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Darkthrone: 20 Jahre THE CULT IS ALIVE

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Wenn Darkthrone eines nie interessiert hat, dann sind es fremde Erwartungen. THE CULT IS ALIVE, erschienen am 27. Februar 2006 über Peaceville Records, ist das elfte Album des notorisch eigenwilligen Duos aus Norwegen – und gleichzeitig ein musikalischer Wendepunkt. Während die Szene noch immer ehrfürchtig über die „Unholy Trinity“ aus A BLAZE IN THE NORTHERN SKY (1992), UNDER A FUNERAL MOON (1993) und TRANSILVANIAN HUNGER (1994) spricht, machten Fenriz und Nocturno Culto 2006 etwas, das viele Black Metal-Puristen damals als Sakrileg empfanden: Sie ließen Punk rein. Anlässlich des zwanzigsten Jubiläums von THE CULT IS ALIVE blicken wir zurück auf Hintergründe und Entstehungsgeschichte dieses Werks.

Zurück zu Peaceville und zurück zur Freiheit

Die Beziehung zwischen Darkthrone und dem Label Peaceville war in den Neunzigern alles andere als harmonisch. Die Band selbst spricht auf ihrer Bandcamp-Seite von „Zensur und hart durchgesetzter politischer Korrektheit“, die sie 1994 zum Abgang bewegte. Doch wie es dort auch heißt: „Die Zeit heilt alle Wunden.“ 2005 kehrten Darkthrone zurück zu ihrem alten Label – nicht als geläuterte Heimkehrer, sondern als Veteranen, die genau wussten, was sie wollten: totale Autonomie.

Der Vorbote: TOO OLD, TOO COLD

Bevor das Album einschlug, erschien im Januar 2006 die EP TOO OLD, TOO COLD – inklusive Gastauftritt von Grutle Kjellson (Enslaved). Und plötzlich passierte etwas, das niemand erwartet hatte: Darkthrone landeten in den Charts. Sie schafften es auf Platz 15 in Norwegen und Dänemark. Für eine Band, die jahrzehntelang stolz auf ihre Anti-Mainstream-Haltung war, wirkte das fast wie ein seltsamer Witz.

Der namengebene Song der EP schaffte es später auch aufs Album – samt Musikvideo, das so herrlich ungeschliffen ist, dass es heute als Zeitkapsel durchgeht.

Das vollständige Musikvideo seht ihr hier:

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Black Metal mit Stiefelspitze im Crust

Als das Album schließlich erschien, war klar: Darkthrone hatten keine Lust mehr, sich in die Rolle der Black Metal-Ikonen pressen zu lassen. THE CULT IS ALIVE ist ein dreckiger Cocktail aus Black Metal, Crust Punk, Speed Metal und einer Prise Heavy Metal. Fenriz schrieb alle Texte, und man spürt in jeder Zeile seine Mischung aus Zynismus, Szenekommentar und unerschütterlicher Liebe zur Subkultur. Er selbst kommentierte die musikalische Neuorientierung mit: „Nennt es Black Metal oder Evil Rock, ist mir egal.“

Mit zehn Liedern liefern Darkthrone ein Album, das gleichzeitig Hommage und Mittelfinger ist. Die Produktion ist roh, aber nicht chaotisch, die Riffs sind punkiger als je zuvor, und Nocturno Cultos Gitarrenarbeit klingt, als würde sie direkt aus einem feuchten Proberaum in Kolbotn tropfen.

Chart-Einstieg und trotzdem Kult

Auch das Album selbst schaffte es in die norwegischen Charts (Platz 22). Für eine Band, die seit 1986 konsequent ihren eigenen Weg geht – damals noch als Death Metal-Projekt Black Death, bevor Bathory und Celtic Frost sie endgültig in den Black Metal zogen -, ist das fast ironisch. Darkthrone wollten nie massentauglich sein. Genau deshalb wurden sie es.

Warum THE CULT IS ALIVE heute noch brennt

Das Album markiert den Moment, in dem Darkthrone endgültig beschlossen, niemandem mehr Rechenschaft abzulegen. Kein zweites TRANSILVANIAN HUNGER, kein Versuch, die eigene Legende zu reproduzieren. Stattdessen: Freiheit, Humor, Punk-Attitüde und ein Klang, der bis heute Bands beeinflusst, die sich nicht zwischen Genres entscheiden wollen.

THE CULT IS ALIVE ist nicht das wichtigste Darkthrone-Album – aber vielleicht das ehrlichste. Ein Werk, das zeigt, dass Kult nicht konserviert werden muss. Er lebt, solange jemand ihn weiterträgt.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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