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Interview: Baby Woodrose über Geld, Freiheit und FREEDOM

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66er Garagen-Sound war gestern. FREEDOM, das neue Erfolgs-Album der dänischen Psych-Veteranen Baby Woodrose basiert auf kosmischen Siebziger-Rock mit substanziellem Riffing. Auf einem großen Parkplatz, neben dem Dortmunder Jukyard Open-Air haben wir uns mit Mastermind Lorenzo Woodrose unterhalten – bis wir verscheucht wurden.

Ihr feiert gerade das fünfzehnjährige Bestehen von Baby Woodrose. Was geht dir durch den Kopf?

In den vergangenen Wochen habe ich des Öfteren darüber nachgedacht und festgestellt, dass mir diese Band nach wie vor viel Freude bereitet. Manchmal muss man sowas hinterfragen um weiterhin glücklich zu bleiben.“

Was hast du in den vergangenen 15 Jahren über dich gelernt?

Meine Sichtweise auf die Welt hat sich stark verändert. Ich denke, ich bin die längste Zeit meines Lebens achtzehn Jahre alt gewesen – habe immer diesen leichtsinnigen Lifestyle gelebt. Jetzt bin ich Fünfundvierzig und genieße die Veränderungen. Ein Album wie BLOWS YOUR MIND (2001, Anm. d. Verf.) könnte ich heute nicht mehr schreiben, weil sich mein Geist einem Wandel unterzogen hat. Auch die Beziehungen zu anderen Menschen sind anders als früher. Eigentlich hat sich alles verändert. Vor fünfzehn Jahren war ich komplett desillusioniert und lebte wie ein Obdachloser, der immer auf der Suche nach einem Schlafplatz war. Ich hatte nie Geld. Heute ist mein Einkommen in Ordnung. Ich komme klar.“

Sprechen wir über das neue Album FREEDOM. Welche Gedanken stecken hinter dem Titel?

Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, wie glücklich die Menschen in der modernen westlichen Welt sind und kam zu der Erkenntnis, dass sie es nicht sind. Wir könnten alle viel glücklicher sein, wenn wir unsere wahren Ansprüche erkennen. Die Medien sagen uns, wir sind frei und können tun was wir wollen und doch machen wir immer was von uns erwartet wird und was schon alle anderen vor uns getan haben. Das sind einige der Gedanken, die hinter diesem Album stecke.“

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Gab es für deine Gedanken einen besonderen Auslöser?

Ich sah ein Interview mit dem Schauspieler und ehemaligen Scientology-Anhänger Jason Begeh, in dem er über seine Erfahrungen mit der Sekte spricht. Unter anderem sagte er: „Wenn du jemanden dazu bringen kannst, sich selbst in seiner Gedankenfreiheit gefangen zu halten, dann benötigt man keine Gitter mehr vor den Fenstern.“ Man denkt frei zu sein, aber in Wahrheit ist man ein Sklave. Diese dieser Art der Bewusstseinskontrolle betrifft nicht nur die Sektenmitglieder, sondern uns alle. Wir sind nicht frei. Der Richie Havens-Song, den wir auf dem neuen Album gecovert haben, ist inspiriert von der ersten Sklavengeneration und besagt: Eines Tages werden wir frei sein. Jetzt frage ich mich, ob wir überhaupt jemals frei sein werden?“

Wer sind deiner Meinung nach die Hauptsklaventreiber unserer Zeit?

Das ist eine gute Frage. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber wenn du dem Geld folgst, findest du sicherlich die Antwort. Auf dieser Weilt gibt es ein paar Leute, die viel reicher sind, als das man es sich vorstellen könne. Das die Dinge so sind, wie sie sind und auch so bleiben werden, liegt ganz in ihrem Interesse.“

Das neue Baby Woodrose-Album FREEDOM.
Das neue Baby Woodrose-Album FREEDOM.

Wie schützt du deine Freiheit?

Ich habe nie eine Ausbildung abgeschlossen und mich stattdessen auf die Sachen konzentriert, die mir wichtig sind. Das bedeutet natürlich auch Musik machen zu können, wann und wie ich will. Letztendlich wurde die Musik auch für mich zu einem Geschäft und ich fand mich plötzlich in der Situation, über Dinge nachdenken zu müssen, über die ich eigentlich gar nicht nachdenken möchte, z.B. Konzerte spielen, wenn ich gar nicht will. Ich muss diese Konzerte trotzdem spielen, um meine Miete zu zahlen und Teil des Gesamten zu bleiben. Ich glaube fest daran, es gibt genug Geld, Güter, Zeit und gute Ideen – genug von allem – um alle Menschen für immer glücklich zu machen. Davon bin ich überzeugt. Es ist eine Schande, dass es nicht so geschieht.“

Ein Mann mittleren Alters kommt im Stechschritt herbeigeeilt und fordert uns auf, den großen leeren Parkplatz unweigerlich zu verlassen. Versuche einer freundlichen Erklärung und die Zusage, dass wir in wenigen Minuten fertig sind und gehen werden, sind Zwecklos. Keine Diskussion. Lorenzos Blicke sprechen Bände. Wir folgen der Anweisung und bleiben – etwas provokant – vor dem Parkplatz stehen. Die Frage, in welchen Momenten sich der Baby Woodrsoe-Frontmann seiner Freiheit beraubt fühlt, sparen wir uns.

Vielen Dank für deine ehrlichen sowie inspirierenden Worte. Die Letzten sollen dir gehören.

Es sind einfach die Gedanken, die ich seit einiger Zeit mit mir rumtrage. Ich freue mich sehr über unser neues Album. Wir haben uns diesmal für ein anderes, kostspieligeres Studio entschieden und es hat sich gelohnt. Der Sound ist fantastisch. Ich bin stolz auf FREEDOM.“

 

Zarko IVetic
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