Es bedarf schon hoher Kunst, Musik nostalgisch und zugleich modern klingen zu lassen. Die portugiesischen Maestros Moonspell schaffen es mit ihrem 13. Studiowerk, gekonnt den Bogen von den Anfängen in den Neunzigern bis heute zu schlagen. Hier und da wird FAR FROM GOD sogar als „das IRRELIGIOUS des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Die Formel geht also auch 30 Jahre später noch auf. ‘Cross Your Heart’ eröffnet die Platte und schwankt zwischen erhebenden Momenten und einer gewissen Zerbrechlichkeit. Die leicht kratzigen Gitarrenklänge harmonieren ausgezeichnet mit den klaren Synthesizern und Fernando Ribeiros ebenso klarem wie tiefem Organ. Die Titelnummer scheint nicht umsonst als solche erwählt worden zu sein, schließlich gibt sie die stilistische Richtung für das restliche Album vor. Hier und auch in ‘For The Love Of Mortals’ schwingt eine Art morbide Romantik mit – wenngleich mit keiner Silbe Vampire erwähnt werden, scheint dieses Thema doch unausweichlich. Indes baut sich ‘Biblical’ allmählich auf: Beginnend mit der Rhythmusfraktion, die von Synthesizern hinterlegt wird, findet die Gitarre zunächst nur subtilen Einsatz – gleiches gilt für Ribeiros Gesang. Dieser wechselt insgesamt scheinbar spielerisch zwischen sanft hauchend, intensiver Klarheit und druckvoll schreiend (wie in ‘Our Freedom To Fall’). Was stereotypisch wirkt, nutzen Moonspell schlichtweg als Sinnbilder der zu transportierenden Emotionen. All das macht FAR FROM GOD zu einem aufrichtigen und authentischen Werk, das trotz metallischer Schwere (vor allem gegen Ende) eine unverwechselbare Schönheit in sich birgt.
FAR FROM GOD scheint das „klassischste“ Moonspell-Werk seit Langem zu sein. Das 13. Album klingt beinahe wie ein unveröffentlichtes Fundstück aus den Neunziger Jahren – nur mit zeitgemäßer Produktion und musikalisch sowie songwriterisch gereiftem Feinschliff. Ein guter Teil der Songs hat das Potenzial zum Dark- und Gothic Metal-Klassiker (man höre ’The Great Wolf In The Sky’ und ‘Cross Your Heart’) – den Preis einer gewissen Gleichförmigkeit zahlt man da gerne. Sebastian Kessler (5,5 Punkte)
Moonspell bringen die Daseinskrise auf den Punkt, die viele Kreative aktuell angesichts der Entwertung von Kunst sowie der wenig hoffnungsvollen Weltlage empfinden. Ihre Antwort darauf ist FAR FROM GOD, eine Rückbesinnung auf alte Tugenden, die heute fast ein wenig introvertiert wirkt. Das Album mag seine Zeit benötigen, entfaltet dann jedoch tiefgehende Stärke und einige schöne Kniffe. Katrin Riedl (5 Punkte)
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