Wenn Jonathan Howsmon Davis am 18. Januar seinen 55. Geburtstag feiert, dann feiert die Metal-Welt gleich mit. Der Korn-Sänger und Frontmann prägte die Nu Metal-Szene grundlegend mit und bietet durch seinen Charakter und Werdegang Identifikationspotenzial für zahlreiche Fans. Seit mehr als drei Jahrzehnten zieht er mittlerweile seine Schneise durch die Musiklandschaft, und ein Ende ist nicht in Sicht. Davis ist die Stimme einer ganzen Generation und ein Künstler, der nie aufgehört hat, sich selbst neu zu erfinden – egal, wie düster sein Weg manchmal war.
Vom Showbusiness-Kind zum Außenseiter
Geboren in eine Familie, die Showbusiness im Blut hatte, schien Davis’ Weg zunächst glamourös vorgezeichnet. Sein Vater Ricky Duane „Rick“ Davis spielte als Keyboarder unter anderem für Buck Owens und Frank Zappa, seine Mutter arbeitete als Schauspielerin und Tänzerin. Klingt nach Hollywood-Idylle – war es aber nicht. Familiäre Spannungen und sein schweres Asthma, das ihn mit fünf Jahren beinahe das Leben kostete, machten seine Kindheit alles andere als geborgen. Mit 18 verließ er das Haus seines Vaters und seiner Stiefmutter – ein Befreiungsschlag, der ihn endgültig seiner Passion für Musik folgen ließ.
Das Bestattungsinstitut und der Hellseher
Bevor Davis zur Stimme des Nu Metal wurde, führte sein Weg auf gewundenen Pfaden über ungewöhnliche Stationen. Als Teenager arbeitete er in einem Bestattungsinstitut: Eine Erfahrung, die später in vielen seiner Texte nachhallte. Seine erste Band Buck Naked hinterließ hingegen kaum nachhaltige Spuren, außer zwei Demoliedern, die per Kassette an Freunde gingen.
1991 wurde er von Ryan Shuck für dessen Band Sexart angeworben. Der Kontakt existierte nur, weil Davis sich an dessen College gratis die Haare schneiden ließ. Kurz darauf versuchte eine weitere Band, Creep, ihn zu verpflichten. Davis zögerte, bis ein Hellseher ihm prophezeite, er werde als Frontmann einer Rock-Band berühmt werden. Der Mann wusste nicht einmal, dass Davis Musiker war und prahlt wahrscheinlich bis heute mit dieser Vorhersage auf seinen Visitenkarten. Davis reichte das als Zeichen, er stieg ein.
Die Geburt von KoЯn
Nach dem Creep-geschuldeten Umzug nach Los Angeles schlug Davis 1993 vor, die Band nach dem Horrorfilm ‘Children Of The Corn’ (1984) in KoЯn umzubenennen – ein schicksalshafter Moment. Die deutsche Synchronisation heißt übrigens unpassenderweise ‘Kinder des Zorns’, ein weiterer trauriger Eintrag in die Liste der miesen deutschen Titelübersetzungen. Seitdem steht Davis als Frontmann im Zentrum der Öffentlichkeit, scheut sich nie, seine Meinung zu sagen, und hat damit Fans wie Musiker gleichermaßen geprägt.
Jonathan Davis ist mehr als Korn
Davis’ Kreativität sprengt seit jeher Genre-Grenzen. Bereits 2007 gründete er Jonathan Davis And The SFA, was für den bescheidenen Beinamen „Simply Fucking Amazings“ steht. Mit ihnen veröffentlichte er zwei Alben, bevor das Projekt 2014 mit dem Tod von Gitarrist Shane Gibson zum Erliegen kam. 2018 folgte seine erste Solo-Single ‘What It Is’ – ein Beweis dafür, dass sich Davis nie auf seinen Lorbeeren ausruht, sondern nach mehr strebt.
Unter dem Pseudonym JDevil ist er seit 1987 auch als DJ aktiv, also sogar länger, als es Korn gibt. Zwischen 2009 und 2012 tauchte JDevil verstärkt auf, bevor das Projekt wieder in der Versenkung verschwand. Davis erklärte einst gegenüber dem Rolling Stone, diese Ausflüge in ein anderes Genre würden ihn „motiviert und kreativ“ halten. Es bildet für ihn ein Ventil, um nicht in den eigenen Routinen zu erstarren.
Seine musikalischen Einflüsse reichen weit über Metal und elektronische Musik hinaus: Einer seiner frühesten prägenden Momente war das Musical ‘Jesus Christ Superstar’, in dessen Verfilmung seine Mutter tanzte. Eine weitere überraschende musikalische Anwandlung ist seine Liebe für Dudelsäcke. Inspiriert wurde er, das Instrument zu lernen, von einer Szene aus ‘Star Trek II: The Wrath Of Khan’ (1982), weshalb bis heute immer wieder Dudelsack-Passagen in Korn-Songs auftauchen.
Privatleben, Dämonen und… Serienkiller-Artefakte
Davis hat drei Kinder aus zwei Ehen – Nathan, Pirate und Zeppelin – und kämpfte über die Jahrzehnte immer wieder mit psychischen Belastungen und den Folgen von Drogenkonsum. Dass er seine Dämonen offen thematisiert, machte ihn für viele Fans zu einer Identifikationsfigur. Und dann wäre da noch seine… ungewöhnliche Sammelleidenschaft. Davis besitzt unter anderem das Auto, das Ted Bundy gefahren hat, sowie diverse ausgestopfte Tiere. Ein Hobby, das so exzentrisch ist wie der Mann selbst.
Ob als Korn-Frontmann, Solokünstler, DJ oder Dudelsackspieler: Jonathan Davis bleibt eine faszinierende Persönlichkeit der Metal-Welt. Seine Geschichte ist eine Mischung aus Schmerz, Hartnäckigkeit, Kreativität und einer Prise Wahnsinn – genau die Zutaten, aus denen Legenden entstehen.
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