Oft entsteht der Eindruck, als hätten Bands an Authentizität eingebüßt, um größere Erfolge zu feiern. Alben werden poppiger und weniger experimentierfreudig. Moonspell-Sänger Fernando Ribeiro teilt seine Meinung zu der Thematik im Interview mit Kaoz Talks.
Unabhängigkeit gegen Erfolg
Er reflektiert: „Ich würde nicht sagen, dass es der Großteil der Bands ist, aber einige Gruppen spielen nicht das, was sie wirklich wollen. Das ist nicht wie bei Moonspell, weil es eine klare Agenda gibt und viele Mäuler zu stopfen. Man muss die eigene Unabhängigkeit gegen den Erfolg eintauschen.“
Die Musikszene ist außerdem im stetigen Wandel. Ribeiro erzählt: „Es passiert aktuell viel. Ich habe mir neulich sogar Metalcore angehört. Es ist nicht meins, aber ich wollte verstehen, was die Leute daran finden. Das, was mich an Bathory oder Celtic Frost interessiert hat, zieht nun jüngere Kids zu dieser Musik hin. Man muss respektieren, dass sie dieselben Gefühle und lebensverändernden Erfahrungen mit Lorna Shore oder Heaven Shall Burn machen. Ich versuche immer wieder, mich da einzuklinken und es zu verstehen.“
Spielregeln
Vor allem im Metal wird Kritik schnell laut, wenn Bands vom Stil ihrer Erfolgsalben abweichen. Moonspell selbst haben wegen ihrer experimentellen Natur immer wieder damit zu kämpfen. Dazu meint Ribeiro: „Ich beschwere mich nicht darüber, weil es ein Spiel ist, dessen Regeln ich akzeptiert habe. Diesen Pakt habe ich unterschrieben, aber manchmal finde ich, geht es zu weit. Wir machen schließlich keinen Hip-Hop oder Disco-Musik, und lassen uns in Magazinen und Foren zum Affen machen.“
Der Sänger erinnert sich an die Zeit, als Moonspell für ihr Cover von Depeche Modes ‘Sacred’ Kritik ernteten, und sowohl Lacuna Coil als auch In Flames mit ihren Depeche Mode-Hommagen keine Probleme gehabt haben sollen. Er sagt: „Das hinterlässt Narben, aber von Narben lernt man besser als von einem Schulterklopfen.“
Der Frontmann beschließt: „Moonspell sind eine sehr unabhängige Band. Bei allem Respekt, aber ich muss nicht jedes Mal ein Album über Vampire oder Krieg oder Wikinger schreiben, und das weiß ich sehr zu schätzen. Vielleicht fahre ich deswegen auch ein kleineres Auto – aber wenigstens spiele ich, was ich will.“
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