Am 3. Juli erschien das neueste Moonspell-Werk FAR FROM GOD. Im Interview mit Jaimunji aus Australien erklärt Frontmann Fernando Ribeiro, wie es zu dem Albumtitel kam und was die Idee dahinter war. Außerdem erläutert der Sänger seinen Blick auf das Konzept Gott.
Nietzsche
„Es hat eine Weile gebraucht, bis ich da war. Ich hatte viele Titelideen und wusste deswegen nicht, wohin damit. Eines Tages schnappte ich diese drei Worte auf, tat sie zusammen und fand sie sehr eindrücklich. Dann überlegte ich, was mich inspiriert. Ich habe vor vielen Jahren an der Universität Lissabon Philosophie studiert. Damals gab es für mich und für alle anderen auch einen sehr wichtigen Philosophen: Friedrich Nietzsche.
Ich hatte die Chance und das Privileg, ihn genauer zu studieren. Nietzsche ist für viele sehr attraktiv, weil er ‚Gott ist tot‘ und ‚Übermensch‘ geprägt hat, aber zwischen den Zeilen ist noch viel mehr. Er studierte Muttersprache, Sprachen, Altgriechisch, und in seinen Arbeiten bezog er sich wieder auf ursprüngliche Bedeutungen von Worten. Die offensichtliche Schlussfolgerung ist, dass wir sehr weit entfernt von den ursprünglichen Konzepten von Liebe, Tugend, Güte und so weiter sind. In seinem Jahrhundert sagte er also praktisch die Zukunft voraus, weil wir uns heute genau an diesem Punkt befinden“, meint Ribeiro.
Gott und die Welt
Er nutzt diesen philosophischen Ansatz, um Kritik zu äußern. Er erklärt: „FAR FROM GOD ist eine Metapher für Distanz. Gott ist ein großes Wort, weil jede zweite Band in der Metal-Szene sich dazu auf verschiedene Weise äußert, ob man das nun gut findet, oder nicht. Behemoths Nergal kritisiert es und verbrennt die Bibel. Ich versuche es zu verstehen und die Bibel zu lesen, um den Konflikt zwischen Gott und Mensch zu verstehen.
Es ist ein bisschen wie The Clashs ‘Should I Stay Or Should I Go’. In welche Richtung beeinflusst uns dieses große Konzept? Letztendlich sprechen wir beide über Gott, und allein das beweist schon, wie wichtig dieser Titel ist. Dennoch ist es auch eine Art verhüllte Kritik an monotheistischen Religionen dieser Zeit. Diese Religionen sind weit von Gott entfernt“, führt der Sänger aus.
„Wenn man sich die Mühe macht, die originalen Lehren und Intentionen des Islam, Christentums oder Judentums zu lesen, versteht man, dass sie versuchen, den Menschen zu bessern. Aber der Mensch hat daraus ein Chaos veranstaltet. Wir haben Terrorismus, Besetzungen und ‚Präsidentschaftsevangelisten‘. Wir haben diese explosive Mischung aus Religion und Politik. FAR FROM GOD bedient also viele Perspektiven, aber im Kern behandelt er die Distanz, die wir zwischen einander bringen“, philosophiert Ribeiro.
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