Riff-Meister, der: Gitarrist der Rock- und Metal-Musik, der durch markante, tragfähige und stilbildende Riffs über einen längeren Zeitraum das klangliche Fundament harter Musik nachhaltig prägt. Sollte es jemals zu solch einem Duden-Eintrag kommen, stünde der Name Jeffrey Phillip Wielandt alias Zakk Wylde dort ebenso als Beispiel für eine identitätsstiftende Gitarrentradition wie sie auch von unter anderem Tony Iommi, James Hetfield, Jeff Hanneman, Dimebag Darrell oder Angus Young verkörpert wurde beziehungsweise wird. Seit seinem Einstieg bei Ozzy Osbourne Ende der Achtziger beweist Wylde, dass er nicht nur schnelle Läufe und kreischende Harmonien beherrscht, sondern vor allem auch massive, Song-tragende Riffs schreiben kann.
Mit Pride & Glory öffnete er 1994 das Klangbild in Richtung Southern Rock. Hier verband er metallische Härte mit Gospel- und Blues-Einflüssen, ohne an Durchschlagskraft zu verlieren. All diese Elemente flossen Ende der Neunziger in das betörende Gebräu der Black Label Society. Und auch 2026 liefert der 59-jährige Gitarrist aus New Jersey nur den guten Stoff. Mit ENGINES OF DEMOLITION verarbeitet Wylde musikalisch laut eigener Aussage „die größten Erfolge und tiefsten Tiefpunkte der letzten vier Jahre.“ Der Opener ‘Name In Blood’ ist eine knietiefe Verbeugung vor Black Sabbath und AC/DC. In diesen unablässig schwingenden Iommi-Härtegraden sind auch ‘The Hand Of Tomorrows Grave’, ‘Broken And Blind’ und ‘The Gallows’ unterwegs, während die dröhnend groovenden ‘Gatherer Of Souls’ und ‘The Stranger’ auf jedem Metallica-Album nach 1988 einen Platz gefunden hätten.
Wylde gewährt aber auch Verschnaufpausen zwischen dem Riff-Feuerwerk und präsentiert mit ‘Better Days & Wiser Times’ und ‘Back To Me’ lässige Lynyrd Skynyrd-Lagerfeueratmosphäre (alternativ empfiehlt sich ein Glas Whiskey auf der Holzveranda). ‘Above & Below’ würde mit seinem dynamischen Aufbau auch Ozzy am Mikro gefallen. Der 2025 verstorbenen Vaterfigur ist auch der Abschluss des Albums gewidmet: ‘Ozzy’s Song’ ist eine fünfeinhalbminütige, innige Umarmung auf dem Weg in den Rock-Olymp. Zakk Wylde liefert mit diesem Album einen weiteren Beweis seines Könnens – als Songwriter, dessen Kompositionen weniger auf virtuose Verzierung als rhythmische Autorität, hohen Wiedererkennungswert und Song-tragende Kraft ausgerichtet sind. Wylde ist damit nicht nur einer der versiertesten Gitarristen unserer Zeit – er ist ein Riff-Meister im klassischen Sinn. Einer, der Mauern aus Klang errichtet, an denen sich Generationen von Metal-Fans die Köpfe wundstoßen. So auch mit der Machtdemonstration ENGINES OF DEMOLITION, einer Art Lehrbuch für die reine Riff-Lehre.
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