Mit ihrem Erstling TALES OF OTHERTIME (2021) mauserten sich Stormkeep zu einer der vielversprechendsten Bands im Melodic Black Metal. Die in Zaubererkutten gehüllten Musiker balancieren zwischen optischem Klischeeklamauk, Dungeon Synth und pechschwarzem Meisterhandwerk à la Dissection oder Sacramentum und schraubten die Erwartungen an den Nachfolger THE NOCTURNES OF ISWYLM entsprechend hoch – doch erfüllen sie nur bedingt. Stattdessen dominieren bei der Band aus Colorado nun Power Metal- und Thrash Metal-Einsprengsel. ‘The Taste Of Immortal Blood’ schielt dabei in Richtung Schunkelpathos, während ‘Saccharine Subjugation’ stärker im melodischen Black Metal alter Tage verwurzelt ist. Zuweilen greifen diese Elemente überzeugend ineinander, etwa in ‘Carnal Tapestries Of Nailtorn Flesh’, das mit epischer Riff-Arbeit und Klargesang brilliert. Das gibt Stormkeep zwar eine neue Dimension, doch während die Band einst Dungeon Synth-Elemente, schwarze Atmosphäre und stringentes Songwriting konsequent verband, steht nun die Genre-Öffnung um ihrer selbst willen im Fokus. Das macht THE NOCTURNES OF ISWYLM zu einem deutlich abwechslungsreicheren Album, dem es allerdings ebenso gut gelingt, Fans der frühen Tage vor den Kopf zu stoßen. Der Flirt mit Zugänglichkeit ist Black Metal keinesfalls fremd – verbrannt haben sich daran jedoch schon viele, die ihn konsequent weitergingen. Und die Unberechenbarkeit von Stormkeep lässt vermuten, dass dieser Pfad zu offensichtlich ist, um ihn zu beschreiten.
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