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METAL HAMMER: Mortiis, du hast deine Karriere lange in verschiedene Äras unterteilt. Erst Dungeon Synth, dann vermehrt Synth-Pop, später auch Industrial Rock. Wie hast du gemerkt, dass es wieder Zeit war für eine Häutung?
Mortiis: Einen bestimmten Moment gab es nie. Ich denke ständig über Musik nach, entwickle sie weiter. Wenn ich ein Album aufnehme, bin ich gedanklich schon beim nächsten. Das ist Fluch und Segen. Manchmal will ich zum Frühstück eine wirklich schräge und düstere Disco-Platte machen, habe diese Idee bis zum Mittagessen aber schon dreimal verworfen. Am Ende passiert dann doch wieder alles intuitiv. Eine Idee folgt auf die nächste. Das macht mich natürlich zu einem ziemlich schlechten Geschäftsmann.
MH: Warum?
M: Na ja, man ändert auch den Geschmack von Coca-Cola nicht. (lacht) Aber ich kann nicht anders. Meine kreativen Ideen standen immer über wirtschaftlichen Absichten. Ich erlaube mir, mich in einem ständigen Zustand der Veränderung zu befinden. Das habe ich in unserem kleinen Kreis in den Neunzigern gelernt. Mal ehrlich, damals hat doch niemand in der frühen Black Metal-Szene gedacht, damit Geld zu verdienen. Es ging immer um Leidenschaft.
MH: Wie stehst du heute zu dieser Szene? Fühlst du dich ihr immer noch verbunden? Oder musstest du dich damals regelrecht aus ihr befreien?
M: Ich bin mir sehr bewusst, wo ich herkomme, und dass mich viele Leute nur aufgrund meiner Anfänge bei Emperor kennen. Aber ich hatte schon damals nicht das Gefühl, dazuzugehören. Das reicht bis in meine Kindheit zurück: Ich wurde schon im Kindergarten ausgegrenzt, weil niemand mit mir spielen wollte. Ich bin darauf programmiert, ein Außenseiter zu sein. Vielleicht war das für den weiteren Verlauf meiner Karriere hilfreich, weil ich bis heute nirgendwo dazugehöre, mir das aber mittlerweile egal ist.
Ich mache mein eigenes Ding. Aber klar, ich hatte auch jahrzehntelang Zeit, darüber nachzudenken – liegt es an mir oder an den anderen? Ich weiß es bis heute nicht. Aber mein Herz flüstert mir, dass es die anderen sind. Doch der Sound des frühen Black Metal hat natürlich noch einen Einfluss auf mich. Uns ging es damals um eine ganz bestimmte Atmosphäre, ein Gefühl der Isolation. Wir wollten die Kälte vertonen. Das prägt einen schon.
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