende mystische Aura ist es, die gemeinsam mit psychedelischen Perlen wie ‘Keep Your Weeds‘ eine so gespenstische Atmosphäre erschafft. Unheimlich gut.

Musikalisch wie optisch könnte der Kontrast zum schwedischen Stoner-Trio Truckfighters kaum größer ausfallen. Während ihre Vorgänger darauf bedacht waren, okkulte Schwermut zu verbreiten, geht es bei den shortstragenden Herren sehr viel frontaler zur Sache. Mit ihrem extrem bass-lastigen Sound sprechen sie vor allem die wenigen jüngeren Semester an, die während des schweißtreibenden Gigs wenigstens für ein Mindestmaß an Bewegung in den ersten Reihen sorgen. Wie es eigentlich geht, zeigt Gitarrist Niklas „Dango“ Källgren: Stillstehen scheint nicht zu seinen großen Stärken zu zählen und so springt, rennt und klettert er pausenlos wild umher. Zwar packt auch der ein oder andere Ü40er das Tanzbein oder die Luftgitarre aus, insgesamt fällt aber eklatant auf: Hier steht die richtige Band auf, aber das falsche Publikum vor der Bühne. Klar ernten auch die Fighters bei Brechern wie ‘Desert Cruiser’ ihren verdienten Applaus, gemacht sind ihre treibenden und staubtrockenen Songs allerdings für eine deutlich jüngere Menschenmasse.

Komischerweise vermag es nicht einmal das in den 60er- und 70er-Jahren verwurzelte Songgut der Blues Pills den Funken in Olsberg wirklich überspringen zu lassen. Dennoch gehören die Retro-Jünglinge nach wie vor zum Besten, was das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Von der Rhythmusfraktion angetrieben, läuft der mittlerweile bärtige Saitenzauberer Dorian Sorriaux bei ausgedehnten Jam-Einlagen zu ‘Ain’t No Change’ oder dem Tony Joe White-Cover ‘Elements And Things’ wieder einmal zu Höchstleistungen auf. Und auch zum Stimmwunder Elin wurde in der Vergangenheit bereits alles gesagt und geschrieben. Doch genau dort liegt das eigentliche Problem: Blues Pills sind gefühlt seit einer halben Ewigkeit unentwegt auf Tour. Bei gerade einmal elf eigenen Songs, die auf drei EPs, einem Studio- sowie einem Live-Album bis zum Äußersten ausgeschlachtet wurden, läuft man bei entsprechenden Tournee-Marathons eben auch Gefahr, irgendwann die Puste zu verlieren. Da ist es nur symptomatisch, dass sie heute nicht einmal über die volle Distanz gehen und ohne Zugabe nach nur acht Songs die Segel streichen. Nicht falsch verstehen, die Truppe weiß nach wie vor zu begeistern, im Vergleich zu den letztjährigen Auftritten hat sich allerdings zunehmend Routine eingeschlichen, die das nötige Überraschungsmoment missen lässt. Um ihre Magie nicht zu verlieren, sollten sich Blues Pills deshalb nach der anstehenden Festival-Saison besser darauf konzentrieren, mit einem neuen Album das Tour-Feuer wieder zu entfachen.   

Setlist Blues Pills:

  1. High Class Woman
  2. Ain’t No Change
  3. Dig In
  4. No Hope Left For Me
  5. Bliss
  6. Elements And Things (Tony Joe White Cover)
  7. Devil Man
  8. Little Sun

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