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The New Black berichten vom AC/DC-Support

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Natürlich kommt es einem Lottogewinn gleich, wenn eine Band, die gerade ihr Debüt betourt, vor AC/DC spielen darf. Natürlich sind 65.000 oder mehr Zuschauer eine verdammte Ansage. Und natürlich will man dabei kein King‘s X-Shirt tragen. Aber stellt euch vor, der Nervenkitzel geht schon weit im Vorfeld los, wenn innerhalb weniger Stunden folgende Nachrichten kommt:

„Ihr seid für Rock am Ring und Rock im Park in drei Wochen bestätigt! Ihr seid im Gespräch für die AC/DC-Shows in Deutschland. Die erste ist in zwei Wochen! Euer Sänger liegt mit einer Virusinfektion im Krankenhaus!“

Autsch! Was machen wir denn jetzt? Dürfen wir uns freuen? Sollten wir alles abblasen, bevor es losgeht? Oder müssen wir unseren Sangesgott Fludid einfach mit illegalen Pferdemedikamenten fit spritzen? Die Verwirrung im The New Black Lager ist beträchtlich, der Informationsfluss von der Krankenstation jedoch zaghaft. Fest steht: Wir wollen. Ist ja auch keine Frage. Schon Wochen vorher rief unser Agent an mit dem mysteriösen Hinweis, wir sollten uns den 22.06. mal freihalten, er würde aber nicht sagen, worum es geht. Die Sache sei nur eine Anfrage, eine Idee, eine minimale Chance. Kurze Recherche: An dem Tag werden AC/DC in Berlin auftreten. Band-intern klang das dann so:

Fabs: „Haben wir alle an dem Tag Zeit? Wird was Großes.“
Fludid: „Wie groß denn?“
Fabs: „Groß, Alter, richtig groß.“
Fludid: „Spielen wir mit Gott oder was?“
Fabs: „Nein, größer!“
Fludid: „Cool, dann spielen wir also mit dem Vadder vom Gott!“

…womit Angus fortan im The New Black Camp nur noch der „Vadder vom Gott“ heißt. Aber das hilft alles nix: Fludid hat es richtiggehend niedergestreckt. Der Mann kann kaum aufstehen, geschweige denn rumlaufen, geschweige denn singen. Erinnerungen an den Grippe666-Virus von der Volbeat-Tour werden wach (hier der Bericht). Und illegale Pferdemedikamente konnte bisher keiner auftreiben. Schade eigentlich, denn die Hannover-Show von AC/DC am 25. Mai 2010 können wir keinesfalls spielen. Damit fallen wir aus den „Verhandlungen“ raus, es übernehmen Boon (deren Erlebnisbericht hier zu finden ist), die schon in Wien eine gute Visitenkarte abgegeben hatten. Das funktioniert so gut, dass sie auch für Berlin verpflichtet werden. Respekt!

Für zwei Shows sind wir jedoch noch im Rennen. Fludid hat von dem ganzen Theater gar nicht viel mitbekommen, ist aber irgendwann wieder fit genug, um durchzugeben, dass er unbedingt dabei sein will. Auch ohne Pferdemedikamente. Der Rest fragt sich heimlich: „Vielleicht zur Sicherheit? Oder nur die Pony-Dosis?“ Dann kommt die Bestätigung: „The New Black spielen in Stuttgart und Dresden im Vorprogramm von AC/DC“! Verdammt. Die eine Hälfte der Band muss erstmal Luft holen, die andere Hälfte ist bereits in eine kleine Ehrfurchtsohnmacht gefallen. Killer! Noch aus einem ICE heraus stellen wir die Daten ins Netz. Teile des The New Black Camps versuchen angeblich sogar, unserem Agenten und dem österreichischen Mitveranstalter ein Ehrendenkmal aus alten Oropax zu bauen.

Leider kommt dann doch noch die Nachricht, dass wir in Stuttgart doch nicht mitspielen dürfen, weil AC/DC am Tag vorher erst in Donington, England auftreten und die Produktion keine Zeit für drei Vorbands hat. Accept dürfen natürlich bleiben, Room77 mit einem Bayern München-Fußballer auch. Die Blackies müssen raus. Das wirkt erstmal, als wäre Doppelweihnachten zur Hälfte abgesagt worden, aber natürlich ist uns klar: Wenn wir in Dresden aufrocken, spielen wir schon mehr AC/DC-Shows mit, als wir uns jemals ausgemalt haben.

Es gibt natürlich auch noch die technische Seite: Die AC/DC-Tour ist die größte Rock-Tour dieser Tage, hier werden mehr Tickets verkauft als bei U2 (yes!). Da sind Profis am Werk, was bedeutet, dass wir vor allem Regel Eins für Vorgruppen befolgen müssen: „Nicht im Weg stehen!“ Auch von der AC/DC-Crew sind Geschichten zu hören, etwa von Fünf-Minuten-Soundchecks: „Guitar player one… you have 20 seconds!“ Wir stellen uns auf das Schlimmste ein, bereiten uns akribisch vor…und erleben das Gegenteil: Am Tag der großen Show bekommen wir einen eigenen Container neben Volbeat, die Erlaubnis, unser Logo in Megagröße auf den Bildschirm hinter den Drum zu projizieren…und langsam ein bisschen Lampenfieber.

Hinter der Bühne stehen unzählige Trucks, Busse und, yeah!, AC/DC-Cases, von den Musikern selbst ist nichts zu sehen. Wir werden nach dem Volbeat-Linecheck auf die Bühne gerufen und von englischsprachigen Technikern mit präzisen Kommentaren auf unsere Positionen verwiesen. Jetzt heißt es: Schnell die Amps aufbauen, Kabel verlegen, Mirkos einstellen und, natürlich, nicht im Weg rumstehen. Jeder von uns darf kurz Krach machen – und zwar vor allen Leuten, denn die Tore wurden vor Stunden schon geöffnet. Hätten wir das vorher gewusst, würden wir nicht so bräsig in den Klamotten von gestern vor Zehntausenden Leuten herumstehen und „Check! Check! Eins, eins, Heinz aus Mainz!“ ins Mirko krächzen. Der Lincheck dauert sogar länger als fünf Minuten, die AC/DC-Crew ist professionell und fair, aber natürlich können wir zum Beispiel die Monitore zum Sich-selber-hören nicht vernünftig einstellen. Da werden auch unsere Gitarrenhelden nervös. Als später alle in Bühnenklamotten am Aufgang stehen und auf das Zeichen warten, gilt aber nur eins: Attacke. Es soll Aussagen gegeben haben wie „Und wenn ich auf blutigen Stümpfen auf die Bühne krabbeln muss, das spiele ich jetzt!“ So schlimm kommt es doch nicht, der Stage Manager ist ein Gentleman, allerdings mit präzise laufender Armbanduhr…

…und dann dürfen wir hoch hinter den „Rock‘N‘Roll-Train“. Ein Blick um die Ecke und… „Woah, Alter!!!“ Vor uns stehen richtig, richtig viele Leute. Günt meint nur lakonisch: „Wenn die alle Bierbecher werfen, sammele ich das Pfand ein und werde reich!“. Wir reichen uns die Fäuste, dehnen ein letztes Mal die Oberschenkel für die Metal-Grätsche…

…und dann kommt das Zeichen: Intro ab! Es ist der Colt Seavers-Song, Chris klettert hinter sein Drumkit, schlägt die Stöcke im Rhythmus zusammen – und die Leute vorne klatschen mit! Na also. Wer klatscht, kann nicht so gut mit Bierbechern zielen. Dann gehts endlich los: Akkord anschlagen, rausrennen, Arme in die Luft, die Menge sehen, nicht ins Beinkleid machen, nichts anmerken lassen, „Hallo Dresden, wir sind The New Black aus Würzburg!“, drei, vier, und Abfahrt! ‘Why I Burn‘ und ‘More Than A Man‘ laufen wie geschmiert, der Monitor-Sound ist scheißegal, Hauptsache laut, und auf der großen Bühne gibts viel Auslauf. Natürlich ist die Rampe nach vorne nur dem Vadder vom Gott vorbehalten, aber wir haben genug zu tun. Vor uns stehen mehr Leute als wir jemals von einer Bühne herunter sehen durften, vorne scheint es einigen sogar zu gefallen. Und die hinten sind zu weit weg zum Werfen.

‘Drive‘ rauscht vorbei, danach ‘Welcome To Point Black‘. Mit ‘Everlasting‘ (hier als Free Download) ist normalerweise Schluss, aber ein hektischer Blick zum Tourmanager bestätigt: Einer geht noch. Da muss ‘Not Me‘ ran: Kurz – und hart.

…und damit ist die adrenalinhaltigste halbe Stunde unseres Lebens vorbei. Was ein Hammer! Was ein Kick! Wir stehen schweißnass und atemlos hinter der Bühne, klatschen uns ab, und sind völlig begeistert. Wortmeldungen beschränken sich auf „Alter!!!“, „Wahnsinn!“ und „Hsbshmpf!“. Außerdem sind wir auch ein kleines bisschen stolz: Natürlich stehen wir vor AC/DC wie eine Kiste Bier vor der METAL HAMMER-Festivalcrew, nämlich klein, unbedeutend und chancenlos. Aber The New Black haben ihr Ding vor 65.000 Leuten ohne größere Schäden durchgezogen. Und ohne sich ins Höschen zu machen.

Jetzt heißt es einpacken und weiter bloß nicht im Weg rumstehen. Volbeat sind gerade dran, als eine Handvoll Audi-Limousinen einfährt und ein Riesenzelt noch konsequenter abgesperrt wird. Das einzige, was wir von AC/DC sehen, ist ihr Weg zur Bühne: Zu fünft auf einem winzigen Golf-Cart, Angus grinsend, Brian winkend. Und dann legt er los, der Vadder vom Gott… Die beste Rock‘n‘Roll-Band der Welt, ohne die einige von uns nie den richtigen Weg zum Riff gefunden hätten. Noch bevor AC/DC in der Mitte ihres Sets angekommen sind, sitzen wir alle wieder im Blackmobile und fahren nach Hause, denn wenn erstmal die Trucks rangieren und 65.000 Rocker das Gelände verlassen wollen, steht man auf jeden Fall im Weg. Es dauert zwar noch eine Weile, bis der Adrenalinkick nachlässt, aber auch danach steht fest: Sowas wollen wir nochmal.

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