Zeal & Ardor GREIF

Experimental Metal, Redacted/The Orchard (14 Songs / VÖ: 23.8.)

6/ 7
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Wer Zeal & Ardor – die schweizerische Band um Songwriter Manuel Gagneux – 2017 mit ihrem Debüt DEVIL IS FINE kennenlernte, hatte das Gefühl, etwas Historischem beizuwohnen. Der Mix aus Gospel und Schwarzer Musik aus dem Süden der USA mit fauchendem Black Metal war der Missing Link: Da illustrierte jemand, was an einer Kreuzung in Clarksdale, Mississippi geschah, als Robert Johnson dem Teufel seine Seele verkaufte. Wobei der Teufel immer nur eine Chiffre für ein Aus-sich-Herauswachsen war, für Aspirationen jenseits dessen, was die Norm einem zubilligt. Zeal & Ardor sprengen diesen Rahmen auch jetzt wieder. Zu den Gospel- und Black Metal-Elementen treten Anteile aus Post- und Prog Rock, alles mit schönster Irreverenz und innerer Stimmigkeit.

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So verwirrte schon ‘To My Ilk’, die erste Vorab-Single zu GREIF, mit ihrem poetischen Singer/Songwriter-Touch, und so geht es weiter auf der Achterbahn der Erwartungen. Zwar hebt immer wieder die alte Call & Response-Ästhetik ihr Haupt (‘Hide In Shade’, ‘Go Home My Friend’, ‘369’), aber alles ist eingebettet in einen neuen, saftigen Flow – nirgends Abnutzungserscheinungen, alles frisch, hungrig, organisch. Die Band hat das Album in Sextettbesetzung gemeinsam erarbeitet, statt wie früher „nur“ Manuels Entwürfe umzusetzen. Anspieltipps: die brüchige Moritat ‘Solace’, diskrete Neunziger-Reminiszenzen in ‘Disease’ und ‘Thrill’, die harmonischen Reibereien von ‘Kilonova’ – alles gekrönt von diesem unglaublich krispen Sound, selbst bei Brechern wie ‘Clawing Out’. Chapeau, die Herren!


Zugegeben: Wer die Schweizer mit dem Meisterwerk ZEAL & ARDOR (2022) lieben gelernt hat, wird sich auf GREIF erst einlassen müssen. Es ist gesetzter, mit weniger Black Metal und Gospel, und dadurch schwergängig. An emotionalen Melodien (‘To My Ilk’), verspielten Details (Basler Trommeln im Intro sowie ‘Hide In Shade’, das abgedrehte ‘Sugarcoat’) und Hits (‘Thrill’ ist ein genialer Rock-Song) mangelt es jedoch nicht. Ungewohnt, aber hörenswert. Annika Eichstädt (5 Punkte)

Das erste im Band-Verbund entstandene Album präsentiert Zeal & Ardor noch mehr als stilistischen Schmelztiegel, der über die Fusion von Black Metal und afroamerikanischer Musik inzwischen weit hinausgeht und auch Alternative- oder Art Rock-Elemente inkorporiert. Vom kreativen und kompositorischen Duktus her dem künstlerischen Schaffen von Trent Reznor oder Mike Patton nicht unähnlich, richtet sich das zuweilen überraschend leisetretende Werk an eine eklektische, Genre-offene Hörerschaft. Frank Thiessies (5,5 Punkte)

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