Von der letzten Motörhead-Besetzung ist bekanntlich nurmehr Schlagzeuger Mikkey Dee am Leben, welcher seit 2016 bei den Hannoveraner Hard-Rockern Scorpions hinter der Schießbude sitzt. Der Schwede findet es selbst echt schräg, dass seine einstigen Band-Gefährten nicht mehr unter uns weilen. Dies gab der 62-Jährige in einem Interview beim US-amerikanischen Radiosender WRIF zu Protokoll.
Wirklich seltsam
„Wir waren so ein tolles Team“, blickt Mikkey Dee zurück, „ein wirklich einzigartiges Team und eine Familie. Jetzt sind alle drei nicht mehr da: Würzel [Gitarrist Michael Burston — Anm.d.A.], [Bassist/Sänger] Lemmy [Kilmister] und [Gitarrist] Phil [Campbell]. Es ist unfassbar, wenn ich daran zurückdenke, wie viel Spaß wir hatten. Und als Würzel dann ging, war ich sehr traurig – und Lemmy ebenfalls. Er war Lemmys bester Kumpel, aber hatte einfach keine Lust mehr darauf. Das war also ein großer Verlust. Andererseits haben wir uns wieder gefangen und die meiste Zeit über als Trio fantastische Arbeit geleistet. Und jetzt sind sie alle fort. Es ist verdammt seltsam. Wirklich seltsam.“
Des Weiteren sinnierte Mikkey Dee darüber, wie sich Lemmy überhaupt als Rock-Star verhalten und aufgespielt hat. „Ihm war diese ganze Rock-Star-Sache eigentlich völlig egal. In all den Jahren […] war er derjenige, der am wenigsten wie ein Rocker-Klischee wirkte. Und genau das machte ihn so einzigartig. Manchmal konnte ich ihm am Gesicht ablesen, dass er es durchaus genoss, wenn wir — dank unseres Status — gewisse Vorteile herausholen konnten. Aber er hatte immer ein Herz für die kleinen Leute. Er setzte sich ständig für uns ein. Denn oft hieß es: ‚Wir wollen nur Lemmy für diesen Fernsehauftritt oder jenes Interview.‘ Doch er entgegnete dann: ,Nein, wenn nicht die ganze Band dabei ist, mache ich das nicht.‘
Ich erinnere mich auch noch gut daran, wie er sich für mich stark machte, als ich endlich fest in die Band einstieg. Das war nötig, weil es viele eingefleischte Motörhead-Fans gab — besonders in Großbritannien —, die sich fragten: ‚Wer ist dieser Typ? Kommt der etwa von Poison oder Warrant oder so einer Hair-Metal-Band?‘ Sie kannten mich offensichtlich nicht von meiner Zeit bei King Diamond — und Lemmy wusch ihnen daraufhin im Grunde ordentlich den Kopf, nach dem Motto: ‚Ihr habt diesen verdammten Kerl noch nie spielen sehen?‘ Später akzeptierten sie mich dann sofort. Er stand mir jederzeit zur Seite.
Und das Erste, was er zu mir sagte, war: ‚Bei Motörhead müssen wir alle Frontleute sein. Nicht nur ich stehe im Vordergrund — wir alle stehen dort.‘ Er spornte uns stets an, aus dem Hintergrund hervorzutreten. Wir sollten uns auf der Bühne als gleichberechtigte Frontleute präsentieren. Und das ist in dieser Branche, in dieser Welt, eine absolute Seltenheit. Denn je weiter man den Schlagzeuger und den Bassisten in den Bühnenhintergrund verbannen kann, desto besser finden das meisten die Sänger und Gitarristen. Das habe ich jedoch nie hingenommen. Ich nehme mir meinen Platz. Andernfalls spiele ich nicht mit der jeweiligen Band zusammen. Ich bin auch an meinem Schlagzeug ein Frontmann.“
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