Toggle menu

Metal Hammer

Search

Im Pyrogewitter bei: KISS + RavenEye in Dortmund am 12.05.2017

von
teilen
twittern
mailen
teilen

Kiss ist, wenn Papi stolz seine Kleinen mit aufs Konzert zerrt, wenn gestandene Szenegrößen wie Axel Rudi Pell dem Spektakel brav auf der Tribüne beiwohnen, und wenn einem die Ohren auch noch Tage nach dem Kanonenschlagfeuerwerk nicht ganz verziehen haben. Kurzum: Kiss sind nach der letztjährigen Tourneeabsage endlich wieder auf deutschen Bühnen unterwegs und fahren gewohnt schweres Hit-und Pyro-Geschütz auf.

Wo sich bei Betreten der altehrwürdigen Dortmunder Westfalenhalle gerade noch die UK-Rocker RavenEye unter beachtlichem Applaus vom Publikum verabschieden, prangt wenig später schon der monströse schwarze Kiss-Vorhang, bereit, das Bühnenbild nach Led Zeps ‘Rock And Roll’ unter tosendem Beifall preiszugeben. „You wanted the best, you got the best, the hottest band in the world“ – schon das Intro kommt einem Ritual gleich, das jedem Anhänger in Fleisch und Blut übergegangen ist und die Menge immer wieder in kollektive Ekstase versetzt. Und mit dem effektvoll inszenierten Auftakt, bestehend aus ‘Deuce’, ‘Shout It Out Loud’ und ‘Lick It Up’, stellen die Herren Stanley und Co. – auch dank des druckvollen Sounds – gleich zu Beginn klar, dass der kultige Ausruf nach mehr als vier Dekaden immer noch seine Berechtigung hat.

Tradition statt Überraschung

Wirkliche Überraschungsmomente sucht man während des knapp zweistündigen Auftritts dagegen vergebens. Lediglich der selten gespielte DESTROYER-Track ‘Flaming Youth’ fällt etwas aus dem Rahmen, ansonsten schöpft der Vierer neben den beiden jüngeren, aber nicht minder gut funktionierenden ‘Psycho Circus’ und ‘Say Yeah’ aus seinem traditionellen Best Of-Aufgebot der Siebziger- und Achtziger Jahre. Letztlich sind es aber vor allem die altbekannten und nicht wegzudenkenden Show-Elemente, die eine Kiss-Show erst zu einer richtigen Kiss-Show und damit einem bombastischen Spektakel avancieren lassen: Space A… äääh Tommy lässt nach ‘Shock Me’ und obligatorischer Soloeinlage Funken aus seiner Gitarre sprühen, Starchild Stanley manövriert sich während ‘Psycho Circus’ (nein, dieses Mal nicht zu ‘Love Gun’, das schmerzlich vermisst wird) aufs Podest inmitten des Publikums, und Simmons spuckt Feuer (‘Firehouse’) und Blut, bevor er zu seinem Signature Song ‘God Of Thunder’ eine Etage höher fliegt und über dem Publikum thront.

Der Zorn des Dämons

Apropos spucken: Ein Kuriosum gibt es dann doch noch zu vermelden, als der am unteren Bühnenrand installierte Tontechniker den Zorn des Donnergotts direkt im Anschluss selbiger Darbietung auf sich zieht. Sichtlich erbost schüttet „The Demon“ einen Becher Wasser über sein Opfer, schleudert ihm ein paar vernichtende Worte entgegen und spuckt zum Abschluss sogar noch in dessen Richtung. Tonprobleme? Arbeitsverweigerung? Der genaue Auslöser bleibt jedenfalls im Dunkeln.

Effektspektakel

Trotz des kleinen Ausrasters präsentieren sich Kiss auch im hohen Alter immer noch recht agil auf der Bühne, einzig Stanleys Stimme hat hörbar mit den Zeichen der Zeit zu kämpfen. Es krächzt mitunter doch sehr aus den Boxen, allerdings wissen sich die Kollegen bekanntermaßen zu helfen und übernehmen mittlerweile bei gut der Hälfte des Sets den Gesang. Der flächendeckende Feuerwerkeinsatz kaschiert  noch zusätzlich. Erst recht beim formidablen Konfettiabsch(l)uss ‘Rock and Roll All Nite’ mit seinen unzähligen Sprüh- und Flammenfontänen, Kanonenschlägen, den hydraulisch über dem Publikum schwebenden Musikern, und und und… In Sachen Pyro- und Effekt-Wahnsinn ziehen KISS nach wie vor alle Register. So verkommen die Pflichtzugaben ‘I Was Made For Lovin‘ You’ und ‘Detroit Rock City’ nach einem kleinen Geburtstagsständchen für Schlagzeuger Eric Singer fast schon zur reinen Formsache. Alles beim Alten, also. KISS können noch!

Die Tracklist von Kiss am 12.05.2017 in der Dortmunder Westfalenhalle:

  1. Deuce
  2. Shout It Out Loud
  3. Lick It Up
  4. I Love It Loud
  5. Firehouse
  6. Shock Me
  7. Flaming Youth
  8. God Of Thunder
  9. Crazy Crazy Nights
  10. War Machine
  11. Say Yeah
  12. Psycho Circus
  13. Black Diamond
  14. Rock And Roll All Nite
  15. I Was Made For Lovin‘ You
  16. Detroit Rock City

 

teilen
twittern
mailen
teilen
Testament: Chuck Billy versteht Live-Schummler

Backing-Tracks sind heutzutage bei vielen Bands gang und gäbe. Anstatt Live-Musikern oder Sängern läuft auf der Bühne dann einfach die jeweilige Tonspur vom Band beziehungsweise von der Festplatte. Manchmal stehen nicht so wichtige Musiker gar nicht auf, sondern neben oder hinter der Bühne. Testament-Frontmann Chuck Billy hat nun bei einem Gespräch in der Cassius Morris Show" Verständnis für diese und eine andere Art der Live-Schummelei aufgebracht. "Jedem das seine, aber als wir mit Heaven & Hell auf Tour waren, befand sich der Keyboarder und Background-Sänger nicht auf der Bühne. Er stand hinter der Backline. Manchmal hatte er seinen Platz sogar…
Weiterlesen
Zur Startseite