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Till Lindemann (Rammstein) auf der Vernissage zu ‘In stillen Nächten’

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Ortstermin Berlin Mitte, Samstag Abend, leichter Regen. METAL HAMMER steht vor der Fresh Eggs-Galerie in der Auguststraße und wartet in einem Pulk von 200 aufgeregten Menschen auf Rammstein-Sänger Till Lindemann. Die Vernissage seiner Ausstellung IN STILLEN NÄCHTEN findet „im Beisein der Künstler“ statt; so war es im Vorfeld im Internet und auf dem Einladungsflyer zu lesen.

Aus diesem Grund drängen sich in der Galerie im schicken Berlin-Mitte nicht nur die hier heimischen Kunst- und Poesieliebhaber um die ausgestellten Illustrationen und ihren fröhlich Auskunft gebenden Erschaffer Matthias Matthies, sondern vor allem schwarz gekleidete Rammstein-Fans. Gekommen sind aufgetakelte Mädchen Mitte zwanzig mit rot geschminkten Lippen und langhaarige junge Männer in „Völkerball“-Shirts, dazu ein auffällig lauter Herr mit Kapitänsmütze auf dem Kopf.

Banges Warten auf Till Lindemann

Man schlürft Sekt oder Bier und beäugt misstrauisch oder begeistert die Penisse, Brüste und Fettschichten, die in dezenten Rahmen unmissverständlich an den Wänden prangen und das Beiwerk zu Till Lindemanns Gedichten darstellen, die, mit schwarzer Tinte in blütenweißes Papier geritzt, daneben hängen.

Der bunt gemischte Haufen hat ein gemeinsames Ziel: Till Lindemann treffen, den verehrten Sänger endlich mal persönlich kennenlernen, ein Wort wechseln oder gar ein Autogramm erhaschen. Doch Lindemann kommt nicht. Gerüchte von seiner Ankunft machen immer wieder die Runde und stellen sich kurz darauf als falsch heraus, Menschenmassen drängen erst in die Galerie, dann wieder nach draußen, doch der Künstler bleibt fern. Noch einen scheuen Blick auf die Gedichte und Bilder geworfen, die in den zwei Räumen zu sehen sind und hauptsächlich aus dem Gedichtband IN STILLEN NÄCHTEN stammen, der 2013 erschien (METAL HAMMER berichtete).

Dann endlich ist es soweit, Lindemann ist eingetroffen.

Der Rammstein-Sänger als scheuer Künstler

Schwarz gekleidet und mit einer Wollmütze auf dem Kopf stapft er durch den leichten Regen, die ersten Fans laufen ihm entgegen. In der Galerie entsteht ein Tumult, alle drängen ins Innere, Lindemann nimmt den Hintereingang. Drinnen erscheint er kurz, lächelt und winkt schüchtern in die Menge, meidet jedoch jeden Blickkontakt. Dann verschwindet er im Hinterzimmer. Die Meute blickt sich ungläubig an – das soll es schon gewesen sein?

Keine Autogramme, keine Gespräche? Eine junge Dame im Rollstuhl darf ganz nach vorne, um möglichst nah am Geschehen zu sein, doch Lindemann taucht nur noch ein einziges Mal auf, tritt vor das Publikum, fragt seinen Mitaussteller Matthies im Scherz, ob er eine Rede halten müsse, zuckt bei Forderungen aus dem Publikum sofort zurück und verschwindet nach wenigen Sekunden für nervöse Handyfotos mit einem letzten Winken wortlos aus dem Blickfeld der Fans. Unverständnis allerorten.

Wer mit dem pyroartig tobenden, martialische Sprüche reißenden Sänger rechnete oder einfach nur Autogramme wollte, wird an diesem Abend bitter enttäuscht. Doch bei IN STILLEN NÄCHTEN geht es nicht um Rammstein. Es geht um den Menschen Till Lindemann, um die öffentlichkeitsscheue Privatperson, den sensiblen Dichter, den einfühlsamen Künstler, der mit seinem Gedichtband und der Ausstellung einen Blick in sein Innerstes, vielleicht sogar in seine Seele ermöglicht.

Wie es dort aussieht, ist noch bis zum 22. März 2014 in der Fresh Eggs Galerie zu bestaunen. Und vermutlich kommt man dem Menschen hinter Rammstein durch interessierte Lektüre und einen Augenblick des Verharrens ein ganzes Stück näher als durch ein kurzes „Hallo“ und ein ins Buch gekritzeltes Autogramm. Das Motto des Abends lautete schließlich: In STILLEN Nächten.

Fotos von der Vernissage mit Rammsteins Till Lindemann findet ihr oben in der Galerie.

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