Live bei: Nickelback + Daughtry

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Das fast Beste an Nickelback ist ja die Art und Weise, wie der Rest der Welt darauf reagiert. Man DARF diese Band nicht gut finden!

Was natürlich exakt der beste Grund ist, es zu tun.

Vorausgesetzt, man hat ein Ohr für extrem gut gemachte, gefällige Rockmusik. Die muss zugegeben wirklich nicht jedem gefallen, selbst wenn es der Szene-Polizei selten um die Musik an sich geht. Von diesen Völkern finden sich erwartungsgemäß jedoch wenige Vertreter in der Riesenhalle in Hamburg, die die kanadische Band fast, aber eben nicht ganz vollbekommen hat.

Natürlich läuft hier wenig, sagen wir mal, Party-San-Klientel herum, aber überraschenderweise sehen die Zuschauer grob überschlagen wie ein besser situiertes AC/DC-Publikum aus, weniger wie die Ed Hardy-Fraktion, die Scorpions-Großveranstaltungen mit sich voll macht. Das wirkte auch schon mal anders.

Den Anfang der Festivitäten bestreitet der amerikanische Radio-Rocker Daughtry, und hier kann man tatsächlich die Meckerpunkte anführen, die bezüglich Nickelback immer auftauchen: zu glatt, zu kantenlos, zu austauschbar. Gut ist er, der Herr, aber die Songs sind es nicht.

Dafür stimmt die anschließende Zwischenmusik aus der PA: ‘Back In Black‘, ‘Holy Diver’, ‘Pour Some Sugar On Me’… so kann man arbeiten. Als das Licht ausgeht, dröhnt noch einmal ‘Walk’ durch die Boxen, und Bumm!, stehen Nickelback auf der Bühne. Der erste Song ‘This Means War’ klingt nicht weniger mächtig als die Pantera-Vorlage. Was ein Brett! Das sind Metal-Riffs, keine Frage, aber der Song ist ja auch keine Radiosingle.

Chad Kroeger sieht dabei mit seinen mittlerweile kurzen blonden Haaren, schwarzem Shirt und Explorer-Klampfe aus wie Klein-Hetfield und singt erstklassig. Die Produktion fällt üppig aus: Licht, Sound, Monitore im Hintergrund – alles vom Feinsten. ‘Something In Your Mouth’ und ‘Never Again’ folgen, und der Laden rockt. Fett, fett, fett. Uncool und zu weich? Ach was.

Die Band hat sichtlich Spaß am Job, macht Witze und trinkt Bier bzw. verschenkt es ans Publikum. Warum auch nicht? Alleine die Menge an sündhaft teuren Gitarren, die Kroeger und Ryan Peake sich hier durch die Finger gehen lassen, würde jedem Musikerkollegen ein debiles Freudengrinsen ins Gesicht treiben.

Natürlich stehen auch Balladen auf dem Programm. ‘Photograph’ ist die erste und zeigt, dass Onkel Kroeger vor allem eines gut kann: Songs schreiben. Es folgt ein guter Querschnitt durch das Nickelback-Material, auch alter Stoff (‘Too Bad’) kommt zu Ehren, dazu Hits wie ‘Rockstar’, das ebenso flotte wie ferkelige ‘Animals’ und schmalzige Singles wie ‘Trying Not To Love You’ und ‘Lullaby’. Letztere sind großartige Nummern, aber in diesem Set zu häufig vertreten.

nders formuliert: Die Setlist erweist sich als eine vergleichsweise harmlose Variante. Nix gegen Balladen, aber hier stimmt die Balance nicht. Da gibt der Katalog der vier Millionäre mehr her, von Coverversionen wie ‘Seek & Destroy’ und ‘Cowboys From Hell’ auf den letzten beiden Touren ganz zu schweigen.

Das ändert allerdings nichts daran, dass Nickelback hier eine große Rock-Show durchziehen, mit großen Songs, Singalongs, Späßen, Hits, Publikumsbeteiligung und schlicht Spaß in den Backen. Cool? Drauf geschissen.

Setlist:

This Means War
Something in Your Mouth
Never Again
Photograph
Far Away
Too Bad
Animals
Trying Not to Love You
Rockstar
Someday
Lullaby
When We Stand Together
Drum Solo
Figured You Out
How You Remind Me

Gotta Be Somebody
Burn It To The Ground


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