Wenn sich eine Band wie Celtic Frost aus der Asche erhebt, dann mit einem gewaltigen Beben. Als sie 2006 das Album MONOTHEIST veröffentlichten, lagen zwischen diesem Werk und dessen Vorgänger VANITY/NEMESIS bereits 16 Jahre. Trotzdem fühlte sich das Album nicht wie eine nostalgische Rückkehr an, sondern wie eine radikale Neuerfindung. Es sollte das sechste und letzte Studioalbum der schweizerischen Extreme Metal‑Ikonen bleiben – und bis heute ist keine Wiedervereinigung in Sicht. Die Band löste sich 2008 endgültig auf, und MONOTHEIST steht seitdem als monolithisches Vermächtnis in der Landschaft des extremen Metal.
Ein Album, das lange in der Dunkelheit gärte
Die Arbeiten an MONOTHEIST begannen bereits im Jahr 2000. 2001 wurde die Reunion von Celtic Frost offiziell verkündet, die sich in den Neunzigern getrennt hatten. 2002 entstanden die ersten Aufnahmen für das Sechstwerk. Die Band arbeitete jahrelang an diesem Album, feilte, verwarf, schrieb neu. Arbeitstitel wie PROBE oder DARK MATTER MANIFEST zeigen, wie experimentell und offen der Prozess war. Celtic Frost haben tief in ihrem eigenen Schatten gegraben, um dieses Album zu formen.
Ein Stil, der sich jeder Schublade verweigert
Frühere Celtic Frost‑Werke ließen sich relativ klar zwischen Thrash- und Black Metal verorten. MONOTHEIST hingegen entzieht sich jeder einfachen Kategorisierung. Die Songs bewegen sich zwischen Doom Metal, Blackened Thrash, Gothic‑Elementen und symphonischen Ausbrüchen. Alles ist langsamer, schwerer, bedrückender als je zuvor. Das Ergebnis ist ein rabenschwarzes, bitterböses Album, dessen Hören sich wie ein Ritual anfühlt.
Tom Gabriel Fischer ließ sich für einige Texte von Okkultist Aleister Crowley inspirieren. Besonders deutlich wird das bei ‘Os Abysmi Vel Daath’, das direkt den Titel eines Crowley‑Buchs übernimmt. Die okkulte Atmosphäre des Albums ist kein Beiwerk, sondern ein integraler Bestandteil seiner Identität.
Ein Klang, der alles verschlingt
Produziert wurde MONOTHEIST von Peter Tägtgren, während Fischer und Martin Eric Ain den Mix übernahmen. Das Ergebnis ist ein massiver, erdrückender Sound, der gleichzeitig klarer und homogener wirkt als vieles, was die Band zuvor veröffentlicht hatte. Blabbermouth brachte es damals auf den Punkt: „Der vielleicht größte Erfolg von MONOTHEIST besteht darin, dass es der Band nun viel besser gelingt, ihre unterschiedlichen musikalischen Einflüsse zu einem einheitlichen Sound zu verschmelzen, anstatt das Album – und manchmal auch die Fans – in das härtere und eher esoterische Material der Band zu spalten.“ Genau das macht das Album so stark. Es ist kein Flickenteppich aus Stilen, sondern ein geschlossenes, finsteres Gesamtkunstwerk.
Ein Album, das Erwartungen nicht erfüllt, sondern übertrifft
Nach 16 Jahren Pause waren die Erwartungen gigantisch. Fans wollten den klassischen Celtic Frost‑Sound, aber gleichzeitig sollte man hören, dass die Band gewachsen war. MONOTHEIST schaffte beides. Es knüpft an die Vergangenheit an, ohne sie zu kopieren, und zeigt gleichzeitig, wie viel Reife und Vision in den Jahren der Stille entstanden sind. In Deutschland erreichte das Album Platz 67 der Charts – für eine Band, die nie auf Massentauglichkeit setzte, ein respektabler Erfolg.
Die größte Tournee ihrer Karriere – und das Ende
Nach der Veröffentlichung starteten Celtic Frost die umfangreichste Tournee ihrer Geschichte. Sie spielten als Headliner auf dem Wacken Open Air und reisten durch Europa, Japan und die USA. Es war ein Triumphzug – der letzte. 2008 zerbrach die Band endgültig. Seitdem gab es keine Wiedervereinigung, Ain ist 2017 verstorben, und MONOTHEIST bleibt Celtic Frosts finales Statement.
Ein Vermächtnis aus Dunkelheit
MONOTHEIST ist ein Album, das nicht versucht, zu gefallen. Es ist schwer, düster, kompromisslos und voller Abgründe. Gleichzeitig ist es eines der ausgereiftesten Werke, die Celtic Frost je geschaffen haben. Die Band hat ihre Erkennungsmerkmale bewahrt, sie aber um neue Elemente erweitert und damit einen Mix aus Aggressivität, Atmosphäre und Melodie geschaffen, der bis heute einzigartig ist. Es ist ein Abschied, der sich zu Recht in die Geschichte des Extreme Metal eingebrannt hat.
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