Metal aus Japan darf, ja, soll seinen eigenen Geschmack haben. Überdreht wie Babymetal, verworren wie Boris, heftig wie Hanabie. – aber auch traditionell rockend wie Loudness. Lovebites fallen eher in letztere Kategorie, haben sich mit ganzem Herzen dem Power Metal verschrieben und punkten damit auf instrumentaler Ebene auch absolut. Doublebass, schillernde Riffs, große Soli zwischen Prog-Anleihen und Höchstgeschwindigkeit, überbordendes Pathos: Fans von Gamma Ray über Edguy bis Dragonforce werden – trotz dumpfer Produktion – vor Freude jauchzen. Wenn nur der Gesang nicht so weit hinter dem Rest zurückfallen würde! Die fünf Japanerinnen sprinten derart durch ihr fünftes Album, dass Sängerin Asami teils kaum hinterherzukommen scheint. Ihre leicht heisere Stimme kann sich im wilden Drumherum oft nicht behaupten. So löst der Refrain des rasenden ‘Silence The Void’ nicht ein, was die aufpeitschenden Strophen versprechen und hebt ‘Blazing Halo’ trotz pumpendem Bass-Synthie-Duell nicht vollständig ab. Das reduzierte Klangkorsett des kernigen Heavy-Rockers ‘Out Of Control’ steht Asami besser; ihren optimalen Wirkungsbereich finden Lovebites im zugleich hymnischen wie galoppierenden ‘The Eve Of Change’ und der pompösen Ballade ‘Eternally’. ‘Reaper’s Lullaby’ macht mit Thrash-Riffs, Gangshouts und Hochgeschwindigkeitsgitarrensolo jede Menge Spaß – schade, dass das Niveau nicht über das gesamte Album gehalten werden kann. Gut denkbar, dass der Funke live überspringt.
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