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Europe: 40 Jahre THE FINAL COUNTDOWN

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Als Europe am 26. Mai 1986 ihr drittes Album THE FINAL COUNTDOWN veröffentlichten, ahnte niemand, dass diese Platte nicht nur die Karriere der Band, sondern gleich die gesamte Pop-Kultur prägen würde. Vier Jahrzehnte später ist der Titel-Song immer noch ein globaler Rausschmeißer, ein Meme‑Motor, ein Stadion‑Soundtrack und ein Stück Musikgeschichte, das sich weigert, in Würde zu altern. Doch das Album ist weit mehr als sein ikonisches Intro – auch wenn dieses Intro natürlich erst mal augenscheinlich alles in den Schatten stellt.

Ein Album zwischen vier Studios und einem empfindlichen Magen

Die Aufnahmen fanden in Zürich, Stockholm, Atlanta und Berkeley statt. Der Grund für diesen geografischen Zickzackkurs war weniger glamourös, als man denken könnte: Sänger Joey Tempest vertrug das Brot nicht, das ihm in einem der Studios serviert wurde, und fiel zeitweise aus. Die Band musste umplanen, ausweichen und improvisieren – und trotzdem entstand ein Album, das wie aus einem Guss wirkt.

Produzent Kevin Elson, bekannt durch seine Arbeit mit Lynyrd Skynyrd und Journey, setzte sich schließlich gegen andere große Namen wie Dieter Dierks und Bruce Fairbairn durch. Eine gute Wahl, denn Elson verstand es, die Mischung aus Hard Rock, Pop‑Sensibilität und bombastischen Keyboards in einen druckvollen, stimmigen Sound zu verwandeln.

Neue Gesichter, alte Spannungen

THE FINAL COUNTDOWN war das erste Album mit Keyboarder Mic Michaeli und Drummer Ian Haugland. Gleichzeitig war es das letzte Werk mit Gitarrist und Gründungsmitglied John Norum, der die Band nach der Tournee verließ. Norum war mit dem sehr Keyboard-lastigen Mix unzufrieden – ein Standpunkt, den Nichtgitarristen vermutlich weniger teilen. Für sie klingt das Album schlicht voll, rund und perfekt ausbalanciert. Das war jedoch nicht der Grund für seinen Ausstieg, vielmehr krachte es zwischen ihm und dem Manager der Band. Norum kehrte erst 2004 für START FROM THE DARK zurück, doch sein Spiel prägt THE FINAL COUNTDOWN bis heute.

Fünf Singles, ein Welt-Hit und ein paar Überraschungen

Der Titel-Song war ursprünglich gar nicht als Single gedacht. Tempest wollte ihn als bombastischen Konzert‑Opener nutzen, doch das Label bestand auf eine Veröffentlichung – und lag damit goldrichtig. ‘The Final Countdown’ erreichte Platz eins in 25 Ländern, darunter auch Westdeutschland, und wurde zum größten Hit der Band-Geschichte von Europe.

Auch ‘Rock The Night’ wurde ein internationaler Erfolg und erreichte in Schweden Platz vier. Die Songs ‘Rock The Night’, ‘On The Loose’ und ‘Broken Dreams’ waren bereits im Soundtrack des schwedischen Films ‘On The Loose’ (1985) zu hören, bevor sie – teilweise mit neuen Texten – auf dem Album landeten.

Die Ballade ‘Carrie’ entstand ursprünglich nur für Gesang und Keyboard und wurde 1985 auch so live gespielt. Für das Album bekam sie jedoch ein volles Band‑Arrangement und wurde zu einer kraftvollen Power-Ballade.

Ein Riff, das die Welt eroberte

Das berühmte Keyboard‑Riff von ‘The Final Countdown’ entstand bereits 1981 oder 1982 und schlummerte jahrelang in Tempests Schublade. Bassist John Levén überzeugte ihn schließlich, es hervorzuholen. Michaeli kombinierte einen knarzigen Sound aus dem Roland JX‑8P mit einem voreingestellten eines Yamaha‑Pianos – und schuf damit einen der ikonischsten Synth‑Sounds der Musikgeschichte. Der Text des Lieds basiert lose auf David Bowies ‘Space Oddity’, was die kosmische Atmosphäre des Songs erklärt.

Ein Album, das von Anfang an durchstartete

THE FINAL COUNTDOWN erreichte Platz 8 der US‑Billboard‑Charts und Platz 6 in Deutschland. Hierzulande gab es Goldstatus für 250.000 verkaufte Exemplare. In den USA wurde das Album 1994 sogar zum dritten Mal Platin verliehen. Acht der zehn Songs tauchten später im Film ‘Hot Rod – Mit Vollgas durch die Hölle’ (2007) auf – ein weiterer Beweis dafür, wie tief dieses Werk in der Pop-Kultur verankert ist. Die Tournee zum Album begann kurioserweise bereits einen Monat vor Veröffentlichung, weil das Coverartwork noch nicht fertig war. Während dieser Tournee kam es gegen Ende zu Spannungen, die schließlich zum Ausstieg von John Norum führten. Kee Marcello übernahm seinen Platz.

Ein Werk, das immer wiederkehrt

2001 erschien eine Neuauflage des Albums von Sony mit Bonusmaterial, 2019 folgte eine weitere von Rock Candy Records. Doch egal, wie viele Reissues es gibt – THE FINAL COUNTDOWN bleibt ein zeitloses Monument der Achtziger. Der Titel-Song ist längst mehr als ein Hit. Er ist ein kulturelles Phänomen, ein Running Gag, ein Stadionchor, ein Soundtrack für Abschiede, Anfänge und alles dazwischen. Europe sind durch ihn unsterblich geworden.

THE FINAL COUNTDOWN ist zu Recht der Durchbruch von Europe. Es bietet alles: hymnischen Hard Rock, gefühlvolle Balladen, eingängige Melodien und eine Produktion, die auch 40 Jahre später noch strahlt. Es ist ein Album, das man nicht nur hört, sondern erlebt – und das sich seinen Platz in der Musikgeschichte redlich verdient hat.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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