Montreal in Kanada ist reich an sehr eigen klingenden Bands wie Voïvod, Godspeed You! Black Emperor, Fly Pan Am, Cryptopsy, Gorguts – und Big|Brave. Mit ihrem zehnten Album gehen sie den Weg von A CHAOS OF FLOWERS weiter: mit dekonstruierten Gitarren, aber fragilem Gesang. Das elektroakustische Signal wird maximal zerknetet, die Schichtung verzerrter Gitarren-Sounds auf die Spitze getrieben. Statt Schlagzeug hört man nun Tour-Bassist Liam Andrews auch im Studio. Und während Sänger:in Robin Wattie von der Monumentalität ihrer Band früher getrieben wirkte, scheint sie heute zu gleiten – eine schmerzhaft schöne Präsenz, die über Scherben schwebt. ‘What May Be The Kindest Way To Leave’ zeigt, wie gut sie sich mit archaischem Bluegrass auskennt, die Gitarren und Effekte könnten hingegen von Sunn O))) sein. Sie hört lieber Komponisten wie Steve Reich und John Cage, den Jazz von Alice Coltrane und Country-Sängerinnen wie Dolly Parton oder Loretta Lynn als die üblichen Hard’n’Heavy-Gymnasten – was sich im Sound von Big|Brave widerspiegelt. Der Klang der Instrumente ist porös bis zum Zerfall (‘A Shape Of Shame’, ‘In Grief Or In Hope’), industriell repetitiv (‘Verdure’) oder glasklar und simpel (‘Holding Tongue’). Song-Strukturen? Ah bah, warum auch. Großartig produziert von Seth Manchester, mal wieder.
***
Du willst METAL HAMMER lesen, aber kein Abo abschließen? Kein Problem! Die aktuelle Ausgabe portofrei nach Hause bestellen: www.metal-hammer.de/heftbestellung
***
