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Savatage: 25 Jahre POETS AND MADMEN

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POETS AND MADMEN wird 25. Das elfte Album von Savatage steht heute irgendwo zwischen unterschätztem Spätwerk und symptomatischem Endpunkt einer Band, die 2001 in alle Richtungen gleichzeitig zog. Es ist weder das große Comeback alter Härte noch der visionäre Abschluss der Savatage-Konzeptphase. Es ist jedoch auch weit davon entfernt, ein missglückter Schwanengesang zu sein. POETS AND MADMEN ist ein Album, das seine Stärken und Schwächen offen trägt – und gerade dadurch interessant bleibt.

Zwischen Konzept und Chaos

Die Grundlage des Albums – das Leben und der Suizid des südafrikanischen Fotojournalisten Kevin Carter – ist stark, relevant und emotional aufgeladen. Carter, dessen Pulitzer-Foto ‘The Vulture And The Little Girl’ die Hungersnot im Sudan 1993 dokumentierte, zerbrach an den Erlebnissen und nahm sich nur wenige Monate nach der Preisverleihung das Leben. Savatage griffen diese Geschichte auf, aber nicht mit der erzählerischen Stringenz früherer Konzeptalben wie DEAD WINTER DEAD (1995) oder THE WAKE OF MAGELLAN (1997). Stattdessen drehen sich die Texte immer wieder rund um Carter. Es wurden jedoch auch viele fiktive Elemente ergänzt, die teilweise nur lose zusammenhängen.

Statt einer klaren Dramaturgie bekommt man ein atmosphärisches, manchmal sprunghaftes Album, das Carters innere Zerrissenheit eher fühlbar macht als nachvollziehbar erzählt. Das funktioniert in einigen Momenten hervorragend, in anderen wirkt es jedoch etwas unfokussiert.

Jon Oliva zurück am Mikro

Mit Jon Oliva kehrt erstmals seit STREETS – A ROCK OPERA (1991) der Originalsänger vollständig ans Mikro zurück. Der Grund ist pragmatisch: Zachary Stevens stieg 2001 aus familiären Gründen aus. Olivas Stimme ist rauer, brüchiger, weniger kontrolliert als in den Achtzigern, aber genau das passt gut zur düsteren Grundstimmung. Es ist keine makellose Performance, aber eine, die dem Album Charakter verleiht.

Gitarrenarbeit zwischen Notlösung und Neuausrichtung

Das Überlaufen von Gitarrist Al Pitrelli zu Megadeth zwang den zweiten Saitenkünstler Chris Caffery dazu, die Gitarrenarbeit fast im Alleingang zu stemmen. Das Ergebnis ist ein Sound, der direkter und weniger verspielt wirkt. Caffery liefert solide Soli, manchmal sogar großartige, aber man merkt doch hin und wieder, dass die Band improvisieren musste. Das über zehn Minuten lange ‘Morphine Child’ ist ein gutes Beispiel: episch, ambitioniert, emotional – aber auch ein Stück, das sich stellenweise etwas verliert. Trotzdem bleibt es eines der markantesten Savatage-Stücke überhaupt und ist bis heute ihr längstes Lied.

Das Cover: gewohnt düster

Edgar Jerins lieferte erneut ein Cover, das perfekt zur Stimmung des Albums passt: bedrückend, introspektiv, düster. Es reiht sich nahtlos ein in die Optik von DEAD WINTER DEAD und THE WAKE OF MAGELLAN, die auch von ihm stammen. Der Albumtitel von POETS AND MADMEN ist nicht als Lied zu finden, was sehr Savatage-untypisch ist. Stattdessen stammt der Name aus dem Song ‘Symmetry’ vom Album HANDFUL OF RAIN (1994) – ein schönes Detail für Fans, das zeigt, wie sehr Savatage damals auf ihre eigene Geschichte zurückgriffen.

Rezeption und Realität

Die Band versprach vorab ein härteres Album, das an frühere Zeiten erinnern sollte. Dieses Versprechen erfüllt POETS AND MADMEN nur teilweise. Es ist zwar härter als THE WAKE OF MAGELLAN, aber kein zweites HALL OF THE MOUNTAIN KING (1987).

Die Reaktionen fielen entsprechend gemischt aus: Fans freuten sich über Olivas Rückkehr. Kritiker lobten die Atmosphäre, bemängelten aber die fehlende narrative Klarheit. In Deutschland erreichte das Album den starken Platz 7, die Single ‘Commissar’ Platz 88 der Single-Charts. Solide, aber kein Triumphzug.

Kurz danach folgte eine zwölfjährige Pause, die bis 2014 andauerte. Rückblickend wirkt das Album wie ein Werk, das unter schwierigen Umständen entstand – und genau deshalb so klingt, wie es klingt. Es ist kein makelloses Meisterwerk, aber ein Album mit Haltung. Es zeigt Savatage in einer Phase des Umbruchs – verletzlich, ambitioniert und manchmal überfordert. Es hat starke Songs, mutige Ideen und eine Atmosphäre, die man nicht vergisst.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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