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Maroon, Bring Me The Horizon Live Bericht

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Die Dutzenden mit Bierdosen bewaffneten Teenies in der U-Bahn – die Haare penibel gestylt, das Outfit möglichst auffällig mit allerlei Karos, Kringeln und Konsorten gepimpt – kündigen es an: Heute ist Metalcore-Nacht in der Arena. Die deutsche Szene-Institution Maroon spielt gemeinsam mit Co-Headliner Bring Me The Horizon und zwei vielversprechenden Newcomern auf, und alles zwischen 13 und 23, was auch nur ansatzweise etwas mit fetten Mosh-Riffs und waghalsigen Circle Pits anfangen kann, scheint auf den Beinen.

Mit gut einer Dreiviertelstunde Verspätung im Zeitplan stürmen die Kanadier von Blessed By A Broken Heart auf die Bretter und jedes weibliche Individuum in unmittelbarer Bühnennähe bricht in Kreischorgien aus. Kein Wunder, ist der durchtrainierte Sänger Tony Gambino doch der fleischgewordene feuchte Traum jedes Mosh-Mädels. Oben ohne wirft sich der Herr in alle möglichen knackigen Posen, schlägt Salti und singt nebenher nette Songs namens ‚Don’t Stop‘, ‚Carry On‘ und ‚Move Your Body‘, während seine Band-Kollegen um die Wette auf dicke Hose machen. Ein bisschen Party Metal, ein wenig Pop, rotzige Shouts – fertig ist der massenkompatible Gute-Laune-Mix. Guter Opener, auf Dauer aber zu seicht.

The Architects sind die Überraschung des Abends. Im Schnitt gerade mal 17 Jahre alt, stecken die Jungspunde aus Brighton, England, in punkto Bühnenpräsenz und Feuer im Arsch so manche alten Hasen in die Tasche. Pausenlos jagen sich Sänger Sam Carter und die Saitenfront gegenseitig über die Bühne, während Drummer Dan Searle die aggressiven, mit progressiven Wechseln und aberwitzigen Melodieläufen gespickten Songs mit viel Wumms vorantreibt. Allein die atemlosen „we love you“-Bekundungen gen Publikum und unbeholfen wirkende Aufforderungen zum Circle Pit lassen das junge Alter der Briten erahnen.

Wie blöde drängen die Leute nach vorn, als Bring Me The Horizon zum Angriff rüsten. Zündstoff wie ‚Medusa‘, ‚For Stevie Wonder’s Eyes Only‘ und Slipknots ‚Eyeless‘ ruft haufenweise Stagediver (die es heute, dank fehlendem Fotograben, besonders einfach haben) auf den Plan – bald wird im Minutentakt von der Bühne gesegelt. Einige Mutige lassen es sich nicht nehmen, vor dem Sprung zurück die Band freundlich zu herzen oder mal kräftig in Oli Sykes‚ Mikro zu röhren.

Bewegungsmäßig stehen die Jungs den gerade abgetretenen The Architects in nichts nach und erhöhen den Zappelfaktor nochmal, indem sie später Mitglieder von Blessed By A Broken Heart auf die Bühne holen und zum Massen-Mosh blasen. Trotzdem: Irgendwie wirkt die Show zu abgespult und einstudiert, so dass der Funke nie komplett überspringen will. Daran ändert auch Olis waghalsige Show-Einlage nichts – er springt volle Lotte in Kollege Matt Nicholls Drumkit.

Deutliche Publikumslücken tun sich in der Umbaupause auf. Viele Besucher haben sich während der ersten drei Acts schon zu sehr verausgabt und streichen die Segel, Maroon haben das Nachsehen.

Nichtsdestotrotz ist immer noch eine ordentliche Zahl an Fans am Start, als der Fünfer mit ’24 Hour Hate’ eröffnet. Das Posing auf den Monitorboxen sitzt, die Haare fliegen, ein fröhlicher Pit zieht bald in den ersten Reihen seine Kreise. Schade nur, dass Maroon mit schwächerem Sound zu kämpfen haben als die vorab spielenden Kollegen, das schmälert den Spaß ein wenig. Markige Granaten vom aktuellen Album THE COLD HEART OF THE SUN (‚Reach The Sun‘, ‚The Iron Council‘, ‚Fear The Most Them Who Protect‘) sowie Abstecher zu WHEN WORLDS COLLIDE und ENDORSED BY HATE treffen trotzdem den Nerv der Verbliebenen, die den Stimmungspegel bis zum letzten Song ‚Wake Up In Hell‘ auf gutem Niveau halten.

Gut, solide, sehenswert. Aber (leider) keine Offenbarung.

Und so sind gegen Mitternacht die Bierdosen leer, die Frisuren zerzaust und der Heimweg genau der richtige Zeitpunkt für die letzten versprengten Teenie-Grüppchen, um in der U-Bahn angeregt über den eben erlebten Gig zu diskuttieren.

Setlist Maroon:

1. Intro/ 24 HourHate
2. The Iron Council
3. (Reach) The Sun
4. Without A Face
5. There Is Something You Will Never Erase
6. Endorsed By Hate
7. The Worlds Havoc
8. Annular Eclipse
9. Fear The Most Them Who Protect
10. Shadow Of The Vengeance
11. Wake Up In Hell

Eine Bildergalerie mit Pics von allen Bands findet ihr weiter oben!

Kathy Schütte

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