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So war das Wave-Gotik-Treffen Festival 2014 in Leipzig

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>>> Großansicht der Fotos vom Wave-Gotik-Treffen 2014

Kaum erreicht man die Grenzen von Leipzig, färben sich die Straßen mit einem Mal schwarz. Wunderschöne Gestalten, wie aus dem viktorianischen Zeitalter hinterblieben, ziehen durch die Stadt. Sie schleppen ihre weiten Reifröcke und ihre in enge Corsagen und Korsette geschnürten Taillen durch die knallende Sonne und wedeln sich mit Fächern immer wieder Frischluft in die stark geschminkten Gesichter und die kunstvoll hochgesteckten und von skurrilen Hütchen gezierten Haare; zukunftsartige Cyberwesen richten ihre neonbunten, schlauchartigen Outfits und marschieren im Gleichschritt auf hohen, mit Nieten geschmückten Plateau-Absätzen mit der dunkelbunten Kolonne Richtung Heidnisches Dorf. Dort vereinen sie sich mit Wikingern, Rittern, Zombies und anderen Wesen wie aus einer fremden Zeit zu einer großen, feiernden Gesamtheit.

>>> Schirmchen, Rock und Hüte: Noch mehr Fotos vom Wave-Gotik-Treffen 2014

Es ist das Wochenende der Freaks, der Verkleidungskünstler, der Kostümliebhaber und all derer, die sich anders fühlen als der graue Einheitsbrei. Diese Empfindung darf an einem Wochenende im Jahr mit tausenden Gleichgesinnten in geballter Form ausgelebt werden. Vier Tage WGT – das bedeutet vier Tage lang Lack und Leder, laute Konzerte unterschiedlichster Genres in der ganzen Stadt, Parks und Museen voller schwarzer Menschen, rauschende Partys und provokante Fetischveranstaltungen. Die Stadt scheint trotz der Hitze geradezu überzuquellen: Ein Schwall von aufwändig gestylten Besuchern nahezu jedes Alters zieht vom Zeltplatz am agra-Gelände in die Innenstadt, um Bands zu sehen, Freunde zu treffen oder sich einfach nur zu zeigen.

Manch einer arbeitet ein ganzes Jahr lang an seinem Kostüm, um am großen Wochenende im Rampenlicht zu stehen und – schwer genug – aus der Masse der Auffälligkeiten herauszustechen wie die imposante Rote Baronin, eine zarte fliederfarbene Fee mit transparenten Flügeln oder eine Satansbraut mit schwarzen Hörnern, die aus ihrem aufgetürmten weißen Haar ragen. Das Wave Gotik Treffen erweist sich auch in diesem Jahr als Mekka für Fotografen, die meist auf bereitwillig posierende Models treffen und bis zum Ende des Wochenendes ein Sammelsurium der Kuriositäten auf ihren Speicherkarten anhäufen.

Doch nicht nur Schaulaufen ist geboten; Leipzig wiegt sich im Beat der schwarzen Musik. Grundsätzlich werden vor allem Anhänger von New Wave, Electro, Industrial, Rock und Mittalalterklängen bedient, doch auch für Metaller finden sich in diesem Jahr diverse Fixpunkte im Programm: Eine erste Pflichtveranstaltung stellt die beeindruckende „Wagner Reloaded“-Show von Apocalyptica dar, die in der Arena abgehalten wird und die perfekte Vereinigung von Metal und Klassik zelebriert. Freunde depressiver Klänge kommen freitags im Alten Landratsamt in der Nähe des Bahnhofs bei den Franzosen von Alcest voll auf ihre Kosten. Hier durchbrechen einige am Boden liegende, offensichtlich betrunkene Fans zum ersten Mal das schillernde Bild eines friedlichen Festivals, das von der Stadt nicht nur angenommen, sondern sogar gefördert wird.

Anhänger von Mittelalter-Rock vertreiben sich den Tag bei den zahlreichen Konzerten im Heidnischen Dorf und genießen dort bei den Klängen von Zwielicht das ein oder andere kulinarische Schmankerl; am Samstag lockt dazu der Kohlrabizirkus mit seinem metallischem Programm: Lacrimas Profundere lassen die Düsterkeit in Kombination mit harten Riffs und Melancholie aufleben; die grandiosen Newcomer Hamferð von den Färöer Inseln zocken einen so ansprechenden Gig, dass kurz darauf sämtliche Shirts ausverkauft sind; und Orphaned Land betätigen sich in einer stimmungsvollen, von Feuertänzerinnen gesäumten Show einmal mehr als Botschafter des kulturellen Friedens.

Den Höhepunkt des metallischen Samstags stellt aber unbestritten die intensive Darbietung von Primordial dar: Sänger Alan „Nemtheanga“ Averill trinkt auf der Bühne mit großen Schlucken aus einer Rotweinflasche und agiert etwas aggressiver als sonst, hat aber gesanglich einen grandiosen Tag erwischt und zieht das Publikum schnell auf seine Seite. Im kühlen Kohlrabizirkus lässt es sich schließlich nicht nur im Sitzen oder Liegen, sondern vor allem tanzend bestens aushalten. Der draußen aufgestellte kleine Biergarten bietet sich noch für ein letztes Bier an, danach lockt die kultige Moritzbastei mit ihren kühlen, verwinkelten Höhlen und leckeren Getränken, um den Sommerabend ausklingen zu lassen.

Wer an den Folgetagen noch Luft hat und sich nicht zum Black Sabbath-Konzert nach Berlin bewegt, lässt es bei Tarja symphonisch angehen, rockt zum Industrial-Charme von Ost+Front, genießt die schwarzmetallische Seite des Festivals mit Koldbrann, Rotting Christ und Satyricon oder begeht mit Equilibrium im Heavy Chill-Modus den Feiertag. Hier ist nun wirklich für jeden etwas geboten.

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