PURPUR ist kein Album für den schnellen Konsum, sondern ein langsam mahlender Organismus aus Druck, Wiederholung und subtiler Eskalation. Dieses Album hinterlässt Spuren – und zwar Bissmarken. Mit PURPUR gelingt Zahn ein souveräner, fokussierter Schritt nach vorn. Das Berliner Trio bündelt massive Rhythmusstrukturen, elektronische Schattierungen und eine stetig schwelende Spannung zu einem dichten Klangkörper, der weniger auf Kontraste als auf nachhaltige Wirkung setzt. Statt Effekthascherei dominiert Kontrolle – und genau darin liegt die Stärke des Albums. Die Vorab-Single ‘Solex’ gab bereits die Marschrichtung vor und dient als programmatisches Kernstück: ein unbeugsamer Puls, minimalistisch geschichtet, warm und zugleich körperlich. Zahn verstehen es, aus Reduktion Intensität zu erzeugen. Im Vergleich zu ADRIA (2023) wirkt PURPUR kompakter und entschlossener, stärker in sich gekehrt und klanglich tiefer ausgearbeitet. Elektronische und rockige Elemente greifen präzise ineinander und formen eine konsequent drängende Dramaturgie. Die Produktion von Peter Voigtmann (The Ocean) fängt diese Schwere klar und direkt ein, während Magnus Lindbergs Mix dem Album Tiefe und Schub verleiht. Die zusätzlichen Stimmen von Fabian Bremer (Aua, Radare) und Kjetil Nernes (Årabrot) erweitern das Spektrum subtil und verstärken die latent bedrohliche Atmosphäre, ohne den Fluss zu stören. PURPUR ist kein Album für schnelle Höhepunkte, sondern ein langfristig wirkender Spannungszustand. Als Kritiker mit dem Nachnamen Zahn hätte ich mir kaum eine passendere Platte wünschen können – sie packt zu, hält fest und lässt erst los, wenn sie alles gesagt hat.
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