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METAL HAMMER PODCAST Folge 1 mit Doro Pesch https://www.metal-hammer.de/wp-content/uploads/2020/11/27/09/mh-podcast-beitragsbanner.gif

Sweden Rock 2015: Der Donnerstag

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Das Sweden Rock-Festival ist eines der Highlights des schwedischen Frühsommers.METAL HAMMER war vor Ort und bietet euch einen umfangreichen Bericht von Konzerten unter strahlend blauem Himmel!

Steve ‘n‘ Seagulls

Was könnte am frühen Nachmittag besser auf Touren bringen als eine ordentliche Cover-Mania an Evergreens von Iron Maiden, AC/DC, Metallica Dio und Co.? Richtig, eine Cover-Mania im schrägen Hillbilly-Gewand. Diesen Gefallen tun uns die finnischen Steve’n’Seagulls, die nicht nur Pluspunkte wegen ihres kultigen Namens sammeln, sondern vor allem auch wegen ihrem ursympathischen Auftreten. Egal ob ‘The Trooper’ ‘Seek And Destroy’oder ‘Thunderstruck’ es wird lauthals mitgegrölt und mitgefeiert. war zünden nicht alle Hinterwäldler-Versionen – Rammsteins ‘Ich Will‘ oder Panteras ‘Cemetery Gates‘ etwa wirken doch etwas zu befremdlich – unterm Strich machen Steve’n’Seagulls als Anheizer aber eine richtig gute Figur.

Children of Bodom

Es bleibt weiterhin finnisch mit den mittlerweile auch nicht mehr ganz so kindlichen Kindern vom Bodomsee. Alexi Laiho und seine Mannen von Children Of Bodom präsentieren mit Antti Wirman heute ihren vorläufigen Roope Latvala-Ersatz an der zweiten Gitarre nachdem dieser die Band überraschend verlassen hatte. Lediglich ein kleiner Aufwärm-Gig in Helsinki ein paar Tage zuvor musste dem Bruder von Keyboarder Janne Wirman ausreichen, um für die großen Festivalbühnen gewappnet zu sein. Im Prinzip erledigt er seine Sache ohne großes Aufsehen, auch wenn er ab und an ins kalte Wasser geworfen wird, wie etwa beim Uraltklassiker ‘Lake Bodom’, den Laiho mit einem grinsenden “Let’s see what happens“ ankündigt. Letztlich ist es aber alles eine Frage des Timings und die wird heute von der Truppe im Kollektiv nicht immer positiv beantwortet. Mal hinkt der Gesang hinterher, mal rennt das Schlagzeug davon, hier und da ist der Solo-Einsatz alles andere als optimal. Das sind zwar Kleinigkeiten, die in Summer den Gesamteindruck allerdings doch etwas trüben. In Verbindung mit einer überraschungsarmen Setlist aus Stammplatzhaltern wie ‘Hate Crew Deathroll’, ‘Downfal’ oder ‘In Your Face’ kommen Children of Bodom so leider nicht über ein „befriedigend“ hinaus.

Slash

Danach ist es bereits Zeit für einen der ganz Großen an der Gitarre: Slash featuring Myles Kennedy And The Conspirators bitten zum Tanz. Mittlerweile hat der ehemalige Guns’N’Roses-Axtschwinger eine mehr als beachtliche Palette an eigenen starken Songs (u.a. ‘Anastasia‘, ‘Wicked Stone‘) mit seinen Soloprojekten vorzuweisen, seine Vergangenheit bei einer der bedeutendsten Rockbands aller Zeiten wird er aber wohl nie wirklich abschütteln können. Und das zeigt sich auch am heutigen Tag wieder deutlich. Bei welchem Song geht die Menge zum ersten Mal richtig steil? Bei ‘Nightrain’ natürlich. Bei welchem Intro-Lead ist der Jubel am größten? Die klare Antwort lautet ‘Sweet Child O’Mine‘. Zwischendurch spielt Myles Kennedy noch den mehr oder minder erfolgreichen Heiratsvermittler, nachdem eine Dame aus der ersten Reihe ihn darauf aufmerksam gemacht hat, um die Hand ihres Allerliebsten anhalten zu wollen – Der Glückliche wart zwar ausgerufen aber leider nie gesehen. Mit ‘Paradise City’ – wie könnte es auch anders sein – stellen die Herren Slash und Myles dann am Ende wieder einmal klar, dass sie die besseren Guns’N’Roses sind.

Airbourne

Zu Airbourne muss man eigentlich nicht viel sagen. Die vier Australier geben immer, aber auch wirklich immer 200% auf der Bühne. Einen schlechten Gig wird man von den Herren wohl nie zu sehen bekommen. Dazu gehen die AC/DC-geschwängerten Riffs bei strahlendem Sonnenschein und überdurchschnittlichem Bierdurst auch viel zu sehr in Fleisch und Blut über. Frontmann Joel O’Keeffe versorgt die durstige Menge dabei natürlich nicht nur mit Killer-Songs à la ‘Cheap Wine And Cheaper Women’ oder ‘Blonde, Bad And Beautiful’ sondern auch mit reichlich frischem Gerstensaft aus der Dose. Zum Standard-Festival-Repertoire von Airbourne gehört während ‘Girls In Black‘ selbstredend auch die Klettereinlage von Joel auf eines der Boxengerüste am Bühnenrand, die immer wieder für staunende Gesichter sorgt. Auf Australiens AC/DC-Erben ist definitiv Verlass.

Toto

Eine der großen Überraschungen des Tages sind die US-amerikanischen AOR-Legenden Toto. Nach dem eher durchwachsenen neuen Album XIV und vor allem dem bedauerlichen Tod von Bassist Mike Porcaro, durfte man gespannt sein wie sich die Herren präsentieren würden. Klassiker haben sie zweifellos genug in petto, fraglich war nur ob sie diese auch adäquat ins Jahr 2015 transportieren können. Um es kurz zu machen: Sie können, und wie. Ganze acht Musiker (darunter auch eine Background-Sängerin) stehen auf der Bühne und zelebrieren bei glasklarem Sound Toto at its best. Besonders der bestens aufgelegte Gitarrist Steve Lukather veredelt die Songs nicht nur mit seinen vielen Soli-Einlagen, er teilt sich auch den Gesang mit Bobby Kimball, David Paich und Steve Porcaro. Das sorgt für reichlich Abwechslung, da alle vier stimmlich  absolut auf der Höhe sind. Mit sichtlich Spaß  bei der Sache reiht sich dann auch Hit an Hit. ‘I’ll Supply The Love’ wird gleich als zweites ausgepackt, die wohl bekanntesten Klavier-Triolen folgen mit ‘Hold The Line’nur wenig später. Dabei fällt vor allem auf, wie verblüffend nahe die Songs den jeweiligen Studioaufnahmen kommen – Hut ab. Bei so viel Leidenschaft funktioniert auch ein aktueller Track wie ‘Orphan’ hervorragend. Eine Zehn-Minuten-Version von ‘Africa’ zum Niederknien später kann man Toto eigentlich nur darum bitten, in dieser bestechenden Form noch lange weiterzumachen.

Def Leppard

Eine schwere Aufgabe für Def Leppard also, die den Headliner-Slot auf der großen Festival-Stage am Donnerstag besetzen. Die Engländer nehmen es aber gelassen und feuern ähnlich wie ihre Vorgänger ein Hitfeuerwerk ab, das sich gewaschen hat. Letztlich spielt es nur eine nebensächliche Rolle, welcher Song angestimmt wird, da nahezu jeder Ton bei Def Leppard runtergeht wie Öl. Dazu tragen neben Joe Elliot, der eine unheimliche starke Gesangsleistung abliefert, vorrangig auch das Gentlemen-Gitarrenduo Phil Collen und Vivian Campbell bei. Collen, wie immer fast oberkörperfrei und Campbell in lässiger Lederjacke. Besonders bei Letzterem ist schön zu sehen, wie befreit er nach seinem erfolgreichen Kampf gegen den Krebs wieder aufspielt. Beide genießen das Konzert in vollen Zügen – ganz ohne unnötige Hektik oder übertriebenem Stageacting, was zu den gediegenen Hard Rock-Nummern wie ‘Love Bites’ oder ‘Hysteria’ ohnehin nicht passen würde. Für die nötige Show sorgen dafür ein ausgefeiltes Lichtdesign und reichlich LED-Wände im Hintergrund. Weitere Songs herauszugreifen macht bei solch einem Best Of-Programm wenig Sinn, da wenig bis keine Wünsche offen gelassen werden. Deshalb ein kurzes und bündiges Fazit: Ein absolut würdiger Headliner, der mit einer wohltuend charismatischen Gelassenheit glänzt.

Ghost

Um 0:30 Uhr wird es Zeit für die letzte Band des Abends: Die schwedischen Okkult-Rocker Ghost laden zur Zeremonie. Nach wie vor polarisieren die Maskenträger wie eh und je, die Fangemeinde wächst allerdings unaufhörlich. Und genau für diese setzen Ghost heute ein Denkmal: Es ist das erste offizielle Konzert im neuen Gewand und mit „neuem“ Sänger, zuvor wurde lediglich ein intimer Gig in Schweden absolviert. Wo bei Papa Emeritus III. im Großen und Ganzen alles beim Alten geblieben ist, machen seine Mitstreiter in Sachen Stilsicherheit einen deutlichen Schritt nach vorne und schrauben gleichzeitig ihren Coolness-Faktor in ungeahnte Höhen. Vorbei sind die Zeiten der kuttentragenden Darth Vader-Verschnitte: Die namenlosen Ghouls werfen sich jetzt in schnittige kurze Mäntel und tragen dazu eine schlichte, Harlekin-ähnliche Teufelsmaske in Silber. Optisch machen sie damit in Verbindung mit der stimmigen Beleuchtung schon mal vieles richtig, aber auch musikalisch passt heute einfach alles zusammen. Angefangen vom treibenden Instrumental ‘Genesis’, das von der Stelle weg von einem satten Sound getragen wird, arbeitet sich das Sextett durch ihr komplettes Debütalbum OPUS EPONYMOUS. Aufgelockert wir das teuflisch gute Treiben neben der INFESTISSUMAM-Single ‘Year Zero’ von sage und schreibe vier neuen Songs aus dem kommenden Album MELIORA. Die Vorab-Single ‘Cirice’ sollte den Anhängern bereits geläufig sein, aber auch die restlichen noch unveröffentlichten Songs (‘From the Pinnacle to the Pit‘, ‘Majesty‘ und ‘Absolution‘) bestechen durch eingängiges Riffing und hitverdächtige Refrains. Papa Papst gibt sich in seinen Ansagen mit leicht italienischem Akzent wie immer herrlich skurril, führt aber, wie es sich für ein Oberhaupt gehört, gekonnt durch das Programm. Als wäre das nicht alles schon genug, wird das selbstironisch-geniale Roky Erickson-Cover ‘If You Have Ghosts’ als Zugabe obendrauf gegeben. ‘Monstrance Clock’ holt anschließend wie gewohnt die Kirche aus dem Dorf und mobilisiert mit seinem majestätisch-choralen Refrain zum krönenden Abschluss nochmal alle Jünger. Wenn Ghost nicht schon längst Kult waren, sind sie es spätestens jetzt. Erickson wusste es ja schon damals: “If you have ghost(s), you have everything.“

Was passierte am Freitag bei Mötley Crüe, Backyard Babies, Opeth und Co.?

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