Failure aus Los Angeles, Kalifornien sind nach über 30 Jahren in Europa immer noch ein Geheimtipp. Mit dem siebten Album LOCATION LOST liefert das Trio aus dem Tool-Freundeskreis keinen bequemen Rückblick, sondern eine bewusst suchende Momentaufnahme – genau das lieben Fans an dieser Band. LOCATION LOST ist in der Gänze fragmentierter, roher und zugleich offener als der Vorgänger WILD TYPE DROID (2021). Statt massiver Klangwände dominieren diesmal Kontraste: treibende, wirbelnde Riffs treffen auf ungewohnt fragile Passagen, die sonst vorherrschende dichte Atmosphäre wird immer wieder durchbrochen, um die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Speziell diese Uneinheitlichkeit wird zur Stärke. Songs wie ‘Solid State’ oder ‘Location Lost’ knüpfen an die Schwere von MAGNIFIED (1994) und FANTASTIC PLANET (1996) an, während ‘Moonlight Understands’ oder ‘Someday Soon’ fast entrückt und leichtfüßig wirken. Der Einfluss von Ken Andrews’ gesundheitlicher Krise ist spürbar – besonders im beklemmenden ‘The Air’s On Fire’, das emotional zu den intensiveren Momenten der Band zählt. Überraschend zugänglich gerät ‘The Rising Skyline’ mit Langzeit-Fan Hayley Williams (Paramore), das melancholische Wärme in das ansonsten oft sperrige Klangbild bringt. Insgesamt klingt LOCATION LOST weniger kohärent, aber mutig, verletzlich und voller Reibung. Failure bleiben damit eine Band, die lieber Risiken eingeht, als sich selbst zu kopieren. Hut ab!
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